4. November 2025, 17:43 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten
Die Bundesregierung will offenbar das gesamte obere 6-Gigahertz-Band künftig ausschließlich für den Mobilfunk freigeben. Damit würde das Frequenzspektrum vollständig für den kommenden 6G-Standard reserviert – auf Kosten schnellerer WLAN-Verbindungen in Privathaushalten und Unternehmen.
Wie „Heise“ berichtet, sieht das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) in der Zuteilung an den Mobilfunk einen größeren Bedarf. Ziel sei es, die Entwicklung des 6G-Netzes in Deutschland voranzutreiben und den Ausbau frühzeitig abzusichern.
Das Vorhaben erntet allerdings scharfe Kritik aus der Wirtschaft. Anbieter wie Deutsche Glasfaser, NetCologne und Lancom sowie mehrere Branchenverbände warnen, dass Europa damit seine digitale Wettbewerbsfähigkeit schwäche. Sie fordern, das Frequenzband stattdessen lizenzfrei für WLAN freizugeben, um die Leistungsfähigkeit der Glasfasernetze besser zu nutzen. Bereits im Mai 2025 hatten sich zahlreiche Unternehmen mit dieser Forderung an die EU-Kommission gewandt.
Kritik aus der Branche
Der Streit um die Frequenzen sorgt für Unruhe in der Telekommunikationsbranche. Lisia Mix-Bieber vom Breitbandverband Breko bezeichnete die Pläne der Bundesregierung als „fatale Fehleinschätzung“. Der Nutzen für 6G sei gering, während der Schaden für den WLAN-Ausbau groß wäre. „Damit würde Deutschland den Fortschritt beim schnellen Internet im eigenen Land ausbremsen“, erklärte sie.
Mix-Bieber fordert, mindestens 320 Megahertz des 6-Gigahertz-Bands für WLAN und den kommenden Standard Wi-Fi 7 zu reservieren. Am 12. November 2025 will die EU-Frequenzgruppe RSPG über die endgültige Aufteilung entscheiden – eine Entscheidung, die weitreichende Folgen für die digitale Zukunft Europas haben dürfte.