16. Januar 2026, 15:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Sony hat mehr als 1000 Titel des Nürnberger Entwicklers Thigames aus dem PlayStation Store entfernt. Das Studio bot vor allem extrem simple „Spiele“ an, die hauptsächlich dazu dienten, schnell und einfach an Trophäen zu gelangen. Bislang ist der konkrete Grund für die Löschung nicht bekannt.
Kompletter Publisher-Account fliegt aus dem PlayStation Store
Thigames war mit 1194 veröffentlichten Titeln auf Platz 4 der größten PlayStation-Publisher. Dass allesamt aus dem Store verschwunden sind, ist zuerst dem Twitch-Streamer und Trophäenjäger RobThanatos aufgefallen, der seine Entdeckung auf X (ehemals Twitter) teilte.
In den 1194 genannten Titeln werden jedoch auch alle regionalen Versionen sowohl für die PS4- als auch die PS5-Releases gezählt. Delisted Games konnte tatsächlich nur 150 einzelne Titel ausfindig machen.
Sowohl auf Social Media als auch in den Online-Medien werden die Spiele als oberflächliche „Shovelware“ und „AI Slop“ bezeichnet – letzteres wurde gerade erst von Merriam-Webster zum Wort des Jahres 2025 gekürt. Shovelware bezeichnet mit geringem Aufwand und in Masse produzierte Software, die dazu dienen soll, Geld einzubringen – ohne einen wirklichen Wert zu bieten. Tatsächlich sind die Thigames-Titel bis auf wenige Ausnahmen sehr einfach gestrickt. Sie sind aber vor allem unter Trophäenjägern beliebt, da sich damit schnell und einfach die eigene Sammlung aufpolieren lässt.
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Warum wurden die Spiele gelöscht?
Auf Reddit vermuten Nutzer, dass die Löschung im Zusammenhang mit dem „Commitment to Safer Gaming“ stehen könnte, das Sony, Microsoft und Nintendo diese Woche erneuert haben. Darin halten die Unternehmen ihre Bemühungen fest, „unangemessenes Verhalten und unangemessene Inhalte zu unterbinden“.
Gegenüber TECHBOOK gab Thigames zu verstehen, dass Sony dem Studio keinen Grund für das Entfernen der Titel aus dem PlayStation Store genannt habe. Man sei damit beschäftigt, „aktuell selbst noch die Situation aufzuklären“. Thigames bestätigt immerhin: „Bereits erworbene Spiele bleiben in der jeweiligen Bibliothek des Spielers erhalten und sind weiterhin spielbar. Auch bereits erspielte Trophäen bleiben selbstverständlich bestehen.“
Sony hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Sachverhalt geäußert. Dass Thigames aber bislang als einziger Entwickler unter den Publishern mit den meisten Titeln aus dem PlayStation Store entfernt wurde, deutet auf einen Verstoß gegen bestimmte Vorgaben in Sonys Veröffentlichungsrichtlinien hin.
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Entwickler aus Deutschland zielen auf Trophäensammler ab
Thigames Portfolio umfasst vor allem extrem einfache Spiele, die einen nahezu identischen Aufbau haben. Jüngste Beispiele sind „The Jumping Bonbon Match 5“, „The Jumping Food Racing 2“, „The Jumping Burger“ und „The Jumping Orange 3“. Ziel der Spiele ist es, durch wiederholtes Springen einen Zähler zu füllen.
Ein zentraler Anreiz liegt in den Trophäenlisten. Diese bestehen oft nur aus wenigen Aufgaben wie „Springe zehnmal“ oder „Springe hundertmal“. Für manche Titel existierten vollständige Platin-Leitfäden mit einer Laufzeit von unter zwei Minuten. Dadurch galten die Spiele als besonders attraktiv für Nutzer, die ihre Trophäensammlung schnell vergrößern wollten.
Das Entwicklerstudio sitzt laut Impressum in Nürnberg und hat sich der Website zufolge „zur Aufgabe gemacht, großartige Spielerlebnisse kreieren und weltweit zugänglich machen [sic].“ Obwohl das Studio angibt, auch „Spiele für PlayStation 4/5, Xbox One/Series X|S und Nintendo Switch sowie für Android und iOS Smartphones und Tablets“ zu entwickeln, waren die Titel bislang nur im PlayStation Store zu finden.
Einzige Ausnahme: „Mr. Hibbl“, das anders als die nun von Sony entfernten Titel ein vollwertiges Spiel zu sein scheint und derzeit auch bei Steam erhältlich ist. Auf dem eigenen YouTube-Kanal sind ebenfalls nur Trailer auf Deutsch und Englisch für dieses eine Spiel zu finden.