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TECHBOOK-Autorin sauer

„Disney+, behandle deine Kunden besser!“

Disney+ Meinung: Ansicht auf zwei Monitoren
TECHBOOK-Autorin Marlene Polywka ist enttäuscht von Disney+Foto: TECHBOOK

Disney+ ist einer der jüngsten Mitstreiter auf dem hart umkämpften Streaming-Markt. Dahinter steht die Walt Disney Company und damit jede Menge Geld und Blockbuster-Content. Wegen einem dieser Filme, genauer wegen des Umgangs mit Abonnenten, ist TECHBOOK-Autorin Marlene Polywka jetzt richtig sauer auf den sonst so geliebten Micky-Maus-Konzern.

Gleich vorweg: Ich bin sowohl großer Disney-Fan als auch leidenschaftliche Nutzerin diverser Streaming-Abonnements. Netflix, Amazon Prime Video, Joyn, Magenta TV – ich streame gerne und auch viel, wenn es die Zeit erlaubt. Als Disney+ im März 2020 in Deutschland an den Start ging, war ich gelinde gesagt euphorisch. Die Zeichentrick-Reihen haben meine Kindheit geprägt. Zum Fasching ging ich jahrelang in Peter-Pan-Kostüm, meine Lieblingsfilme waren „Robin Hood“ (1973), „Die Hexe und der Zauberer“ (1963) und „Mulan“ (1998). Letzteren hat Disney dieses Jahr als Realfilm neu aufgelegt. Statt im Kino startete „Mulan“ wegen der Corona-Pandemie bei Disney+. Die Preisstrategie, die Disney dabei verfolgt, finde ich ziemlich dreist.

So landete „Mulan“ bei Disney+

Das Remake mit Liu Yifei in der Titelrolle der Mulan sollte eigentlich bereits Ende 2018 in die Kinos kommen. Aus diversen Gründen wurde daraus schließlich der 27. März 2020. Zu diesem Zeitpunkt schlossen allerdings weltweit aufgrund von Corona die Kinos. Deswegen verschob Disney den Starttermin mehrmals, bis schließlich feststand, dass der Blockbuster gar nicht in den Lichtspielhäusern laufen wird. Stattdessen startete „Mulan“ dann am 4. September direkt beim hauseigenen Streaming-Dienst Disney+. Mit diesem Schritt war Disney nicht allein; andere namhafte Neuerscheinungen wie „Trolls World Tour“ und „Bombshell“ liefen ebenfalls direkt bei einem Streaming-Anbieter statt im Kino. Der Haken bei „Mulan“: Trotz Abonnement kostet der Film 21,99 Euro, in den USA 29,99 Dollar.

Disney+ Mulan Screenshot
Wer „Mulan“ bei Disney+ streamen will, braucht bis Dezember einen VIP-ZugangFoto: TECHBOOK via Disney

Ab dem 6. Oktober, also nur einen guten Monat später, konnten Interessierte den Film auch bei Amazon und Google für denselben Preis leihen – abzüglich der Abo-Gebühren für Disney+ und somit für insgesamt weniger Geld. Ein Monat ist eine ganz schön kurze Zeitspanne für ein Exklusivfenster. Nun wurde bekannt gegeben, dass ab dem 06. Dezember der Aufpreis komplett entfällt.

Warum mich das so wütend macht?

Die Produktionskosten des Films waren mit 200 Millionen US-Dollar enorm. Natürlich hat die Walt Disney Company ein Interesse daran, diese wiedereinzuspielen und möglichst noch ordentlich Gewinn zu machen. Das sollte aber nicht auf Kosten der ohnehin schon zahlenden Disney+-Kunden geschehen. Dass eine zusätzliche Gebühr zu entrichten ist, um Inhalte früher als andere sehen zu können, ist absolut in Ordnung und wird nicht nur bei Disney+ so gehandhabt. Aber 22 Euro für einen einzigen Film zu zahlen, ist dann doch sehr happig. Da wäre ich im Kino auch mit einer Begleitperson günstiger weggekommen. Und das Exklusivfenster, in dem „Mulan“ dann auch ausschließlich bei Disney+ zu sehen war, ist meiner Meinung nach ebenfalls zu kurz ausgefallen.

Disney+, behandle bitte deine Kunden besser!

Nun ist es an und für sich verständlich, dass Disney gute Gewinne mit seinem Film machen möchte. Es wirkt auf mich allerdings einfach so, als würde Disney jetzt noch das letzte bisschen aus dem Blockbuster herausquetschen wollen und das ist weder für den Film selbst noch für Disney+ gut. Die einen mögen das für Jammern auf hohem Niveau halten, aber mal im Ernst: Die Konkurrenz auf dem Streaming-Markt ist riesig. Deswegen habe ich auch den konkreten Vergleich zwischen einigen Anbietern und da hinkt Disney+ noch deutlich hinterher.

Mit dem Marvel- und dem Star-Wars-Universum gibt es zwar zwei große Franchises und nicht zuletzt die beliebten Zeichentrickfilme. Dennoch bekomme ich etwa bei Netflix oder Amazon Prime Video deutlich mehr für mein Geld – und jetzt soll ich für größere Filme bei Disney+ auch noch ordentlich draufzahlen? Um dann zu erfahren, dass ich lediglich drei Monate hätte warten können, um das zu umgehen?! Wie muss es den Leuten gehen, die sich extra für den Film ein Abo UND einen VIP-Zugang zugelegt haben.

Wie geht es bei Disney+ weiter?

Laut CEO soll es sich um eine einmalige Aktion handeln. Rein finanziell dürfte sich die Strategie für Disney aber durchaus gelohnt haben, das belegen alleine die Zahlen und Reaktionen zum Start. Für Streaming-Kunden bleibt deshalb zu hoffen, dass das Beispiel nicht genau so Schule macht. So lange die Kinos mit wenigen Besuchern zu kämpfen haben, ist das System an sich nicht schlecht – aber bitte nicht zu diesen Preisen und etwas exklusiver!

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