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Breitband-Benchmark 2020

Überraschender Sieger hängt Telekom, Vodafone und O2 im Internet-Test ab

Frau vor dem Laptop
Welcher Internet-Anbieter hat die schnellsten Anschlüsse? Der Breitband-Benchmark gibt AufschlussFoto: Getty Images

Ein schneller Internet-Anschluss ist heute wichtiger denn je. Ob für das Video-Streaming, Online-Gaming oder fürs Home-Office mit Video-Konferenzen – ist die Leitung zu langsam, gibt es Probleme. Das PC Magazin hat daher im Breitband-Benchmark 2020 geprüft, welche Geschwindigkeiten die Anschlüsse der Telekom, Vodafone und Co. wirklich bieten.

Die Internet-Provider versprechen bei ihren Festnetz-Internet-Anschlüssen meist gute Bandbreiten. Doch die Leistung, die beim Kunden ankommt, kann mitunter ganz unterschiedlich ausfallen. Aus diesem Grund hat das „PC Magazin“ zusammen mit dem Partner „umlaut“ (vormals P3 Group AG) die tatsächlichen Datendurchsätze anwendernah und über sechs Monate lang gemessen. Dabei zeigte sich: Der Provider mit den schnellsten Internet-Anschlüssen ist weder der Vorjahressieger Deutsche Telekom, noch einer der Konkurrenten Vodafone oder Telefónica/O2.

Breitband-Benchmark 2020: So wurde getestet

Sechs Monate lang, beginnend am 3. Februar 2020, hat das PC Magazin zusammen mit umlaut die tatsächlichen Download-Datenraten, die Datengeschwindigkeiten beim Upload sowie die Laufzeiten der übermittelten Testdatenpakete (Latenz) bei verschiedenen Anschlüssen gemessen. Die so ermittelten Daten ermöglichen eine genaue Vergleichbarkeit und Einordnung der Anschlüsse in eine Rangliste.

Untersucht haben die Tester sowohl deutschlandweit verfügbare Zugänge als auch nur regional realisierte Internet-Anschlüsse – unabhängig davon, ob die jeweiligen Provider ihre eigene Festnetz-Infrastruktur betreiben oder ihre Kapazitäten als Reseller-Anschlüsse anderen Anbietern zur Verfügung stellen. Dabei wurde zwischen Privat- und Geschäftskundenanschlüssen nicht unterschieden.

Auch die Art der untersuchten Leitungen ist unterschiedlich. Im Breitband-Benchmark 2020 wurden sowohl klassische DSL/VDSL-Anschlüsse als auch Kabel- und Glasfaseranschlüsse begutachtet.

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Die Ergebnisse des Breitband-Benchmark 2020

Die Anbieter mit bundesweit verfügbaren Internet-Anschlüssen waren in diesem Jahr die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica/O2 sowie der Neuzugang 1&1 Versatel. Auch die regional verfügbaren Provider wie Wilhelm.tel oder die Deutsche Glasfaser zeigten sich in diesem Jahr recht stark. Obwohl sie mitunter durch ein besonders gutes Nutzererlebnis hervorstechen, kommen sie im Gesamtergebnis nicht ganz gegen die Großen der Branche an.

1&1 Versatel ist der Überraschungssieger in Deutschland

1&1 Versatel nennt ein etwa 50.000 Kilometer langes Glasfasernetz sein Eigen, das dem Provider im Breitband-Benchmark 2020 schlussendlich auch den ersten Platz einbrachte. Somit konnte der Anbieter den Vorjahressieger Telekom entthronen.

Ein Großteil der Kunden mit Gigabit-Glasfaseranschluss von 1&1 Versatel kommen aus dem Geschäftsbereich. Der Provider bietet aber auch Privatkundenanschlüsse an und arbeitet dafür eng mit seinem Schwesterunternehmen 1&1 zusammen.

Dass ein Anbieter mit Glasfasernetz im Vergleich das Rennen macht, verwundert wenig. Immerhin ermöglicht diese Anschlussart besonders schnelle Übertragungsraten, ist wenig störanfällig und läuft somit sehr stabil. Theoretisch sind über Glasfaser Spitzengeschwindigkeiten im höheren Gigabit-Bereich möglich. Vermarktet werden aber zumeist Anschlüsse mit Bandbreiten zwischen 200 Mbit/s und 1 Gbit/s.

Diese hohen Bandbreiten sorgen für die guten Ergebnisse im Breitband-Benchmark 2020. Der Anbieter schaffte es auf 947 von insgesamt 1000 möglichen Punkten. Besonders gut schnitt 1&1 Versatel in den städtischen und ländlichen Regionen von Baden-Württemberg sowie in den ländlichen Regionen von Bayern, Brandenburg, Hessen und Rheinland-Pfalz ab. Auch die Versorgung in Berlin und in den Städten im Saarland und in Sachsen überzeugte im Test.

Im Durchschnitt ermittelten die Tester eine Download-Datenrate von 19,6 Mbit/s in der Stadt und 19,5 Mbit/s auf dem Land. Der Upload lag jeweils bei 2 Mbit/s im Durchschnitt.

Deutsche Telekom mit sehr guter Abdeckung

Die Deutsche Telekom landet in diesem Jahr auf Platz Zwei. Der Anbieter betreibt nicht nur ein etwa 550.000 Kilometer langes Glasfasernetz. Zu seiner Infrastruktur gehören auch noch viele ältere klassische DSL-Anschlüsse, die zum Teil von anderen Anbietern vermarktet werden, aber der Telekom zugeordnet sind. Gerade in ländlichen Regionen können das sehr langsame Anschlüsse sein, die die ansonsten sehr guten Ergebnisse der Glasfasersparte etwas minimieren. Im Vergleich zu 1&1 Versatel, bei denen nur Glasfaseranschlüsse in die Bewertung einfließen, bleibt die Telekom somit im Gesamtergebnis etwas zurück.

Insgesamt kam die Telekom im Breitband-Benchmark 2020 auf 893 Punkte – 64 mehr als noch im Vorjahr. Das Gesamtergebnis konnte der Bonner Konzern somit verbessern. Sein besseres Abschneiden liegt unter anderem an der gesteigerten Downloadrate im Vergleich zu 2019. Den Durchschnitt von 17,5 Mbit/ (Stadt) und 15,1 Mbit/s (Land) konnte die Telekom auf 18 Mbit/ bzw. 15,9 Mbit/s anheben. Auch im Upload erzielte das Unternehmen mit nun 2,0 Mbit/s (vorher 1,7 Mbit/s) und 1,9 Mbit/s (vorher 1,5 Mbit/s) bessere Ergebnisse.

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Rangtausch bei Vodafone und O2

2019 folgte O2 der Telekom im Ranking. Vodafone befand sich damals auf dem dritten Platz. In diesem Jahr ist das anders. Aufgrund der Übernahme von Unitymedia und dem daraus resultierenden Zuwachs an leistungsstarken Kabelanschlüssen rückt Vodafone nach vorn und überholt die Marke der spanischen Telefónica.

885 Punkte konnte Vodafone insgesamt im Breitband-Benchmark 2020 erzielen. Somit liegt der Anbieter nur knapp hinter der Deutschen Telekom. Im Vergleich zum Vorjahr macht das einen Zuwachs von ganzen 83 Punkten.

O2 kommt in diesem Jahr indes auf 879 Punkte und konnte sich im Vergleich zu den 823 Punkten aus 2019 somit ebenfalls steigern. Für den dritten Platz im Breitband-Benchmark 2020 reicht es dennoch nicht. Der Provider muss sich mit Platz Vier begnügen.

Vodafone schafft bei den durchschnittlichen Downloadraten aktuell in der Stadt im Schnitt 18,3 Mbit/s und auf dem Land 17,7 Mbit/s. Vor einem Jahr waren es noch 17,0 und 16,0 Mbit/s. Im Upload erreicht der Provider hingegen 1,7 Mbit/s und 1,8 Mbit/s im Vergleich zu jeweils 1,4 Mbit/s im Vorjahr.

Die durchschnittlichen Downloadraten bei Telefónica/O2 haben sich in der Stadt leicht verschlechtert. Der Anbieter schafft es hier auf derzeit 18,3 Mbit/s und in ländlichen Regionen auf 16,2 Mbit/s. Im Vorjahr waren es noch 18,5 und 15,8 Mbit/s. Der Upload ist mit nun rund 1,8 Mbit/s hingegen schneller geworden. 2019 lag der Durchschnitt noch bei 1,6 und 1,5 Mbit/s.

In einer PDF hat PC Magazin seine Testergebnisse im Detail veröffentlicht.

Sieger abseits der großen Städte

Der regional tätige Anbieter Wilhelm.tel überzeugte die Tester abseits der großen Städte. Mit 388 von möglichen 400 Punkten holte sich der Regionalprovider in Schleswig-Holstein den ersten Platz. Ihm folgen die Deutsche Glasfaser in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie Pyur in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen. Pyur ist laut PC Magazin auch der Anbieter mit dem besten Nutzererlebnis.

Fazit: Durchweg bessere Internet-Verbindungen, aber dennoch Ausbaupotenzial

1&1 Versatel konnte den Sieg im Breitband-Benchmark 2020 mit großem Vorsprung für sich entscheiden. Die drei dahinter platzierten bundesweit tätigen Provider Deutsche Telekom, Vodafone und O2 liegen mit ihrer Bewertung hingegen recht nah beieinander. Erfreulich an den Ergebnissen dieses Jahr ist, dass sich die Anbieter im Vergleich zum Vorjahr in nahezu allen Punkten verbessern konnten. Dennoch zeigen die durchschnittlichen Datenraten im Download sowie Upload, dass durchaus noch Luft nach oben ist. An die zum Teil sehr hohen versprochenen Bandbreiten kommt im durchschnittlichen Nutzererlebnis niemand heran.

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Ein hierzulande zügig vollzogener Ausbau an Glasfaserleitungen direkt zum Kunden  (FTTH – Fiber to the Home) wäre somit wichtig und wünschenswert, damit Deutschland im Europavergleich nicht weiter ins Hintertreffen gerät.