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Mit diesem Tool lassen sich digitale Preisschilder hacken

Gläser mit sauren Gurken im Supermarkt und mit digitalen Preisschildern
Digitale Preisschilder können manipuliert werden Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig / Eibner-Pressefoto
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Lars Lubienetzki
Freier Redakteur

6. Juni 2026, 17:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Sie finden sich an den Regalen in vielen Supermärkten und Medienkaufhäusern. Sie sind praktisch, weil sie sich mit wenig Aufwand schnell ändern lassen und dabei noch Papiermüll vermeiden. Die Rede ist von digitalen Preisschildern. Doch was viele nicht wissen: Sie lassen sich per Software und Funktechnologie hacken und manipulieren. Warum dennoch gerade Fotos von gehackten digitalen Preisschildern dank TagTinker im Netz kursieren, die Geschichte dahinter erzählt TECHBOOK in diesem Artikel.

Auf der Open-Source-Plattform GitHub nennt sich der Entwickler i12bp8. Dort hat er sein Programm TagTinker hochgeladen. TagTinker ist ein Tool für Flipper Zero. Dieses kleine Gerät gilt unter digitalen Sicherheitsexperten und Hackern gleichermaßen als eine Art elektronisches Schweizer Taschenmesser, also ein Gerät, mit dem sich unzählige Dinge anstellen lassen, auf legale und illegale Weise.

Fotos manipulierter Preisschilder dank TagTinker

Doch der Reihe nach. Auf dem Online-Forum Reddit tauchten vor ein paar Wochen Fotos auf, die zeigen, wie User mit TagTinker über Flipper Zero digitale Preisschilder gehackt und manipuliert haben. Das ist nicht erlaubt. Das schreibt Entwickler i12bp8 auch ausdrücklich in der Programmbeschreibung auf der TagTinker-Seite auf GitHub. Dort heißt es, das Tool diene nur zu Forschungszwecken und wörtlich:

„Unter keinen Umständen darf diese Software für illegale Aktivitäten verwendet werden. Es ist strengstens untersagt, TagTinker zu verwenden, um Einzelhandelsanzeigen zu verändern, elektronische Regaletiketten in Geschäften zu modifizieren, in die Infrastruktur Dritter einzugreifen oder irgendeine Form von Vandalismus oder finanziellen Schaden zu verursachen.“

Wie die Kommentare und Fotos auf Reddit zeigen, haben sich User über das Verbot hinweggesetzt. Allerdings sollte an dieser Stelle weniger über legal oder illegal gesprochen werden, sondern darüber, warum das überhaupt so einfach möglich ist.

Das ist Flipper Zero

Dazu ein kleiner technischer Exkurs. Flipper Zero ist eine Koproduktion von Entwicklern aus Russland und der Ukraine. Das Gerät kam im Jahr 2020 auf den Markt, also vor dem Beginn des Angriffs der russischen Armee auf die Ukraine.

Flipper Zero bündelt viele Werkzeuge und Funktionen aus dem Bereich Funktechnik und Infrarot in einem Gerät. Für sämtliche Anwendungsbereiche gab es schon länger einzelne Geräte, nur eben noch keines, welches alles vereint und dazu noch in die Hosentasche passt.

Flipper Zero lässt sich dank Infrarot unter anderem als TV-Fernbedienung benutzen, als Funk-Wetterstation oder als Funkschalter bei Präsentationen. Alles völlig harmlos. Nur haben User dann sehr schnell herausgefunden, wie sich damit auch reichlich Schabernack anstellen lässt.

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Selbst iPhones waren nicht sicher

Erstmals richtig Aufmerksamkeit bekam Flipper Zero im Jahr 2023. Damals ist bekannt geworden, wie sich mit dem Gerät iPhones zum Absturz bringen lassen. Apple konnte erst Monate später diese Sicherheitslücke per Update schließen. Damit zurück zu den manipulierten digitalen Preisschildern. Diese Sicherheitslücke hat das Projekt „Furrtek“ aufgedeckt. Doch niemand ist offensichtlich bislang auf die Idee gekommen, diese Lücke zu schließen.

Die Infrarot-Verbindung bei digitalen Preisschildern ist in der Regel unverschlüsselt. Um darauf zuzugreifen, reicht das Wissen über das verwendete Kommunikationsprotokoll aus. Dann kann ein Gerät wie Flipper Zero mit einem Tool wie TagTinker ein digitales Preisschild hacken und manipulieren.

Bislang haben die Hersteller solch digitaler Anzeiger nur darauf vertraut, dass niemand jemals das Protokoll herausfindet. Doch durch das Projekt „Furrtek“ ist dieser Sicherheitsmechanismus komplett hinfällig.

Deswegen ist die Frage, ob ein Handeln legal oder illegal ist, die falsche Frage. Viel mehr sollten sich Tech-Unternehmen wie beispielsweise Apple selbst hinterfragen, wieso ein teures iPhone monatelang mit einer solchen Sicherheitslücke verkauft worden ist und ein unscheinbares Gerät wie Flipper Zero ausreicht, um es zum Absturz zu bringen.

Aber genau deswegen ist das Gerät bei digitalen Sicherheitsexperten so beliebt. Damit lassen sich solche Lücken aufdecken. Wer mehr über Funktechnologie und Infrarot wissen möchte, wie Flipper Zero funktioniert und was sich damit alles anstellen lässt: In diesem Video gibt es einen ausführlichen Überblick.

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