23. Oktober 2025, 15:01 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Das Internet steht vor seiner nächsten großen Entwicklungsstufe: dem Zeitalter der Quantennetzwerke. Eine deutsche Forscherin spielt dabei eine zentrale Rolle. Ihr Ziel ist es, Quantentechnologien so zugänglich zu machen, dass sie eines Tages in jedem Haushalt anwendbar sind.
Seit Jahrzehnten prägt das Internet das Leben von Milliarden Menschen. Doch mit seiner wachsenden Bedeutung steigen auch die Risiken. Hackerangriffe und Datenlecks bedrohen die Sicherheit der Nutzer, während der Schutz sensibler Informationen immer schwieriger wird. Die Physikerin und Informatikerin Stephanie Wehner, die an der Technischen Universität Delft in den Niederlanden forscht, will das ändern. Ihr Ansatz: ein sicheres Kommunikationsnetz auf Basis von Quantentechnologie. Die frühere Hackerin hat sich zum Ziel gesetzt, durch Quantenkommunikation ein bislang unerreichtes Maß an Datensicherheit zu schaffen – und dabei den Schutz der Anwender stets in den Mittelpunkt zu stellen.
Europäischer Wissenschaftspreis
Für ihre Arbeit wurde Wehner 2025 mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigt ihren entscheidenden Beitrag zur Entwicklung eines künftigen Quanteninternets. Im Zentrum ihrer Forschung steht QNodeOS, das weltweit erste Betriebssystem für Quanten-Netzwerke. Es soll ermöglichen, dass das Quanteninternet auch ohne tiefgehendes technisches Wissen genutzt werden kann.
Darüber hinaus leitet Wehner die europäische Quantum-Internet-Alliance (QIA), ein Zusammenschluss von mehr als 40 Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus ganz Europa. Das Netzwerk hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Es will bis 2030 ein erstes Quanteninternet zwischen zwei Großstädten über mehrere Hundert Kilometer errichten. Damit könnte Europa eine Vorreiterrolle in einer Technologie übernehmen, die für Sicherheit, Wirtschaft und Wissenschaft der Zukunft von zentraler Bedeutung sein dürfte.
Quantentechnologie bietet Sicherheit wie nie zuvor
Im Gegensatz zum heutigen Internet basiert das Quanteninternet auf den Gesetzen der Quantenphysik. Winzige Teilchen, sogenannte Quanten, verbinden sich auf eine Weise, die es ermöglicht, Informationen zu übertragen, ohne dass jemand sie manipulieren oder unbemerkt abfangen kann. Diese Technologie verspricht völlig neue Anwendungsmöglichkeiten – von abhörsicherer Kommunikation über die Vernetzung entfernter Sensoren bis hin zu extrem schnellen Datenübertragungen und Rechenleistungen.
Wehner geht davon aus, dass die zugrunde liegenden Technologien innerhalb der nächsten zehn Jahre für die Öffentlichkeit verfügbar sein werden. Die Forscher planen, die Quantenkommunikation zunächst in bestehende Strukturen von Forschung und Industrie einzubinden und sie danach auch für private Haushalte nutzbar zu machen.
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Wehner betont, dass Fortschritt nicht nur von neuer Hardware abhängt, sondern vor allem von der Software, die darauf läuft. Mit QNodeOS schafft sie die Grundlage, um die Technologie zu öffnen und für die breite Bevölkerung nutzbar zu machen – ähnlich wie frühere Betriebssysteme wie Windows oder Linux einst den Zugang zum Computer revolutionierten.