4. September 2025, 8:33 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Dolby hat mit Dolby Vision 2 eine neue Generation seines HDR-Formats angekündigt. Wie der Vorgänger soll es Filmemachern mehr Kontrolle darüber geben, wie ihre Werke auf den Endgeräten der Nutzer erscheinen. Neu ist die „Content Intelligence“, mit der Inhalte auf die individuelle Abspiel-Umgebung angepasst werden sollen.
Warum braucht Dolby Vision einen Nachfolger?
Seit mehr als zehn Jahren ist Dolby Vision eines der meistgenutzten HDR-Formate in der Filmindustrie. Damit können Filmemacher sicherstellen, dass ihre Inhalte auf Endgeräten wie TVs, Tablets und Smartphones nach ihren Vorstellungen angezeigt werden. Allerdings haben diese HDR-Vorgaben keinen Effekt auf die Umgebung, in der sich ein Endgerät befindet. Sind die Lichtverhältnisse ungeeignet, bringt auch die beste Schwarzton-Abmischung nichts. Selbstverständlich wäre es den Schaffenden lieber, Nutzer würden Filme und Serien in abgedunkelten Räumen und mit superhellen OLED-TVs anschauen. Aber das ist in den seltensten Fällen Realität. So kommt es, dass viele in Nolans „Tenet“ oder in der Schlacht um Winterfell aus „Game of Thrones“ praktisch nichts mehr erkennen. Die Macher können in ihrem Master alles ausmachen, während Nutzer Schwarz sehen.
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„Content Intelligence“ soll Bildprobleme lösen
Dolby Vision 2 soll die Brücke zwischen HDR-Vorgabe und -Ausgabe schlagen. „Content Intelligence“ heißt das neue Feature, das sich aus mehreren Technologien zusammensetzt. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz soll es das Bild automatisch an den Inhalt und die Umgebung anpassen.
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Die Problematik mit zu dunklen Inhalten geht Dolby mit Precision Black an. Damit soll das Bild „kristallklar“ erscheinen – unabhängig von der Umgebung und in Einklang mit der künstlerischen Absicht. Die Funktion geht Hand in Hand mit Light Sense, das Umgebungslicht erkennt und mit der Referenz-Ausleuchtung aus den Metadaten der Inhalte abgleicht, um die Bildqualität zu erhöhen. Auch für Sport und Gaming, für die eine schnellere Bildfrequenz als für cineastische Inhalte von Vorteil ist, bringt Content Intelligence eine Bewegungskontrolle. Für High-End-Displays erlaubt bidirektionales Tone-Mapping den Filmemachern, genauer zu steuern, wie ein TV seine Helligkeits- und Farbreserven nutzt – ohne ihre Vision zu verfälschen.
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Dolby Vision 2 kommt mit eigener Bewegungsglättung
Als Antwort auf einen der größten Streitpunkte zwischen Film- und Heimkino-Industrie führt Dolby Vision 2 Authentic Motion ein. Dolby selbst nennt es „das weltweit erste kreativ getriebene Motion-Control-Tool, um Szenen Shot für Shot authentischer filmisch wirken zu lassen, ohne unerwünschtes Ruckeln, Einstellung für Einstellung.“ Seit einigen Jahren liefern TV-Hersteller ihre Geräte mit sogenannter Bewegungsglättung aus. Die Funktion interpoliert die Bildrate – in der Regel auf 60 Bilder pro Sekunde. Das Bild läuft dadurch flüssiger als mit 24 Bildern pro Sekunde, was in der Filmindustrie de facto Standard ist. Bei Nutzern kommt die Funktion gut an, da sie flüssige Bildraten von Smartphones, Gaming und Plattformen wie YouTube und Instagram kennen. Schließlich nehmen sie Videos mit der Smartphone-Kamera oft selbst mit 60 Bildern pro Sekunde auf.
Kino-Enthusiasten und Filmemacher hingegen wehren sich seit Jahren dagegen. Gegner des Features kritisieren den „Soap Opera Effect“, durch den Inhalte hyperrealistisch und weniger filmisch wirken – und damit die künstlerische Absicht verfälschen. Tom Cruise meldete sich 2018 auf X (damals Twitter) höchstpersönlich mit der Bitte zu Wort, Bewegungsglättung für seinen Blockbuster „Top Gun: Maverick“ am TV auszuschalten.
Durch die Szene-für-Szene-Kontrolle über Authentic Motion möchte Dolby den Machern mehr Kontrolle geben, wann und wo Bewegungsglättung eingesetzt wird – wenn überhaupt. Trotzdem bleibt fraglich, ob das dem generellen Trend entgegenwirken kann, dass Nutzer die Funktion einmal auf dem Fernseher aktivieren und dann nie wieder ausschalten.
Brauche ich jetzt einen neuen Fernseher?
Bestehende Dolby-Vision-Fernseher spielen weiterhin alle heutigen Dolby-Vision-Inhalte aus. Wer allerdings die neuen Funktionen nutzen möchte, braucht ein Gerät, das Dolby Vision 2 ausdrücklich unterstützt. Nicht nur müssen Lichtsensoren für die Umgebungserkennung an Bord sein, auch die Fähigkeit, die zusätzlichen Metadaten mit den für Content Intelligence benötigten Informationen auslesen zu können, ist Voraussetzung.
Für KI-gestützte Bildabstimmung, zusätzliche Schattendetails, Creator-gesteuertes Tone-Mapping und die neue Bewegungsdarstellung müssen Kunden in Zukunft also zu einem Gerät mit Dolby-Vision-2-Label greifen. Als erster Hersteller hat Hisense bereits entsprechende Smart-TVs angekündigt. Erste Modelle dürften jedoch frühestens 2026 erscheinen.