Hersteller zeigen auf IFA ihre Neuheiten

Wie Wearables unser Leben verändern

Samsungs neue Smartwatch Gear S3 eignet sich vor allem für Outdoor-Menschen
Foto: Samsung

Nach den Smartphones werden Wearables eine neue Technik-Ära einläuten. Dabei sind die Gadgets nicht nur nützliche Datensammler, sondern immer mehr auch smarte Alltagsoptimierer. Sie machen uns schön, fit und gesund – und werden dadurch unverzichtbar. TECHBOOK erklärt den aktuellen Trend und zeigt, welche Wearables die IFA dominieren.

Noch vor wenigen Jahren waren Wearables, also am Körper tragbare Mini-Computer wie etwas Smartwatches, eine nette Spielerei für Technikfreaks und Selbstoptimierer. Ihre Hauptaufgabe war es, mittels diverser Sensoren die Daten des Trägers zu sammeln und sie dann an das Smartphone oder den Rechner zu übermitteln. Aus der Flut an Daten kamen nette Diagramme heraus, die aber weder die Wearables noch die dazugehören Apps tiefgehend analysieren konnten. Richtig smart war das also noch nicht.

Zudem sind viele Wearables immer noch an das Smartphone gebunden. Bestes Beispiel: die Apple Watch. Ihr Funktionsumfang ohne eine Verbindung zum iPhone ist ziemlich beschränkt. Es fehlt ihr ein eigenes GPS-Modul zum exakten Orten und zur Distanzmessung. Damit scheidet sie als autarke Sportleruhr für Läufer oder Schwimmer schon mal aus. Ähnlich sieht es mit dem Musikhören aus. Zwar kann man auf dem internen Speicher eigene Playlists ablegen, aber auf Musik über Streaming-Dienste wie Spotify oder Apple Music kann sie nicht zugreifen. Das Fehlen von mobilem Internet macht sie abhängig vom iPhone und somit für viele potenzielle Kunden uninteressant.

Doch schon jetzt gilt als sicher: Die zweite Generation der Apple Watch wird sich stärker vom iPhone loslösen. Nur so kann sie über den Status eines netten Helfers hinauswachsen und ähnlich wie ein Smartphone unverzichtbar für den Alltag werden.

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Wearables dominieren auch die IFA 2016

Doch die Apple Watch kriegt zunehmend Konkurrenz. Alle großen Hersteller spüren, wie wichtig der Markt künftig sein wird und stellen neue Produkte vor, vor allem auch auf der IFA. Die Veranstalter der Elektronikmesse wissen, wie wichtig Wearables in Zukunft sein werden. „Der Trend zu intelligenten Wearables fördert nicht nur Sport und Spaß, er wird künftig auch telemedizinische Anwendungen stützen und somit auch dazu beitragen können, dass beispielsweise ältere Menschen länger selbständig in ihren gewohnten Umgebungen leben können“, erklärt ein IFA-Sprecher auf Anfrage von TECHBOOK.

Zu den Highlights der diesjährigen IFA zählen Wearables von Samsung und Asus. Beide bringen noch dieses Jahre neue Smartwatches heraus.

Asus hat auf der IFA die Zenwatch 3 vorgestellt – die erste runde Smartwatch des Herstellers. Deren dünnes Gehäuse erlaubt es, einen Zusatzakku an der Rückseite anzubringen. Mit diesem kann man die Uhr unterwegs aufladen. Ohne den Zusatzakku könnte die Uhr eine Laufzeit von bis zu zwei Tagen haben, im Standby-Modus soll die Nutzungszeit sogar noch länger sein. Die Uhr läuft mit Android Wear, bietet eine scharfe Darstellung und soll noch Ende des Jahres auf den Markt kommen – in den Farben Schwarz, Silber und Roségold. Je nach Armband wird die Uhr 230 (Silikonarmband) beziehungsweise 250 Euro (Echtleder-Armband) kosten.

Das dünne Gehäuse von Asus' Zenwatch 3 erlaubt die Anbringung eines Zusatzakkus

Das dünne Gehäuse von Asus‘ Zenwatch 3 erlaubt die Anbringung eines Zusatzakkus. Foto: Asus

Bessere Akku-Laufzeit ist auch bei Samsungs neuer Smartwatch ein wichtiges Thema. Die Gear S3 soll bis zu drei, vielleicht sogar vier Tage lang laufen und damit deutlich länger als die meisten Konkurrenten. Die Weiterentwicklung der Gear S2 sieht wie eine klassische Herrenuhr aus und kommt in den Versionen „Classic“ und „Frontier“ auf den Markt. Letzteres ist besonders für sportliche Outdoor-Menschen geeignet. Technisch unterscheiden sich die Modelle nicht, beide enthalten viele Funktionen, die sich gerade für Sportler eignen: GPS-Empfänger, Barometer- und Höhenmesser-App beispielsweise. Die Smartwatch ist vor Wasser und Staub geschützt und hat unter anderem einen GPS-Notfall-Mechanismus integriert. Mit diesem lässt sich mit drei Klicks eine SMS an einen vorher festgelegten Kontakt verschicken. Starttermin für die Gear S3 soll noch im Oktober sein, ein Preis steht allerdings noch nicht fest.

Fast jeder Dritte über 14 nutzt einen Fitness-Tracker

Samsungs Fokus auf sportlich aktive Nutzer erscheint logisch: Fitness-Geräte sind die beliebtesten Wearables. Dazu gehören vor allem Fitnessarmbänder, aber eben auch Smartwatches und Smartphones mit Fitness-Apps. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie nutzt derzeit etwa jeder dritte Deutsche über 14 Jahren einen Fitness-Tracker zur Aufzeichnung von Gesundheitsdaten. Neue und etablierte Hersteller entwickeln immer bessere Modelle. Auf der IFA stellte beispielsweise Fitbit mit Charge 2 und Flex 2 neue Modelle seines Fitness-Armbands vor.

Das neue Fitness-Armband Fitbit Charge 2 hilft unter anderem bei Atemübungen

Das neue Fitness-Armband Fitbit Charge 2 hilft unter anderem bei Atemübungen. Foto: Fitbit

Wearables als Kontrollinstrumente

„Fitness-Tracker sind Lifestyle-Geräte, die gerne von den Jüngeren und Gesunden genutzt werden“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Das größte Potenzial von Wearables liege künftig in der Prävention von Krankheiten und in der medizinischen Versorgung von Patienten.

Tatsächlich sind Wearables ideale Kontrollinstrumente. Je nach Modell messen sie kontinuierlich Puls, Blutdruck, Temperatur, Schlafdauer, Schlafintensität sowie natürlich die Aktivität in Form von Schritten und zurückgelegter Distanz. Zudem können sie die Daten mithilfe von speziellen Apps analysieren und den Träger bei Bedarf warnen, sobald die Werte aus dem vorgegebenen Rahmen fallen. Auch Fußballvereine setzen zunehmend Wearables – in Form eines BHs – ein, um die Leistungswerte der Spieler zu erfassen und das Training dahingehend anzupassen.

Einfachstes Beispiel: Wer zu viel sitzt, wird von seinem Fitness-Tracker per Vibration oder Piepton erinnert, sich mal kurz zu bewegen. Für eine von Rückenleiden und Übergewicht geplagte Dienstleistungsgesellschaft mit Menschen, die stundenlang vor Computern sitzen, ist es tatsächlich sinnvoll, zur Bewegung animiert zu werden.

Schon bald könnten die Daten des Trägers auch direkt an den Hausarzt übermittelt werden. Das würde die Diagnose und Prävention deutlich erleichtern. Zudem werden Analyse-Apps immer umfangreicher und exakter, wodurch der User auch selbst besser an seiner Gesundheit und seinem Lebensstil feilen kann. In beiden Fällen ist die Datensicherheit ein heikles Thema.

„Bei der Verarbeitung der besonders sensiblen Gesundheitsdaten müssen die höchsten Standards für Datenschutz und technische Sicherheit der Geräte eingehalten werden“, sagt Rohleder. Denn jeder dritte Deutsche hält laut der Bitkom-Studie seine Gesundheitsdaten für reine Privatsache. Und jeder Zweite will selbst bestimmen, wer die Gesundheitsdaten erhält.

Attraktiv dank Fitness-Trackern

Aber nicht nur die Fitness und Gesundheit profitieren von den Analyse-Tools, sondern auch die Attraktivität. Bio-Impedanz-Sensoren ermöglichen eine tiefere Analyse des Körpers. So kann zum Beispiel der Wasserhaushalt des Körpers permanent überwacht werden, damit der Nutzer immer ausreichend Wasser zu sich nimmt.

Besonders spannend ist die Auswertung der Nährstoffe im Blut. Das kann Menschen dabei helfen, abzunehmen und sich gesund zu ernähren. So weiß der Träger immer genau, wenn er zu viele Fette oder Kohlenhydrate zu sich genommen hat. Sportler hingegen, die Muskeln aufbauen oder erhalten möchten, können den Proteingehalt im Blut immer im optimalen Bereich halten. Ein Versprechen, dass der „Bioring“ einlösen möchte. Im Oktober 2016 soll der über Crowdfunding finanzierte Fitness-Tracker auf den Mark kommen.

Kleiner, smarter, vernetzter

Der Trend geht in Zukunft zu kleineren, intelligenteren und vernetzten Wearables. Das Schrumpfen der Technik erlaubt neue, unauffällige Bauformen. Das heutige Fitness-Armband könnte schon bald durch einen Ring am Finger ersetzt werden. Allerdings ist es noch eine Herausforderung, Sensoren, Prozessor, Vibrationsmotor, Kommunikationsmodul und eine ausdauernde Batterie in einem Ring unterzubringen.

Ein weiterer Trend: kabellose In-Ear-Fitness-Tracker wie der Samsung Gear IconX. Diese In-Ears sind nicht nur Kopfhörer, sondern MP3-Player und Pulsmesser in einem. Auch hier besteht noch viel Entwicklungspotenzial. So könnten In-Ears mit weiteren Sensoren und GPS zu vollwertigen Fitness-Trackern aufgerüstet werden.

Doch das alles ist eventuell nur ein Zwischenschritt: „Wearables sind eine Übergangstechnologie mit dem finalen Ziel einer totalen Integration in den Körper als Implantat“, sagt Liz Dickinson, Chefin des auf Pulsmesser spezialisierten Unternehmens Mio Global. Ihr zufolge wird sich die Umwelt in Zukunft an unsere physischen, emotionalen und psychischen Bedürfnisse automatisch anpassen können. Möglich machen das neue Implantate, die wir in uns tragen werden und Verbindungsmöglichkeiten, die uns mit der Umwelt vernetzen. Tatsächlich ist das keine Science-Fiction mehr, sondern ein aktuelles Forschungsfeld vieler Unternehmen. US-Wissenschaftler haben kürzlich einen Chip entwickelt, der aufs Handgelenk geklebt wird und Gesundheitsdaten erfasst.