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In-Game-Käufe

Sind Lootboxen eigentlich illegal?

Kinder, die jeweils auf ein Tablet schauen
Lootboxen gibt es in vielen Videospielen und können süchtig machen Foto: Getty Images
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Lars Lubienetzki
Freier Redakteur

7. Juni 2026, 16:48 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Zufällige Spielerkarten für das Ultimate Team in „EA FC 25“, seltene „Fortnite“-Skins oder besondere „Counter-Strike“-Cases, das sind nur einige Beispiele für glücksspielartige Elemente in vielen Games. Die Fachwelt spricht von sogenannten Lootboxen. Warum diese vor allem für Kinder und Jugendliche problematisch sind und wie die Rechtslage aussieht, darüber hat TECHBOOK mit der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz in Bonn gesprochen.

Lootboxen sind ein Milliardengeschäft. Suchtforscher warnen schon länger davor, wie solche Mechanismen in Computerspielen vor allem Kinder und Jugendliche anfixen. Dennoch sind konkrete Regulierungen schwierig, weil die Spieleindustrie sich immer neue Maschen einfallen lässt, die sich meist im Grenzbereich des Erlaubten bewegen.

Was sind Lootboxen?

Zunächst einmal, was sind Lootboxen? „Lootboxen sind in der Videospielewelt virtuelle Kisten, die einen Gegenstand, also die Beute, im Englischen ‚loot‘, enthalten“, erläutert Esther Schöttke, Pressereferentin bei der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) auf Nachfrage von TECHBOOK.

Lootboxen können erspielt oder durch den Einsatz von Echtgeld oder einer virtuellen Fantasiewährung erworben werden. Solche Spiele tragen dann Hinweise wie „In-Game-Käufe“, ein Begriff, der nicht direkt mit Lootboxen gleichzusetzen ist, oder „zufällige Objekte“. Wesentliches Merkmal dabei, der Inhalt der Lootbox ist zufällig generiert. Beim Gewinn oder beim Kauf weiß ein Gamer in der Regel vorher nicht, was sich in der virtuellen Glückskiste befindet.

„Lootboxen nehmen nicht notwendigerweise die Form einer ‚Überraschungskiste‘ ein. Sie können beispielsweise auch als Kartenpacks, Glücksräder, Geschenke, Lose oder schlüpfende Eier in Erscheinung treten. Die Ausgestaltungsformen sind unbegrenzt“, betont Esther Schöttke von der BzKJ. „Sie stellen glücksspielähnliche Elemente dar, die unter anderem dem simulierten Glücksspiel spielmechanisch-strukturell ähnlich sind.“

Suchtgefahr durch Lootboxen

Genau darin liegt die Gefahr. Denn ähnlich wie bei Glücksspielen können solche Elemente in Spielen zu einem Kontrollverlust über finanzielle Ausgaben führen und ein exzessives Spielverhalten fördern. Gleichzeitig wird die Hemmschwelle zum richtigen Glücksspiel abgesenkt, mit der Folge, eine Sucht zu entwickeln.

Die Suchtgefahr betrifft grundsätzlich alle Menschen. Das Risiko ist bei Kindern und Jugendlichen allerdings besonders groß. „Bei jungen Menschen ist die Entwicklung des sogenannten präfrontalen Cortex im Gehirn erst mit Mitte 20 abgeschlossen. Dieser Bereich ist für rationales und abwägendes, planerisches Handeln sowie emotionale Kontrolle verantwortlich und somit für die Impulskontrolle von entscheidender Bedeutung“, erläutert die Pressereferentin von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz.

Das limbische System reift bei Kindern und Jugendlichen hingegen früher. Dieser Bereich steuert Emotionen sowie Reize wie Belohnung und Lust. Im Vergleich zu älteren Erwachsenen zeigen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene daher häufiger eine verringerte Impulskontrolle, höhere Risikobereitschaft sowie ein stärkeres Ansprechen auf Belohnungsreize.

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Lootboxen sind schwierig zu regulieren

Wie schon angedeutet, ist die Einordnung von Lootboxen unter der gesetzlichen Regulierung schwierig. Die rechtliche Bewertung von Lootboxen in Deutschland im Rahmen des Glücksspielrechts ist umstritten. Die Zuständigkeit liegt hier bei den einzelnen Bundesländern. Grundsätzlich verbietet der Glücksspielstaatsvertrag Minderjährigen die Teilnahme an Glücksspielen. Es ist jedoch noch nicht abschließend geklärt, ob Lootboxen als erlaubnispflichtiges Glücksspiel gelten. Juristen streiten darüber, ob virtuelle Gewinne als echte Gewinne zählen, da sie sich nicht frei verkaufen lassen. Eine pauschale Bewertung aller Lootboxen gilt daher als kaum möglich.

Parallel greifen Regelungen des Jugendschutzes und des europäischen Digital Services Act (DSA). Seit dem Jahr 2023 fließen Lootboxen in die Alterskennzeichnung von Spielen, in Deutschland durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), ein und können zu höheren Altersfreigaben führen.

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Sofern ein Game eine Online-Plattform darstellt, die vom DSA erfasst ist, haben Anbieter die Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, um Minderjährige zu schützen, etwa durch Altersprüfungen oder Einschränkungen beim Zugang zu solchen Mechanismen. EU-Leitlinien sollen Kinder und Jugendliche vor Lootboxen schützen. Weitere Regeln auf europäischer Ebene sind möglicherweise mit dem geplanten Digital Fairness Act (DFA) in Vorbereitung.

Hier finden Eltern Hilfe

Da es niemals einen hundertprozentigen Schutz geben wird, sollten Eltern sich informieren und mit ihren Kindern über Mechanismen wie Lootboxen offen sprechen. Die BzKJ kooperiert beispielsweise mit der Medienkompetenz-Initiative klicksafe. „Hier können Kinder und Jugendliche auf spielerische Weise ihr Wissen über In-Game-Käufe und Lootboxen testen“, verweist BzKJ-Pressereferentin Esther Schöttke auf ein Quiz.

Weitere Tipps:

  • Bei der Auswahl auf Games ohne Lootboxen achten. Hilfestellung bietet diese Webseite (auf Englisch).
  • Wenn Spiele mit Lootboxen genutzt werden, sollten Eltern ein festes Budget mit den Kindern vereinbaren. Dabei unbedingt darauf achten, noch genügend Taschengeld für andere Dinge verfügbar zu halten.
  • Kinder untereinander sollten sich nicht gegenseitig zum Kauf von Lootboxen animieren oder andere Kinder hänseln, wenn diese keine Lootboxen kaufen möchten. Hier können Eltern im Austausch mit den Kindern einen wertvollen Beitrag leisten und gutes Verhalten hervorheben.

Zusätzliche Hinweise zu digitalen Spielen finden Eltern im Spieleratgeber NRW. Um die von den Kindern genutzten Geräte kindersicher einzurichten, finden Eltern Hilfestellung auf der Webseite „Medien kindersicher“.

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