26. September 2026, 12:55 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Bluetooth verbindet Geräte in einem Raum, WLAN in der gesamten Wohnung, aber wie verbinden sich Computer in Afrika oder Amerika mit denen in Europa? Eine Funkverbindung reicht da nicht mehr. Ein einfaches Kabel täte es auch nicht. Deswegen braucht es digitale Unterseekabel, oft kurz Seekabel genannt. Doch was zeichnet die Kabel aus und wie werden sie im Meer verlegt?
Mitte März 2024 fällt in vielen west- und zentralafrikanischen Staaten das Internet komplett aus. Von Gambia bis nach Kamerun kommt das digitale Leben zum Erliegen. Mehrere hundert Millionen Menschen sind plötzlich ohne Internetverbindung. Grund für den massiven digitalen Blackout ist ein Unterwasserbeben vor der Elfenbeinküste. Dieses hat vier Unterseekabel stark beschädigt.
Engmaschiges Netzwerk an Kabeln
So ein Vorfall zeigt, wie anfällig ganze Staaten sind, wenn gleich mehrere solcher Unterseekabel ausfallen. Allerdings passiert so etwas äußerst selten, denn das gesamte System der Unterseekabel bildet inzwischen ein engmaschiges Netzwerk. Das bedeutet: Fällt ein Kabel aus, können Internetbetreiber ohne viel Aufwand auf andere Kabel ausweichen.
Nach Angaben des Branchendienstes „TeleGeography“ gibt es aktuell etwa 600 aktive oder geplante Unterseekabel. Sämtliche Kabel hintereinandergelegt kommen auf eine Gesamtlänge von 1,5 Millionen Kilometern. Damit ließe sich die Erde am Äquator fast 38-mal umwickeln.
Einige dieser Kabel sind sehr kurz, wie auf einer speziellen Karte zu sehen ist. Auf gerade einmal 131 Kilometer kommt beispielsweise CeltixConnect, das Irland mit Großbritannien verbindet. Andere sind extrem lang, wie das Asia-America-Gateway, das auf knapp 20.000 Kilometer Länge kommt und den asiatischen mit dem amerikanischen Kontinent verbindet. Egal wie lang, ohne diese unsichtbare Infrastruktur wäre modernes Internet heute undenkbar.
Wie ist ein digitales Unterseekabel aufgebaut?
Von außen betrachtet sieht so ein Unterseekabel wie ein dicker Gartenschlauch aus. Im Kern verlaufen mehrere haarfeine Glasfasern, durch die Lichtimpulse rasen und so die Daten transportieren. Jede Faser besteht aus einem dünnen Glaskern und einer Ummantelung mit geringerer Lichtbrechung. Dadurch bleibt das Licht im Inneren gefangen und kann tausende Kilometer fast verlustfrei zurücklegen.
Dieses Glasfaserbündel schützen mehrere Schichten:
- eine wasserdichte Hülle,
- eine Kupferlage für die Stromversorgung der Verstärker,
- Stahldrähte für die Zugfestigkeit und
- eine Kunststoffummantelung.
In Küstennähe, wo Schiffsanker und Fischernetze mit den Kabeln in Berührung kommen könnten, kommt eine Stahlpanzerung hinzu.
Im Kabel selbst sind in einem regelmäßigen Abstand Repeater installiert. Diese verstärken das Lichtsignal, das bei einem sehr langen Kabel schwächer wird. Somit kommt das Signal aus dem Büro in Berlin nahezu verlustfrei auf dem Rechner in New York an.
Wie funktioniert die Verlegung eines digitalen Seekabel?
Die Verlegung der digitalen Unterseekabel übernehmen Spezialschiffe. An Bord lagern riesige Trommeln mit jeweils 50 bis 150 Kilometern Kabel. Auf hoher See lässt das Schiff das Kabel kontrolliert auf den Meeresgrund sinken. In flacheren Küstengewässern, oft noch in etwa einem Kilometer Tiefe, zieht ein Unterwasserpflug eine Rille in den Boden und vergräbt das Kabel darin bis zu drei Meter tief. Satellitennavigation hält das Schiff dabei auf wenige Zentimeter genau auf Kurs.
Auf welcher Tiefe so ein Unterseekabel dann liegt, hängt von der jeweiligen Region ab. Nahe der Küste verläuft es oft in flachem Wasser von wenigen hundert Metern. Im Atlantik oder Pazifik sind Tiefen von 6000 bis 8000 Metern nicht ungewöhnlich.
Welche Firmen verlegen digitale Unterseekabel?
Als die Telefonie Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Siegeszug feierte, kümmerten sich größere Telefongesellschaften um die Verlegung von Unterseekabeln. Mit dem Beginn des Internetzeitalters sind klassische Telekommunikationsunternehmen bei der Kabelverlegung durch Google, Meta, Microsoft oder Amazon abgelöst worden. Zudem gibt es noch spezialisierte Kabelbauer wie ASN aus Frankreich, SubCom aus den USA, NEC aus Japan und den chinesischen Anbieter HMN Technologies.
Starlink und Eutelsat Konnect – was taugt das Internet aus dem All?
Letzte Meile und ihre Bedeutung für den Glasfaser-Ausbau
Wie geschützt sind Seekabel und was passiert bei einem Schaden?
Einen hundertprozentigen Schutz vor einem Schaden kann es nicht geben. Das zeigt allein das anfangs geschilderte Unterseebeben vor der afrikanischen Elfenbeinküste. Einer Naturkatastrophe hält keine Stahlpanzerung stand.
Auch gegen Sabotage von außen gibt es nur bedingte Schutzmechanismen. Immerhin versucht die EU, die Problematik öffentlich zu machen. Im Jahr 2025 legte die EU-Kommission einen Aktionsplan zur Sicherheit von Unterseekabeln vor.
Schäden sind keine Seltenheit. Laut dem International Cable Protection Committee gab es im Jahr 2024 weltweit 204 Reparaturen an Unterseekabeln. Die meisten Schäden haben einen harmlosen Ursprung und gehen auf das Konto der bereits erwähnten Fischfangnetze und Schiffsanker.
Eine Reparatur kann je nach Ort und Lage des Schadens dauern. Allein von der Schadensmeldung bis zum Eintreffen des Spezialschiffs vor Ort kann bis zu ein Monat vergehen. Anschließend holt die Crew das Kabel mit einem Greifhaken an Bord, schneidet das defekte Stück heraus und verbindet die Glasfasern neu.
Liegt das defekte Unterseekabel an einer sehr tiefen Stelle, übernehmen ferngesteuerte Unterwasserroboter diese Arbeit. Weltweit stehen für Reparaturen nur etwa 60 spezialisierte Schiffe zur Verfügung, ein knappes Gut angesichts der wachsenden Zahl von Kabeln.
Auch interessant: Lässt sich das Internet in Deutschland per Knopfdruck abschalten?
Warum kommen keine Satelliten zum Einsatz, um die Welt digital zu verbinden?
Satelliten übernehmen nur einen winzigen Bruchteil des globalen Datenstroms. Das hat einen Grund: Glasfaserkabel transportieren deutlich größere Datenmengen pro Sekunde als leistungsfähige Kommunikationssatelliten.
Zudem legt ein Lichtsignal im Kabel die Strecke schneller zurück als ein Funksignal über einen geostationären Satelliten, der etwa 36.000 Kilometer über der Erde kreist. Zeit spielt bei digitalen Verbindungen eine zunehmende Rolle, beispielsweise im Online-Finanzhandel, wo es beim Verkauf von Wertpapieren auf jede Sekunde ankommt, oder bei Videokonferenzen.
Hinzu kommt der Preis: Der Betrieb eines Unterseekabels ist über die gesamte Nutzungsdauer günstiger als vergleichbare Satellitenkapazität. Das Satellitennetzwerk Starlink von Elon Musk ist ein riesiges Verlustgeschäft. Finanzexperten haben errechnet, dass für die Beförderung der geplanten 12.000 Satelliten ins All Kosten von 19 Milliarden US-Dollar entstehen. Die Lebensdauer eines einzelnen Satelliten beträgt im Schnitt fünf Jahre. Deswegen ist es notwendig, jedes Jahr 2400 Satelliten zu ersetzen, was wiederum jährlich 3,9 Milliarden US-Dollar kostet.
Internet aus dem All macht daher nur in solchen Regionen Sinn, wo bisher keine ausreichende Kabelinfrastruktur existiert. Das Rückgrat des globalen Internets bilden daher weiterhin digitale Unterseekabel.
Meta möchte beispielsweise ein 50.000 Kilometer langes Kabel verlegen. Das Projekt „Waterworth“ soll fünf Kontinente miteinander verbinden.