22. April 2026, 10:52 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Vielleicht kennt das ja der ein oder andere: Man ist schnell begeistert von neuen Dingen, kauft sie sich, und ehe man sich näher damit beschäftigen kann, kommt schon wieder etwas Neues heraus. Dann häuft man schnell mehr an, als man konsumieren kann. In der Buchszene spricht man dann von einem „SUB“, also dem „Stapel ungelesener Bücher“. Bei Filmen oder Games ist ein wenig gemeiner oftmals die Rede vom „Pile of Shame“, dem „Haufen der Scham“. Und genau gegen den unternimmt Nintendo etwas.
Nintendo erinnert an „Pile of Shame“
Dinge zu besitzen, für die man brennt, macht Spaß. Aber im Wettlauf darum, möglichst immer aktuell zu sein und mitreden zu können, kaufen viele Leute mehr Spiele als eigentlich nötig. Zeitlich begrenzte Sonderangebote verschärfen dieses Problem, wenn man denkt, dass man ja für ein Schnäppchen ruhig mal zuschlagen könne – den betreffenden Titel kann man ja dann jederzeit später spielen, Hauptsache, man hat ihn günstig ergattert.
Aber weil nicht wenige ihren schamvollen Stapel lieber pflegen als abzubauen, adressiert aktuell Nintendo den „Pile of Shame“ in aufploppenden Nachrichten. Wie etwa User bei Reddit schildern, begnügt sich der Hersteller aber nicht einfach mit einer freundlichen Erinnerung.
Stattdessen werden sogar konkrete Spiele aus der eigenen Sammlung vorgeschlagen. „Warum nicht diese Spiele spielen, die Du bereits besitzt?“, fragt Nintendo etwa in einer Nachricht. Wie „JP Games“ schreibt, erhalten Fans auch in Deutschland derartige Botschaften.
Fans fühlen sich ertappt
Viele Spieler fühlen sich von Nintendo wegen ihres „Pile of Shame“ ertappt, reagieren aber zugleich humorvoll und gestehen sich sogar ein, dass der Haufen ungespielter Games einfach zu groß geworden sei. Dabei mutmaßen einige, dass Nintendo vielleicht nicht noch mehr Geld von ihnen haben möchte.
Auch interessant: Nintendo macht Switch-2-Spiele künftig günstiger
Ein anderer hat einen Trick parat, um nicht von Nintendo bloßgestellt zu werden: „Deshalb kaufe ich physische Editionen, Nintendo hat keine Ahnung, was für ein großes Problem ich wirklich habe.“ Es gibt aber auch jene, für die ist ein „Pile of Shame“ ein fremdes Konzept. Man kaufe einfach immer nur ein neues, wenn man ein anderes durchgespielt hat.
Die Diskussionen über Nintendos „Pile of Shame“-Nachrichten haben aber auch etwas Gutes. In den Kommentaren tauschen sich Fans über das empfohlene Spiel aus, das der Hersteller vorgeschlagen hat. Andere sprechen über ihre ungespielten Titel und erhalten Empfehlungen, warum es sich wirklich lohnt. Weshalb Nintendo diese Nachrichten verschickt, ist jedoch unbekannt.
Spiele gehören (durch-)gespielt, basta!
„In Bezug auf Videospiele verfüge auch ich über keinen echten ‚Pile of Shame‘ – es sei denn, man möchte das eine Game (‚Pragmata‘) bereits als einen ‚Stapel‘ bezeichnen. Ich schwöre, ich spiele es sofort, sobald ich meinen letzten ‚Resident Evil: Requiem‘-Durchgang für die Platintrophäe durchhabe! Dazu muss ich sagen: Es ist nur ein bezahltes Game, das ich gerade noch herumliegen habe, und das ändert sich spätestens in einigen Tagen.
Durch mein PS-Plus-Abo bekomme ich jedoch monatlich Spiele umsonst angeboten. Die packe ich mir in die Bibliothek, ehe das Angebot endet, und rühre sie vorerst nicht an. Aber ist das wirklich ein beschämender Haufen, wenn ich zumindest für diese Titel keinen zusätzlichen Cent bezahlt habe? Für mich zählt das jedenfalls nicht.
Abgesehen davon begrüße ich es doch sehr, dass Nintendo auf diese Weise Gamern in die Seite piekst. Ich hatte noch nie Verständnis für meine Freunde, die Spiele einfach anhäuften – Leute, solange ihr sie nicht anrührt, sind sie nur rausgeworfenes Geld! Und ich bezahle gerne, auch Vollpreis, für Games, denn damit verpflichte ich mich selbst zum Zocken.
Noch blöder finde ich jene, die viele Spiele immer nur anspielen – für einige Stunden, vielleicht sogar bis zur Hälfte – und dann schnell weiterziehen, ohne sie jemals zu beenden. Das mag allerhöchstens für Titel wie Sport- oder Multiplayer-Ballerspiele Sinn ergeben, die ohnehin keinen Anfang und kein Ende haben. Wird aber eine Geschichte erzählt, die man abbricht, bleibt mir nur noch ein Kopfschütteln. Es ist, als würde man ein Buch mittendrin für immer zuklappen oder einen Film vor dem Ende einfach ausschalten. Dann kann man auch nicht behaupten, es gelesen oder ihn gesehen zu haben, oder?
Ein Kumpel von mir hat im PlayStation-Netzwerk brutal viel mehr Bronze-Trophäen als ich erspielt. Aber bereits bei den Silbertrophäen kippt die Statistik und von Gold und Platin müssen wir nicht erst anfangen. Er spielt also viel mehr Spiele an, ich beende aber mehr. Ich zähle jedenfalls auch angefangene, aber unvollendete Spieldurchgänge zum schamvollen Haufen.
Ein ‚Pile of Shame‘ ist in meinen Augen mehr als nur ein Ausdruck mangelnder Impulskontrolle und gelungenen Marketings. Ich sehe darin auch einen Mangel an Wertschätzung dem Medium, ja der Kunstform, Videospiele gegenüber. Wer nur kauft und nicht eintaucht, belohnt am Ende nur die Konzerne und nicht sich selbst. Deswegen: Wenn Nintendo ein wenig stichelt, mache ich doch glatt mit. Leute, spielt gefälligst Eure Spiele!
So. Nun bräuchte ich noch jemanden, der mir das Gleiche für meinen Stapel ungeöffneter Schallplatten verklickert. Hey, ich bin nicht perfekt!“