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Netz-Experten warnen

Schnelle Internet-Anschlüsse könnten deutlich teurer werden 

Frau am Laptop
Ein schneller Internet-Anschluss ist in manchen Regionen Deutschlands noch MangelwareFoto: Getty Images

Seit Jahren sind die Preise für stationäre Internet-Anschlüsse stabil oder sinken sogar. Doch das könnte sich ändern. Die Inflation, mangelnde Kapazitäten beim Ausbau und auch die steigenden Lohn- und Arbeitskosten lassen die Ausgaben klettern. Zahlen müssen am Ende wohl die Kunden.

Auch 2022 ist der Ausbau des schnellen Internets in Deutschland noch nicht zufriedenstellend. Es gibt vielerorts noch zahlreiche Haushalte, die sich mit langsamen Leitungen zufrieden geben müssen. Als langsam werden Anschlüsse definiert, die weniger als 10 Mbit/s im Download bieten. Aus diesem Grund hat der Bundesrat das Recht auf schnelles Internet sogar gesetzlich verankert. Doch dafür braucht es ein gutes Glasfaser-Netz. Dessen Ausbau ist allerdings teuer und aufwändig. Und die Inflation treibt die Kosten für schnelles Internet weiter nach oben.

Höhere Kosten bei Betrieb und Ausbau erhöhen Preise für schnelles Internet

Die aktuelle Situation am Markt war gerade Thema auf den Fiberdays 22 des Bundesverbands Breitbandkommunikation. Hier trafen sich mehrere Experten der Branche, darunter auch die Chefs von Unternehmen wie der Deutschen Glasfaser, Infrafiber oder DNS:NET. Sie waren sich in zwei Punkten einig. Erstens: Die Kosten für schnelles Internet werden in den kommenden Monaten wohl steigen. Zweitens: Die Preiserhöhung wird schwer umzusetzen sein.

„Wir haben es bisher nicht geschafft, Preissteigerungen durchzusetzen, nicht mal eine Inflationsbereinigung“, so Thorsten Dirks, Chef der Deutschen Glasfaser. Er zeigt sich bezüglich der wohl notwendigen Kostenweitergabe an die Kunden daher wenig optimistisch. Dennoch sei die Preissteigerung ein Übel, das sich langfristig nicht umgehen lasse. Von den gesteigerten Kosten beim Ausbau, der allgemeinen Inflation bis hin zu den gesteigerten Energiepreisen, die sich beispielsweise auf den Betrieb der Rechenzentren auswirken, werden die Kosten allgemein immer teurer. „Irgendwann werden wir beginnen, an die Kunden weiterzugeben“, sagt Stefan Holighaus von DNS:NET.

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Einer muss den Anfang machen

Die Unternehmen sind quasi zu einem Spagat gezwungen. Einerseits müssen sie die gesteigerten Kosten für das schnelle Internet langfristig auffangen, also auch an Kunden weitergeben. Andererseits wollen sie vermeiden, sie zu verschrecken. Generell seien Kunden momentan eher zurückhaltend, was den Abschluss neuer Verträge im Bereich Glasfaser angeht. Sie sind mit monatlichen Kosten von 79 bis 90 Euro für 1 Gbit/s eher auf einem hohen Niveau im Vergleich zu den im Schnitt 30 bis 40 Euro für Kabel und DSL.

Noch mehr zu verlangen sei also schwierig. Es müsse sich jemand trauen, den ersten Schritt zu gehen und die Kosten für schnelles Internet zu erhöhen. „Drei Monate später würden alle mitmachen“, glaubt Holighaus. Ähnlicher Meinung ist auch Soeren Wendler, Verkaufsleiter der Deutschen Giganetz. „Die Großen müssen anfangen“, richtet er sich an die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica. 

In Deutschland wurde zu spät mit dem Internet-Ausbau begonnen

Die höheren Kosten für Personal und Arbeit setzen auch dem Ausbau des schnellen Internets zu. Dabei ist der in Deutschland dringend notwendig, damit Kunden überhaupt die Möglichkeit bekommen, die schnellen Internet-Anschlüsse über Glasfaser zu buchen. Wie Statista schreibt, lag der Anteil von stationären Breitbandanschlüssen in Deutschland, die per Glasfaser realisiert werden, im Juni 2021 bei gerade einmal 6,4 Prozent. Denn im Vergleich zu anderen Ländern wurde hierzulande mit dem Ausbau viel zu spät angefangen. In anderen Ländern wie Spanien, Frankreich oder auch den Niederlanden hat dieser schon um 2008 begonnen.

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