28. Juli 2025, 14:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Der Videospielesektor ist jahrzehntelang immer zweigleisig gefahren, was die Verfügbarkeit der Games betraf. Sogenannte Third-Party-Titel, also von Drittanbietern, erschienen recht häufig auf mehreren Konsolen und das hat sich prinzipiell bis heute nicht geändert. Doch die hauseigenen Spiele von Sony, Nintendo und Co. (First-Party-Games) erscheinen in der Regel exklusiv nur auf der eigenen Plattform – also etwa der PlayStation oder der Xbox. Doch dieses Modell bröckelt zunehmend. Und nun deutet sich an, dass sogar PS5-Spiele auf der Xbox oder Nintendo Switch eines Tages herauskommen könnten.
Anzeige deutet PS5-Spiele auf Xbox und Nintendo Switch an
Besonders starke, exklusive Spiele sind seit jeher wichtige Zugpferde für Hersteller, um die eigenen Konsolenverkäufe anzukurbeln. Super Mario gibt es etwa nur bei Nintendo, Sony hingegen hat sich mit Marken wie „The Last of Us“, „Horizon Zero Dawn“ oder „God of War“ ebenfalls ein beeindruckendes Portfolio aufgebaut. Letztere haben den eigenen Exklusivitätsanspruch bereits vor einiger Zeit mittels PC-Portierungen aufgeweicht – wohl auch, weil man diesen nicht als unmittelbare Konkurrenz ansah. Aber Portierungen auf andere Konsolen? Bislang undenkbar.
Doch jetzt ist eine neue Stellenanzeige erschienen, die nahelegt, dass bald etwa PS5-Spiele auf der Xbox oder Nintendo Switch landen könnten. Gesucht wird nämlich ein „Senior Director, Multiplatform & Account Management“, wobei „Multiplatform“ hier das ausschlaggebende Wort ist.
Denn besagte Person soll unter anderem die globale Strategie für Titel der PlayStation-Studios – also aller Eigenproduktionen – mitgestalten. Und zwar „über PlayStation-Hardware hinaus, inklusive Steam, Epic Game Store, Xbox, Nintendo und Mobile.“ Weiterhin ist die Rede von einer „Multiplattform-Expansion“.
Überraschende Kehrtwende bei Sony
TECHBOOK hat bei Sony um eine offizielle Bestätigung dieser neuen Strategie gebeten, aber noch keine Antwort erhalten. Über die Beweggründe für diese neue Entwicklung kann von daher nur spekuliert werden. Sollte sich das aber genauso bewahrheiten, würde es Sony Microsoft gleichtun. Die Xbox-Macher sind bereits dazu übergegangen, ehemals exklusive Spiele nun auch auf der PS5 anzubieten, zum Beispiel „Forza Horizon 5“. Im August soll „Hellblade 2“ als Nächstes folgen. Langfristig werde man sich allgemein von der Idee der Exklusivität verabschieden.
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Ob Sony das ähnlich sieht, ist nicht bekannt. Gut möglich, dass man übergangsweise sogenannte „getimte“ Exklusivtitel anbietet, also nur vorübergehende Zeitfenster, in denen es ein neues Spiel nur auf einer Plattform gibt. Als Grund bieten sich die steigenden Produktionskosten für AAA-Titel an, die es immer schwieriger machen, Profite zu generieren. Eine Multiplattform-Strategie hilft in der Hinsicht sicher, und Microsoft macht es bereits erfolgreich vor.
Ja, warum denn eigentlich nicht?
„Zugegeben, ich war in der Vergangenheit durchaus ein kleiner Konsolen-Snob, der immer etwas verächtlich auf die Hardware anderer Hersteller schaute. Das SNES fand ich einfach besser als den Mega Drive, viele Spiele auf dem Saturn sahen schlechter aus als auf der ersten PlayStation und auch heute noch möchte ich die Xbox-Fraktion herablassend bemitleiden, weil ihnen so viele starke Titel durch die Lappen gehen.
Andererseits: Bei CDs, Platten oder Blu-rays hat es die plattformgebundene Exklusivität auch nie wirklich gegeben. Grundsätzlich gilt in anderen Medien, dass man sich einmal für ein Abspielgerät entscheidet und dann darauf alles abspielen kann. Ein Blu-ray-Player spielt Blu-rays ab, egal von welchem Studio. Warum also dieses Prinzip nicht auch auf Videospiele ausweiten?
Seit jeher streiten immer wieder Anhänger von Sony, Microsoft und Co. darüber, wer denn die bessere Hardware abliefere, nur damit die Exklusivität der Spiele als Totschlagargument genannt wird. Fällt diese weg, müssen die Hersteller erst recht mit Leistung überzeugen – möge die wirklich beste Konsole sich dann durchsetzen. Ansonsten dürfte die allgemeine Verfügbarkeit und Kompatibilität von Spielen für mehr Entspannung bei Fans sorgen und zugleich den Geldbeutel schonen. Denn in Zukunft könnte wirklich nur noch eine Konsole vollkommen ausreichen, ohne dass man Kompromisse eingehen muss.
Jetzt muss nur noch Nintendo nachziehen. Allerdings ist das Wunschdenken.“

