2. Februar 2026, 17:36 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Anfangs war es zunächst eine Satellitenantenne, die die Marke Technisat in Deutschland bekannt machte. Heute aber ist man deutlich breiter aufgestellt, das Angebot reicht von Unterhaltungselektronik wie TV-Geräten und Digital-Radios, über Smarthome-Produkte, wie Energielampen, bis zu Atemschutzmasken.
Technisat wurde 1987 in Daun in der Eifel vom 2024 verstorbenen Peter Lepper gegründet, dessen Ziel es war, dort Satellitenprodukte für den Endverbraucher zu produzieren. Lepper ahnte wohl, dass mit dem Start des Privatfernsehens 1989 auch ein großer Bedarf an Empfangssystemen für den Astra-Satelliten aufkommen würde. Satellitenantennen sollten in der Folge tatsächlich zum Verkaufsschlager werden, und Technisat konnte diese Nachfrage bedienen.
Technisat entwickelte die ausgezeichnete „Satenne“
So konnte das Unternehmen als Anbieter der ersten Stunde zum Beispiel bereits 1990 mit der ersten eigenen Satellitenflachantenne, der „Satenne“, punkten. Eine Flachantenne benötigt im direkten Vergleich mit einer Satellitenschüssel deutlich weniger Platz und kann beispielsweise in einen Blumenkasten gesetzt werden. Die Satenne wurde damals für ihre Empfangsqualität, aber auch für ihre Ausstattung ausgezeichnet. Eine Ehre, die in der Zukunft immer wieder Produkten des Hauses Technisat zuteilwerden sollte.
Zusammenarbeit mit Stardesigner Luigi Colani
Wegweisend für Technisat war zudem der weltweit geltende Exklusivvertrag, den man 1998 mit dem 2019 verstorbenen Stardesigner Luigi Colani abschloss. Colanis skulpturaler Entwurf für den Technisat-Fernseher sollte Geschichte schreiben, nicht zuletzt, weil er ohne jegliche Winkel und Kanten auskam.
„Die Zusammenarbeit mit Professor Luigi Colani war hervorragend und hat in zweierlei Hinsicht unsere Unternehmensgeschichte stark geprägt“, sagte Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Peter Lepper anlässlich des Todes von Colani. Von Colani habe man gelernt, wie wichtig hochwertiges Design auch im Bereich der Unterhaltungselektronik sei. Mit den Colani-Fernsehern habe man den Grundstein für die Technisat-Fernsehproduktion gelegt. „Das, was wir damals mit ihm angefangen haben, führen wir bis heute fort. Nämlich die Entwicklung und die Produktion von qualitativ und visuell hochwertigen Fernsehgeräten in Deutschland“, würdigte Lepper den Einfluss von Colani auf Technisat.
2003 stellte man mit dem Modell HD Vision den weltweit ersten, serienreifen HDready-LCD-Fernseher mit Multi-Empfangstuner vor. Und 2007 präsentierte das Unternehmen auf der IFA, der Internationalen Funkausstellung in Berlin, den ersten eigenen Full-HD-Digitalfernseher mit integriertem Dual-HDTV-Multituner. Von immenser Bedeutung für das Unternehmen waren zudem zwei Erweiterungen des Produktportfolios. 2012 nahm man DAB+-Radios ins Programm auf, und 2014 weitete man das Angebot auf den Smarthome-Sektor aus und produziert seitdem auch Energielampen.
Auch interessant: Neues Warnsystem schaltet bestimmte Geräte automatisch ein
Digital-Radios, Energielampen und Atemschutzmasken
In den beiden folgenden Jahren konnte Technisat erneut Erfolge auf der IFA verzeichnen. Mit dem Modell Technimedia UHD+ präsentierte das Unternehmen erstmals ein eigenes Smart-TV. Ein Jahr später stellte Technisat zudem einen vollständig überarbeiteten Markenauftritt vor, der die Ausrichtung des Unternehmens nach außen neu definierte.
Zum 30-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 2017 brachte Technisat mit dem Digitradio 1 das erste Digitalradio auf den Markt, das als „Made in Germany“ beworben wurde. Damit unterstrich das Unternehmen den Anspruch, Entwicklung und Fertigung im eigenen Land zu halten.
Im Jahr 2019 folgte nach Angaben von Technisat „ein Meilenstein in der Entwicklung des eigenen Smarthome-Systems“. Durch neue Software-Updates und eine wachsende Zahl unterstützender Geräte biete das System „nun umfassende Möglichkeiten für mehr Sicherheit und Wohnkomfort zu Hause“, heißt es auf der Unternehmenswebseite.
Ein besonderer Einschnitt folgte 2020. Vor dem Hintergrund von Lieferengpässen zu Beginn der Corona-Pandemie begann Technisat mit der Produktion medizinischer Atemschutzmasken der Schutzklasse FFP2. Auch diese Produkte wurden als „Made in Germany“ gefertigt und markierten einen neuen Abschnitt in der Unternehmensgeschichte.
Neues Warnsystem schaltet bestimmte Geräte automatisch ein
Was wurde eigentlich aus dem Plattenspieler-Produzenten Dual?
Seit 2018 Teil einer gemeinnützigen Stiftung
Das Unternehmen, das heute mehr als 1000 Beschäftigte in Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Service aufweist, befindet sich mittlerweile im Besitz der 2018 gegründeten, gemeinnützigen Lepper-Stiftung. Man wolle „das Gute, was wir von der Gesellschaft bekommen haben, gerne zurückgeben“, lautete die Motivation des Gründerehepaars Doris G. und Peter Lepper. Ein großes „Dankeschön“, das nicht zuletzt in der Gründung der Junior Uni Daun am 8. Dezember 2023 resultierte.
Nach dem Vorbild der Junior Uni Wuppertal ermöglicht Daun jungen Menschen im Alter zwischen vier und zwanzig Jahren, sich frei von Notendruck in einer Vielzahl von Kursen auszuprobieren. Ob Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik oder Kunst und Kultur – alles ist hier möglich.
Neueste Entwicklungen
Die wirtschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre sind an Technisat aber nicht spurlos vorbeigegangen. Seit Anfang 2025 steht der traditionsreiche deutsche Unterhaltungselektronik-Hersteller vor tiefgreifenden Veränderungen. Nach Jahrzehnten mit eigener Produktion in Deutschland beschloss das Unternehmen im Sommer 2025, den vogtländischen Standort Schöneck zu schließen. Man verlagerte die Fertigung nach Polen, um den hohen Energie-, Personal- und Bürokratiekosten hierzulande zu begegnen und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Rund 70 Beschäftigte sind von der Schließung betroffen, während die Produktion im bestehenden polnischen Oborniki Śląskie weiter ausgebaut wird. Zugleich wurde der ehemalige Schönecker Standort von OHB SE übernommen, um dort künftig Elektronikbauteile für die Raumfahrtindustrie zu fertigen – ein Schritt, der die regionale Industriekompetenz erhalten und in neue technologische Felder führen soll.
Parallel dazu hat Technisat sein Produktportfolio weiterentwickelt. Neben den Kernbereichen Smart-TVs, Satelliten- und DAB+-Empfangstechnik brachte das Unternehmen 2025 ein neues DAB+-Digitalradio mit integriertem ASA-Warnsystem auf den Markt. Zudem setzt es nun auf zusätzliche Geschäftsfelder wie Elektromobilität mit eigenen TechniVolt-Wallboxen.