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Mit TECHBOOK-Einschätzung im Video

Kann man Einkaufswägen bald nur noch mit Smartphones entsperren?

Online Lebensmittel einkaufen, an der Kasse im Geschäft per Handy bezahlen und Rabatt auf Produkte über eine App erhalten – unser Einkaufsverhalten hat sich in den vergangenen Jahren stark geändert. Nun kommt die Digitalisierung auch beim guten alten Einkaufswagen an.

Bislang haben wir uns beim Einkaufen einen Korb oder einen Einkaufswagen geschnappt – letzterer freigegeben durch eine Euro-Münze oder einen Einkaufs-Chip. Doch das Münz-Chip-System könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Zumindest wenn es nach Unternehmen wie Wanzl geht, der den Einkaufswagen mit dem Smartphone koppeln möchte.

Einkaufswagen per Smartphone entsperren

Den klassischen Einkaufswagen gibt es in Deutschland seit den späten 1940er Jahren. In den 80er wurde dann das Pfandsystem eingeführt, wie wir es heute kennen. Gut 40 Jahre später bahnt sich nun erneut eine Änderung an. Der sogenannte „Smart-Trolley“ soll sich mit dem Smartphone statt mit einer Münze entsperren lassen. Künftig benötigen Kunden und Kundinnen dann lediglich die App eines Supermarktes oder Discounters auf ihrem Smartphone oder ihrer Smartwatch, um den Einkaufswagen freizugeben. Der Einkaufswagen-Hersteller Wanzl hat nicht nur die nötige Technologie in den Wägen, sondern auch die Software entwickelt. Sie muss nur noch in den jeweiligen Apps der Märkte integriert werden.

Wanzl sieht in der Lösung einige Vorteile für Kunden, Kundinnen und Märkte. Durch die Kopplung des Smartphones mit dem Einkaufswagen können Nutzer*innen auf das Münzpfandsystem verzichten und den Wagen auch dann entsperren, wenn sie kein Geld zur Hand haben. Immer mehr Menschen verzichten heutzutage auf Bargeld und zahlen ihre Einkäufe stattdessen per Karte oder sogar mobil mit dem Handy.

Die Supermärkte und Discounter können dank der Verbindung des Einkaufswagens mit
dem Smartphone hingegen kundenspezifische Informationen gewinnen und ihre Einkaufswägen besser verfolgen, da sich diese mit RFID-Chips ausstatten lassen. Die Märkte erhalten beispielsweise Informationen darüber, wo sich der Wagen im Laden oder außerhalb befindet (Stichwort Diebstahlschutz) und können bei zu geringem Bestand in den Parkboxen nachrüsten. Sie sehen aber auch, wie lange ein Einkauf gedauert hat, wie lange sich Kunden und Kundinnen vor bestimmten Regalen aufgehalten haben und können gezielt Kaufanreize setzen, beispielsweise durch Coupons und Rabattaktionen.

Die Rückgabe der Einkaufswägen soll durch ein Bonussystem gewährleistet werden. Wanzl nennt dafür verschiedene Beispiele: eine Spende für einen guten Zweck, der Ausdruck eines Bons für den nächsten Einkauf oder die Teilnahme an einem Gewinnspiel.

Rita Deutschbein und Andreas Filbig von TECHBOOK diskutieren Vor- und Nachteile im Video:

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Wie praktisch ist das neue System wirklich?

Mit einem Blick auf die von Wanzl angeführten Punkte wird allerdings schnell deutlich, dass sich vor allem für Supermärkte wie Edeka und Rewe sowie Discounter wie Aldi, Lidl und Kaufland Vorteile ergeben. Sie erhielten durch den Einsatz der Smartphone-Kopplung mit dem Einkaufswagen zahlreiche Daten über das Kaufverhalten ihrer Kunden und Kundinnen. Für einen Großteil der Nutzer*innen würde die Umrüstung aber auch Probleme mitbringen.

Es gibt zahlreiche Menschen in Deutschland, die bewusst auf ein Smartphone verzichten, sich keines leisten können oder mit der Technologie nicht zurecht kommen. Man denke beispielsweise an ältere Menschen. Sie alle blieben außen vor, wenn sich ein Einkaufswagen künftig nur noch per Smartphone entsperren ließe. Aus diesem Grund müssten die Supermärkte und Discounter also parallel zu den modernen Einkaufswägen auch Modelle mit dem alten Münzpfandsystem anbieten. Der Kauf der neuartigen Modell und deren Wartung dürfte zudem nicht billig sein – hier bleibt abzuwarten, ob sich die Märkte die neue Lösung leisten möchten, wo doch das alte System ebenfalls gut funktioniert.

Einige dieser Fragen soll ein Test des neuen Smartphone-Systems im Einkaufswagen beantworten. Derzeit probiere man die Lösung von Wanzl in einigen Märkten aus, um Erfahrungen zu sammeln und Nutzermeinungen einzuholen.