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Meinung zu Markenrechtsstreit mit Start-up

„Apple, du machst mich wirklich wütend!“

Menschen vor einem Apple-Store
Apple sieht sein Logo in GefahrFoto: Getty Images

Nicht zum ersten Mal verklagt ein großer Konzern ein kleines Start-up. Im aktuellen Fall geht es um eine mutmaßliche Markenrechtsverletzung. TECHBOOK-Redaktionsleiter Andreas Filbig kann da nur mir dem Kopf schütteln.

Äpfel mit Birnen vergleichen

Diesmal geht es um das Logo eines amerikanischen Start-ups. Dieses zeigt eine angeschrägte Birne – für Apple ist das zu nah am eigenen angebissenen Apfel. Diesen hat Apple sich markenrechtlich beim Patentamt schützen lassen. Das Patent beinhaltet nicht nur 1-zu-1-Kopien, sondern auch Logos die zu Nahe am Original sind. Genau das wirft Apple der Koch-App „Prepear“ beziehungsweise dem Entwickler „Super Healthy Kids, Inc.“ nun vor, wie MacRumors.com berichtet. Die App ist sowohl im App Store als auch im Google Play Store erhältlich. Der Konzern befürchte laut eigener Aussage „Verwischungseffekte“ in der Markenwahrnehmung. Machen Sie sich gerne ein eigenes Bild der beiden Logos.

Logo Prepear
Dieses Logo verwendet die App „Prepear“Foto: Super Healthy Kids, Inc.
Apple Logo
Zum Vergleich das Logo von Apple
Foto: Shawn Thew/EPA FILE/dpa

Apple verrät sich selbst

Meiner Meinung nach hat das Logo von Prepear nicht wirklich Ähnlichkeit mit dem von Apple. Darüber hinaus handelt es sich bei einer Koch-App nicht einmal um irgendeine Art von Konkurrenz. Dementsprechend finde ich die Reaktion auch völlig überzogen. Die Folgen für die Entwickler sind jedoch ernst, wie diese über Instagram verrieten. Demnach steht das fünf Jahre alte Unternehmen, das aus fünf Geschäftspartnern besteht, kurz vor dem Aus. Ein Gründer berichtet, dass die Kosten für eine juristische Auseinandersetzung das Unternehmen auffressen würden. Demnach gefährdet die Klage den Lebensunterhalt mehrerer Familien.

Ein solches Verhalten seitens Apple finde ich absolut verwerflich, auch weil es gegen die DNA des Unternehmens geht. Wie gerne kokettiert man doch immer wieder mit der eigenen Geschichte des Garagenunternehmens, das es durch viel Arbeit und tolle Ideen an die Spitze geschafft hat. Genau das verwehrt man nun im Stile eines gesichtslosen Milliardenunternehmens den Gründern und Entwicklern bei „Super Healthy Kids, Inc.“. Sollen diese also klein beigeben und das Logo ändern? Das sehen sie überhaupt nicht ein. Vielmehr setzten sie eine Petition auf und bitten um Unterschriften. Man will ein Zeichen setzen, auch weil diese Art von Klage leider gängige Praxis ist.

Nicht die erste Apple-Klage dieser Art

Wie es ist, wenn die Anwälte von Apple plötzlich an die Türe klopfen, kann auch ein deutsches Unternehmen berichten. Das „Apfelkind“, ein süßes Café in Bonn, musste sich vor rund acht Jahren mit Apple auseinandersetzen. Der kalifornische Konzern sah in dem Apfellogo des Cafés eine Markenrechtsverletzung und legte einen Widerspruch beim Markenamt ein. Alle Versuche von Café-Betreiberin Christin Römer, sich mit dem Anwalt von Apple zu einigen, scheiterten. Am Ende zog Apple seinen Widerspruch nach insgesamt zwei Jahren zurück. Und das ist nur einer von mehreren Fällen.

Apples Verhalten macht mich sauer

Markenrechtsverletzungen sind kein Kavaliersdelikt. Durch Fälschungen entstehen den Unternehmen hohe Schäden – das steht außer Frage! Doch darum geht es bei den vorliegenden Fällen offensichtlich überhaupt nicht. Ein möglicher Grund für solch bizarre Markenrechtsstreits könnte sein, dass Apple nach dem Motto „wehret den Anfängen“ handelt. Wo man da anfängt und wo aufhört dürfte aber auch den Kaliforniern nicht ganz klar sein. Eines ist jedoch klar: negative Schlagzeilen sind garantiert. Der gesunde Menschenverstand und die Rechtssprechung stehen Apple immer wieder entgegen. Der Imageschaden, den ein großes Unternehmen in solchen Fällen nimmt, wiegt für mich weitaus stärker, als mutmaßliche „Verwischungseffekte“. Solche Klagen verkörpern für mich alles, was eine Love-Brand NICHT auszeichnet. Sie ermangeln jeglicher Lockerheit und wirken einfach nur kleinkariert. Wenn dann aber auch noch mühsam aufgebaute Existenzen dadurch gefährdet werden, reicht reines Unverständnis nicht mehr aus.