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Experten-Tipps

So erkennen Sie ein Fake-Profil bei Tinder

Mann mit Smartphone
Gefälschte Tinder-Profile können ganz schön Ärger machenFoto: Getty Images

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland nutzen Tinder. Sie sind auf der Suche nach der großen Liebe. Aber das ist gar nicht so einfach, trotz der großen Auswahl. Denn zwischen den Mitgliedern verstecken sich auch viele Fake-Accounts – und die können mitunter gefährlich werden.

Die Dating-App Tinder vermittelt schnelle und unkomplizierte Dates. Bei der Suche nach dem nächsten Flirt steht das Profilbild im Fokus – es beeinflusst die Entscheidung des Nutzers zu 90 Prozent. Gefällt eine vorgeschlagene Person, kann der Nutzer sie markieren. „It’s a match“, heißt es, wenn auch sie ihn gut findet. Dann wird ein Kontakt hergestellt, die beiden können chatten und vielleicht Telefonnummern austauschen.

Allerdings gibt es manchmal einen großen Haken: Viele Profile sind gar nicht echt! Fake-Accounts sind mittlerweile auf vielen Social-Media-Plattformen ein Problem und auch bei Tinder verstecken sich einige dieser gefälschten Profile. Sie haben meist den Zweck, die App-Nutzer auszunehmen. So auch aktuell.

Fake-Accounts leiten in Abo-Falle

Mit oft weiblichen Profilen versuchen Kriminelle vorwiegend männliche Opfer dazu zu verleiten, einen Link anzuklicken. Dieser soll vermeintlich dazu dienen, ihr Profil zu verifizieren, wie das Portal watchlist-internet.at berichtet. Der Link führt jedoch in ein kostenpflichtiges Abo, das monatlich bis zu 50 Euro kostet.

Hinter den Profilen stecken keine echten Personen, sondern sogenannte Bots, also Roboter, die im Laufe des Gesprächs zunächst ein Treffen mit dem Opfer vereinbaren. Fast schon beiläufig erwähnen sie, in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht zu haben und bitten den Gesprächspartner, sich über den ausgewiesenen Link zu verifizieren.

Lesen Sie auch: Wie Sie Ihre alten Internet-Profile finden und löschen

Der Link führt zu verschiedenen Plattformen, die mit kostenloser Mitgliedschaft werben. Dort erscheint die Aufforderung, Chatname, Passwort und E-Mail-Adresse einzugeben. Nach dem Klick auf den Button „Start Now“ soll man seine Kreditkartendaten eingeben. Mit der anschließenden Bestätigung schließt man jedoch verschiedene Mitgliedschaften ab, die zwischen 37 und 50 Euro im Monat kosten.

Da bereits bei Tinder die Möglichkeit besteht, sein Profil verifizieren zu lassen, sollte man bei solchen Anfragen Dritter skeptisch sein, heißt es auf watchlist-internet.de. Für diejenigen, die bereits in die Falle getappt sind, empfiehlt das Portal, in keinem Fall auf etwaige Geldforderungen zu reagieren.

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Fake-Accounts auf Tinder und Co. erkennen

Deshalb sollte man genau prüfen, mit wem man sich auf Tinder binden möchte. Ist mein neuer Flirt vielleicht zu schön, um wahr zu sein? Social-Media-Experte Bastian Scherbeck von der Kommunikations-Agentur Kolle Rebbe GmbH hat fünf Tipps, wie Tinder-Nutzer unechte Accounts ganz einfach erkennen können. 

Social-Media-Experte Bastian Scherbeck
Social-Media-Experte Bastian Scherbeck
Foto: Kolle Rebbe GmbH

Tipp 1: Das Profil ist nicht ausgefüllt – Du findest keine weiteren Angaben zu Beruf, Hobbys und/oder Interessen: Tinder gibt seinen Usern eh schon nicht viel Platz, um sich selbst zu beschreiben. Wenn Du aber abseits eines Fotos GAR KEINE weiteren Informationen zu einem User findest, ist dies nicht selten ein Hinweis auf ein Fake-Profil. Wenn sich dann in der Bio des Profils noch merkwürdige Links (in der Regel Short-URLs) finden – am besten noch mit einem Teaser („Wenn Du mehr über mich wissen willst, klick hier“) – heißt es: Finger weg! 

Tipp 2: Das Profil hat nur ein Foto: Nur ein einzelnes Foto im Profil – und keine Informationen in der Bio? Dieses eine Foto sieht dann auch noch professionell gemacht oder gar „gephotoshopped“ aus? Dann hast Du es mit großer Sicherheit mit einem Fake zu tun. 

Tipp 3: Das Profil reagiert superschnell auf Nachrichten: Du hast einen Match, schreibst diesem eine Nachricht und bekommst superschnell eine Antwort. Traumhaft? Nicht unbedingt. Wenn die Antwort so schnell kommt, dass man sich fragen muss, wie Mann/Frau so schnell tippen kann, hast Du es vielleicht mit einem Bot zu tun. Dieser nutzt die Gunst der Stunde, um an Informationen zu kommen, die du ansonsten nicht rausgeben würdest. Dementsprechend: Auch wenn die Verlockung noch so groß ist – lieber ein Gespräch zu früh abbrechen als zu spät. 

Tipp 4: Dein Match möchte die Konversation unbedingt und sofort auf einem anderen Kanal fortführen: Du hast dein Match kaum kennengelernt und schon fragt es nach deiner Telefonnummer? Finger weg – wenn du diese jetzt rausgibst, bekommst du vor allem Spam-Nachrichten und Bot-Anrufe. Andere Alternative: Die Konversation soll direkt in einem anderen, dir nicht bekannten Social Network weitergeführt werden? Auch hier Finger weg – Da versucht jemand entweder an persönlichen Informationen zu kommen oder Werbung für ein anderes Social Network zu betreiben.

Tipp 5: Das Profil ist zu schön, um wahr zu sein: Am Ende des Tages gilt leider oft: Wenn das Profil von den professionellen Fotos über die Bio bis hin zum Job der absolute Wahnsinn ist – es sich also nach dem perfekten Partner anhört und dann auch noch mit dir matched: Vorsicht! Es lohnt sich durchaus, sich noch einmal genau zu fragen, warum das Bikini-Model oder der Typ mit dem Six-Pack gerade auf dich steht und im Zweifel das Schreiben von Nachrichten gleich zu unterlassen. Klar: Vieles ist möglich – aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich hier nicht um ein Fake handelt? Also: Finger weg! 

Warum gibt es so viele Fake-Accounts?

Die Motive hinter Fake-Accounts sind unterschiedlich. Manche erlauben sich einfach einen Spaß, andere leiden unter einer komplexen Persönlichkeitsstörung. Es gibt aber auch professionelle Abzocker. Die Cyberkriminellen versuchen Flirtwillige mit den gefakten Profilen auf dubiose Seiten zu locken. So funktioniert deren Masche:

Ein Profil auf Facebook wird über einen Bot (Computerprogramm) gesteuert. Die genutzten Profilbilder sind allesamt geklaut und zeigen ausschließlich hübsche Menschen. Schiebt man ein solches Profil bei Tinder nach rechts, startet der Bot automatisch ein Gespräch im geöffneten Chat. Nach einigen wenig aussagekräftigen Bemerkungen geht’s dann aber schnell ans Eingemachte: Der Bot lädt seinen Gesprächspartner ein, mit ihm ein Online-Spiel zu spielen oder schickt ihm einen anderen Link, den er öffnen soll. Wird das Spiel oder der Link angeklickt, wird direkt Malware auf den Rechner, das Smartphone oder das Tablet geladen.

So können Sie Ihr Profil schützen

Generell sollten Sie nie auf Links klicken, die über Tinder verschickt werden, da sich oft etwas anderes dahinter verbirgt als vermutet. Wer ein bisschen Wert auf Anonymität legt, die App aber trotzdem nutzen will, kann zudem ein Facebook-Profil extra für Tinder anlegen, auf dem nur die dafür relevanten Informationen verfügbar sind.

Hierfür sollten Sie keinen Fake-Account mit erfundenen Geburtsangaben und Namen erstellen, sondern ein echtes Profil mit ausgesonderten Fotos und weniger Details und keinen persönlichen Gefällt-mir Angaben. Sobald die Registrierung abgeschlossen ist, sollte Sie mit dem neu erstellten Profil die Registrierung auf Tinder beginnen, damit das neue Facebook-Profil mit Tinder verlinkt werden kann.

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