Das Aus für LeFloid & Co.?

Neue Werberichtlinien: So vergrault YouTube gerade seine Nutzer

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Mit seinen neuen Richtlinien wird YouTube zwar attraktiver für Werbekunden, jedoch nicht für die Nutzer.
Foto: AFP/Getty Images

Die neuen YouTube-Richtlinien dürften den finanziellen Ruin für viele professionelle Nutzer der Video-Plattform bedeuten. Auf Beiträgen mit „unangemessenen“ Inhalten wird künftig nämlich keine Werbung mehr geschaltet.

Die neueste Aktualisierung der YouTube-Richtlinien ist ein harter Schlag ins Gesicht der Community: Mutterkonzern Google behält es sich nun vor, keine Werbung in Beiträgen mit unangemessenen Inhalten einzublenden. Was zuerst nach einer nachvollziehbaren und guten Aktion klingt, könnte jedoch das finanzielle Aus für viele erfolgreiche YouTuber bedeuten.

Die Definition von „unangemessenen“ Inhalten ist den aktuellen Werbe-Richtlinien zufolge nämlich sehr weit gefasst. Unter anderem werden Beiträge mit „derber oder vulgärer Sprache“ eventuell nicht monetarisiert (das dürfte etwa YouTube-Superstar PewDiePie hart treffen), auch Videos „mit Sexspielzeug, sexuellen Utensilien oder expliziten Gesprächen über Sex“ können mit einem Werbebann belegt werden, wenn sie nicht „pädagogisch wertvoll“ sind.

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Auch Let’s-Plays im Fokus

Für Beiträge mit Gewaltdarstellungen gelten nun ebenfalls schärfere Regeln, was besonders Gaming-YouTuber interessieren dürfte, die mit Let’s-Play-Videos oder Tutorials zu Ego-Shootern ihr Geld verdienen. Zwar betont Google, dass „Gewalt im Rahmen von Videospielen generell gestattet“ sei, „grundlose Gewalt“ und Gewaltdarstellungen „ohne Kontext“ seien davon jedoch ausgenommen. Ab wann Gewalt in Videospielen grund- oder kontextlos ist, bleibt Google dabei selbst überlassen.

Besonders bizarr mutet die neue Richtlinie für „umstrittene Themen und sensible Ereignisse“ an: Diese besagt, dass Inhalte zu Themen wie „Krieg, politische Konflikte, Terrorismus oder Extremismus, Tod und tragische Vorfälle sowie sexueller Missbrauch” nicht monetarisiert werden. Sprich: News-YouTubern und solchen, die das aktuelle Weltgeschehen kommentieren, wird der Geldhahn abgedreht.

„YouTube killt meinen Kanal“

Ein prominenter YouTuber, der die Auswirkungen dieser Entscheidung bereits zu spüren bekommt, ist LeFloid, der sich in seiner Serie „LeNews“ unter anderem mit aktuellen politischen Kontroversen auseinandersetzt. In einem Beitrag mit dem Titel „YouTube killt meinen Kanal“ erklärt er jetzt: „Wir bringen’s mal auf den Punkt: Ich verdiene mit diesem Kanal hier keinen Cent mehr.” Zahlreiche seiner Beiträge wurden bereits demonetarisiert, eines seiner aktuellen Videos, in dem er über Terror und Erdogan spricht, wurde aus unbekannten Gründen gar kurzzeitig für den deutschsprachigen Raum gesperrt.

 

Während Google offensichtlich versucht, ein sicheres Umfeld für Werbekunden zu schaffen, leiden die Nutzer. Vor allem Gamer wandern in Scharen zu Twitch und Patreon ab, um weiter mit ihren aufwändig produzierten Videos Geld verdienen zu können. Wie Forbes berichtet, wurden in den vergangenen Wochen systematisch Gaming-Beiträge demonetarisiert, in deren Titeln Begriffe wie „gun“ oder „killstreak“ vorkommen. Auch Vorschaubilder, auf denen Schusswaffen zu erkennen sind, reichten angeblich als Auslöser für den Werbebann. In YouTubes Werbe-Richtlinien steht derweil weiterhin: „Wir schreiben dir nicht vor, welche Inhalte du erstellen sollst. Jeder einzelne YouTuber ist einzigartig und trägt zur Dynamik von YouTube bei.“

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