20. Januar 2026, 11:39 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Hamburg testet einen neuen Ansatz gegen den chronischen Parkdruck in Wohngebieten. Künftig können Autofahrer nachts Stellplätze auf Supermarktflächen buchen, die nach Ladenschluss ungenutzt bleiben. Das Pilotprojekt soll zeigen, ob sich bestehender Raum besser nutzen lässt, ohne neue Parkflächen zu schaffen.
In vielen Stadtteilen gehört die Parkplatzsuche am Abend zum Alltag. Wer nach Feierabend nach Hause kommt, fährt oft mehrere Runden durch das Viertel, in der Hoffnung auf eine freie Lücke. Die Stadt Hamburg hat bereits verschiedene Maßnahmen ausprobiert, etwa digitales Parkraummanagement oder ausgeweitetes Anwohnerparken. Mit dem sogenannten Feierabend-Parken folgt nun ein weiterer Versuch.
Supermarktflächen nachts geöffnet
Kern der Idee ist es, Parkplätze zu nutzen, die tagsüber stark gefragt sind, nachts aber leer stehen. Den Anfang macht ab Montag eine Lidl-Filiale im Stadtteil Hamm. Dort stehen nach Geschäftsschluss zehn Stellplätze zur Verfügung, die sich zwischen 18 Uhr abends und 8 Uhr morgens buchen lassen. Der Preis liegt bei drei Euro pro Nacht. Zusätzlich sind Wochen- und Monatstarife vorgesehen.
Die Stadt betont, dass es sich um einen zeitlich begrenzten Test handelt. Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln und zu prüfen, ob das Angebot tatsächlich zur Entlastung der Parksituation beiträgt.
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Digitale Buchung bereits bekannt
Organisiert wird das Angebot über die Plattform Wemolo. Über denselben Anbieter lassen sich bereits an anderen Orten Stellplätze auf Supermarktflächen buchen, etwa bei Edeka oder Rewe. Auch andere Städte dienen als Vorbild. In Düsseldorf läuft seit 2024 ein ähnliches Modell, das inzwischen deutlich ausgeweitet wurde. Dort stehen fast 2000 Stellplätze über Nacht zur Verfügung, nicht nur auf Supermarktparkplätzen, sondern auch in Parkhäusern und auf privaten Flächen. Vergleichbare Projekte gibt es zudem in Bonn und Köln, dort vor allem auf Aldi-Parkplätzen.
Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks sieht in abends freien Parkflächen eine bislang ungenutzte Ressource. Sie könnten helfen, die Parkplatzsuche zu verkürzen und damit auch unnötigen Verkehr in Wohngebieten zu reduzieren.
Lage entscheidet über Erfolg
Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen allerdings, dass das Modell nicht überall gleich gut funktioniert. In abgelegenen Gewerbegebieten blieb die Nachfrage gering, während innenstadtnahe Wohnviertel stark ausgelastet waren. Entscheidend sind daher Lage und tatsächlicher Parkdruck.
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Der Hamburger Teststandort an der Carl-Petersen-Straße liegt in einem dicht bebauten Quartier mit hoher Nachfrage. Ob die zehn Stellplätze dauerhaft genutzt werden und spürbar Entlastung bringen, soll der Test zeigen. Fällt das Ergebnis positiv aus, will die Stadt weitere Standorte prüfen. Ob sich das Konzept langfristig etabliert, werden die kommenden Monate entscheiden.