Deutsche Bahn testet Bodycams mit Ton gegen Gewalt im Zug
Bodycams mit Tonaufzeichnung sollen Bahnmitarbeitende schützen Foto: Getty Images
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Sandra Bültermann
14. August 2026, 9:13 Uhr |
Lesezeit: 2 Minuten
Beschimpft, bespuckt, geschubst oder geschlagen: Für viele Bahn-Mitarbeiter gehört Gewalt inzwischen zum Arbeitsalltag. Jetzt will die Deutsche Bahn ihre Beschäftigten besser schützen und testet Bodycams, die neben Bildern auch Ton aufzeichnen.
Fast 1000 Übergriffe in sechs Monaten
Allein im ersten Halbjahr 2026 registrierte DB Regio 989 Übergriffe auf Beschäftigte. In 781 Fällen handelte es sich um einfache Körperverletzungen wie Schubsen, Greifen oder Bespucken. Hinzu kamen 185 versuchte und 22 schwere Körperverletzungen. Zu Beginn des Jahres kam zudem ein Bahn-Mitarbeiter ums Leben.
Besonders bei Fahrkartenkontrollen können Situationen schnell eskalieren. Die Bahn setzt deshalb bereits auf Bodycams, die Geschehnisse dokumentieren sollen. Künftig sollen die Kameras mehr können: Ab Herbst testet DB Regio Modelle mit zusätzlicher Tonaufzeichnung.
Der zweimonatige Pilotversuch soll spätestens am 1. Oktober 2026 in der Region Rhein-Neckar-Pfalz starten. Die Tonaufnahme soll dabei vor allem abschreckend und deeskalierend wirken. Gleichzeitig können die Aufnahmen bei der späteren Aufklärung von Straftaten helfen. Nach dem Test soll die Funktion schrittweise bundesweit eingeführt werden.
Beim Datenschutz will die Bahn auf Nummer sicher gehen. Nach Angaben der DB ist der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in den Pilotversuch eingebunden. Wie genau die Aufnahmen gespeichert und ausgewertet werden, dürfte deshalb eine wichtige Rolle bei der weiteren Einführung spielen.
Die Tonfunktion ist nur eine von mehreren Maßnahmen. DB Regio setzt unter anderem auf Doppelbesetzungen im Kundenservice und sogenannte 1/1-Begleitungen. Dabei unterstützt eine zweite Person mit Sicherheitskenntnissen die Kundenbetreuer bei Kontrollen. Auch größere Prüfgruppen mit sechs bis acht Mitarbeitern sollen für mehr Sicherheit sorgen.
Zusätzlich baut die Bahn die persönliche Schutzausrüstung aus. Kundenbetreuer erhalten unter anderem stichfeste Westen, während die Mobile Unterstützungsgruppe mit Helmen ausgestattet wird. Außerdem soll das Prio-Ruf-System stärker mit den Bodycams vernetzt werden. Per Knopfdruck am Armband können Mitarbeiter bereits heute Hilfe anfordern. Auch den Einsatz von künstlicher Intelligenz prüft die Bahn – wie diese konkret helfen soll, steht allerdings noch nicht fest.
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