Alltagsfrage

Verbraucht ein voller Kühlschrank mehr Strom als ein leerer?

Ob voll oder leer: Die Anzahl der Lebensmittel im Kühlschrank hat Einfluss auf den Energieverbrauch
Ob voll oder leer: Die Anzahl der Lebensmittel im Kühlschrank hat Einfluss auf den Energieverbrauch
Foto: Getty Images

Sind viele Lebensmittel im Kühlschrank gleichbedeutend mit einem hohem Stromverbrauch? TECHBOOK hat beim Experten nachgefragt!

Am liebsten mögen wir ihn richtig schön voll und sind enttäuscht, wenn wir an einem Sonntag in einen gähnend-leeren Kühlschrank blicken. Aber spart das vielleicht wenigstens Strom, weil mehr Masse mehr Energie verbraucht? Jürgen Ripperger vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. kennt die Antwort.

Befüllen verbraucht viel Energie

Tatsächlich lautet die Antwort: Jein. Es hängt davon ab, wie lange die Lebensmittel bereits im Kühlschrank sind. Der Grund: Luft kühlt schneller ab als Wasser. Lebensmittel bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und benötigen daher direkt nach dem Einbringen in den Kühlschrank für die Abkühlphase mehr Energie“, sagt Jürgen Ripperger gegenüber TECHBOOK. Legen Sie die Lebensmittel in den Kühlschrank, verbraucht dieser zunächst also deutlich mehr Strom.

Dafür steht das CE-Zeichen auf vielen Produkten

Aber Wasser kann Kälte besser speichern als Luft. Daher bleibt es in einem befüllten Kühlschrank länger kalt, ohne dass Energie benötigt wird. Gleiches Prinzip wie bei der Verwendung von Kühl-Akkus“, sagt Experte Ripperger. 

Der größte Gegner der Kälte im Kühlschrank sind wir selbst, denn jede Öffnung des Kühlschranks führt zu einer Erwärmung der Luft. „Die Folge: Der Energiebedarf zur Abkühlung auf den eingestellten Regelwert steigt“, sagt Ripperger. Dies sei bei einem vollen Kühlschrank anders, weil die Kälte in den wasserhaltigen Lebensmitteln gespeichert wird. Dadurch kühlt der Kühlschrank beim Öffnen geringer ab und benötigt deshalb auch weniger Energie. Generell ist der Stromverbrauch bei Kühlschränken abhängig vom Nutzungsverhalten, das heißt, die Zahl der Türöffnungen sowie die Öffnungsdauer sind relevant. 

Die Stromspar-Tipps vom Experten

Verbraucher sollten neben der Öffnungsdauer und der Anzahl der Türöffnungen auch die Herstellerempfehlungen beachten. Dies könne Nutzern viel Energie sparen, weiß der Experte. Selbst Geräte mit relativ geringer elektrischer Anschlussleistung können nämlich bei Nichtbeachtung der Herstellerempfehlungen jede Menge Strom extra verbrauchen. Vor allem der Standort des Kühlschranks ist entscheidend. Ein Kühlschrank benötigt umso mehr Energie, je schlechter die Wärme an die Umgebungsluft abgegeben werden kann. Eine gute Belüftung der Kühlschrankrückseite, auf der sich der Wärmetauscher befindet, verbessert deutlich den Wirkungsgrad“, sagt Jürgen Ripperger. 

Auch interessant: Warum Sie keinen Stromtarif mit Sachprämie abschließen sollten

Daher sei eine Aufstellung im kühlsten Bereich der Küche, vor allem nicht in der direkten Nähe einer Wärmequelle wie etwa einem Herd, entscheidend. Verbraucher sollten daneben genau überlegen, welche Größe sie wirklich benötigen, denn kleinere Modelle verbrauchen natürlich auch weniger Energie. Ältere Kühlschränke sollten, wenn möglich, ausgetauscht werden. Ein neues Gerät kann so inklusive des Anschaffungspreises immer noch niedriger sein als die Jahres-Stromrechnung für ein Alt-Gerät. 

„Für Verbraucher ist es wichtig zu wissen, dass vereiste Wärmetauscher im Inneren eines Kühlschranks den Wirkungsgrad deutlich verringern und den Stromverbrauch signifikant ansteigen lassen. Bei einfachen Geräten ohne No-Frost-Technologie‘ hilft nur regelmäßiges Abtauen durch den Nutzer“, erklärt Ripperger.