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Telefon-Historie

Was ist eigentlich aus Telefonkarten geworden?

Telefonkarten wurden vielfach zu Geschenk- und Sammelobjekten
Telefonkarten wurden vielfach zu Geschenk- und Sammelobjekten Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Robert Schmiegelt/Geisler-Fotopr
Lars Lubienetzki
Freier Redakteur

27. September 2026, 19:06 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Öffentliche Münzfernsprecher kennen heute überwiegend Menschen, die noch eine Welt ohne allgegenwärtiges Internet erlebt haben. Gespräche in einer Telefonzelle waren immer stressig. Entweder hatte man kein Kleingeld oder das Kleingeld reichte nicht, weswegen Telefonate einfach mitten im Gespräch unterbrochen wurden. Telefonkarten versprachen Mitte der 1980er-Jahre Abhilfe. Wieso sie nur eine kurze Hochphase hatten und was die bunten Karten heute noch wert sind, darüber hat TECHBOOK mit einem Sammler von Telefonkarten gesprochen.

Telefonieren ohne Kleingeld, diese Idee ist älter als die Telefonkarte selbst. Schon am Ende des 19. Jahrhunderts verkaufte das Deutsche Reich sogenannte Fernsprechscheine. Ab dem Jahr 1883 gab es in bayerischen Städten sogenannte Telephon-Billetts zu kaufen. Damit konnte man dann eine öffentliche „Telephonstation“ eine bestimmte Zeit benutzen, meist fünf Minuten.

Genau 100 Jahre später startete mit der Telefonkarte in Frankfurt am Main ein Testprojekt der Deutschen Bundespost. Dafür wurden eigens Telefonzellen mit Kartenlesefunktion entwickelt. Später gab es ähnliche Testläufe in Bonn/Aachen, Goslar und Bamberg.

Magnetstreifen oder Chip?

Die Post war unsicher, ob die Telefonkarten per Magnetstreifen oder mit einem Chip versehen auf den Markt kommen sollten. Im Jahr 1986 entschied sich das Unternehmen für die Chipkarte. Diese Variante war nach Ansicht der Post schwerer zu fälschen.

Im Dezember 1986 begann der Regelbetrieb für Telefonkarten der Deutschen Bundespost. Die bunten, scheckkartengroßen Telefonkarten entwickelten sich rasch zum Renner. Ein Jahr nach der Einführung hatte die Post bereits sechs Millionen Telefonkarten verkauft.

Ungefähr in dieser Zeit begann die Sammelleidenschaft von Hans-Peter Kroner. „Nach der Phase mit den ersten neutralen Telefonkartenmotiven, als die Telekom sowie andere Unternehmen Werbekarten mit schönen und interessanten Motiven herausgegeben hatten“, erinnert sich der leidenschaftliche Sammler von Telefonkarten an die Anfänge seines Hobbys.

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Telefonkarten sammeln als reines Hobby

Im Gegensatz zum Sammeln von Briefmarken war das Sammeln von Telefonkarten für ihn ein moderneres Hobby, bei dem Hans-Peter Kroner von Anfang an dabei sein konnte. „Kurz nach der Einführung fanden sich öfter leere Telefonkarten in den Telefonzellen. Diese bildeten dann häufig den Start für eine jahrzehntelange Sammelleidenschaft.“

Der Wert seiner Sammlung ist inzwischen allerdings rein ideell. Dabei hatten die Karten an sich einen tatsächlichen Geldwert. Die meisten Karten verfügten über ein Guthaben von sechs bis 50 D-Mark, also umgerechnet drei bis 25 Euro. In Deutschland sammeln Menschen vorrangig ungebrauchte Telefonkarten. Doch das darauf befindliche Guthaben ist nichts mehr wert, „nachdem die Deutsche Telekom AG sämtliche Telefonkarten vor über zehn Jahren für verjährt erklärt hatte und auch einen Umtausch in gültige Telefonkarten oder die Erstattung der Guthaben ablehnte“, erläutert Hans-Peter Kroner den dadurch entstandenen Wertverlust beim Sammeln von Telefonkarten.

Einige Sammler hatten zwar mit anwaltlicher Hilfe versucht, vor Gericht gegen die Telekom-Entscheidung vorzugehen. Die Richter erkannten in der Entscheidung des Unternehmens allerdings keine Unregelmäßigkeiten. „Somit konnte die Telekom einen sehr hohen außerordentlichen Ertrag durch die Auflösung der Rückstellungen für das Telefonkarten-Guthaben erzielen“, ergänzt der eifrige Telefonkarten-Sammler.

Heute sucht Hans-Peter Kroner über die üblichen Verkaufsplattformen nach Telefonkarten, um seine Sammlung weiter zu ergänzen. „Die meisten Karten werden dort für knapp einen Euro angeboten“, berichtet der Sammler auf Nachfrage von TECHBOOK. Ansonsten stöbert er bei befreundeten Sammlern nach Telefonkarten, die ihm besonders gut gefallen.

„Grundsätzlich sammle ich deutsche Telefonkarten nach den klassischen Schalter-Serien der Telekom, aber auch die Karten einiger angrenzender Länder. Dabei achte ich besonders auf Kunstmotive“, betont Hans-Peter Kroner. Besonders stolz ist der Sammler auf seine selbst entworfenen Telefonkarten.

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Telefonkarten-Hochphase endet rasch

Der Boom mit den bunten Plastikkarten endet so schnell, wie er begonnen hatte. Der Mauerfall heizte den Verkauf der Telefonkarten zunächst kräftig an. Denn die Post machte sich gleich daran, die alten DDR-Münzfernsprecher durch Kartentelefone zu ersetzen. So wuchs die Zahl der verkauften Telefonkarten bis Ende 1993 auf mehr als hundert Millionen an.

Im November 1998 ging die 500-millionste Telefonkarte über den Ladentisch. Gleichzeitig markierte diese Zahl den Beginn eines rapiden Umsatzeinbruchs, der danach einsetzte. Denn immer mehr Menschen telefonierten mobil von jedem Ort aus, und das mit steigender Tendenz. Öffentliche Telefonzellen verschwanden nach und nach aus dem Stadtbild.

Die Telefonkarte verabschiedete sich sehr langsam. Erst im Jahr 2023 hat die Telekom die letzten noch funktionsfähigen Kartentelefone außer Betrieb gesetzt. Bis dahin gab es tatsächlich noch Telefonkarten. Optisch hatte sich die Telekom allerdings bei der Produktion nicht mehr viel Mühe gegeben. Für das Unternehmen war dieses Kapitel schon weit vor dem Jahr 2023 abgeschlossen.

Die vielen deutschen Sammler von Telefonkarten wie Hans-Peter Kroner werden allerdings weiter unermüdlich schauen, ob sich nicht noch ein hübsches Sammelobjekt auf Flohmärkten in der digitalen oder analogen Welt findet.

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