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Reality-Shows

Wird Netflix zum Trash-Streaming-Dienst?

Netflix Reality TV Trash
Netflix geht neue Wege beim ProgrammFoto: Getty Images

Netflix startete gerade den größten Casting-Aufruf für Reality-Formate aller Zeiten. Doch was bedeutet das für die Zukunft des Streaming-Dienstes?

Mit Formaten wie „Too Hot to Handle“ und „The Circle“ positionierte sich Netflix bereits im Bereich des Reality TVs. Während Netflix und andere Streaming-Dienste aber eher für Serien und Filme bekannt sind, findet man Reality-Formate bislang vor allem im linearen TV. Doch offenbar möchte auch Netflix ein Stück vom Reality-TV-Kuchen abhaben. In einem riesigen Casting sucht das Unternehmen nun Teilnehmer für neue Shows. Für die Streaming-Plattform birgt das aber auch Gefahren.

So läuft das Netflix-Casting ab

Für die Fortsetzungen bestehender Shows wie den bereits erwähnten „Too Hot to Handle“ und „The Circle“, aber auch für neue Formate, sucht man nun Teilnehmer. Eigens dafür hat Netflix eine eigene Seite mit dem Namen „Netflix Reality“ eingerichtet. Auf dieser können sich Interessenten über die einzelnen Sendungen informieren. Auf insgesamt 12 Formate können sich potenzielle Teilnehmer per Video bewerben. Zunächst funktioniert das aber nur für volljährige Bürger der USA, Kanada, dem Vereinigtem Königreich oder Irland. Diese geben ihren Namen und auf Wunsch ihre Social-Media-Accounts an und reichen zuletzt ein maximal einminütiges Selfie-Video von sich selbst ein.

Noch ist Netflix eine Lovebrand

Netflix ist eine absolute Lovebrand. Das heißt, Konsumenten verbinden mit dem Unternehmen ein sehr positives Image. Das hat sich der Streaming-Gigant vor allem durch sein Programm aufgebaut. Viele der hauseigenen Produktionen (Netflix Originals) sind Meilensteine der Seriengeschichte und mittlerweile schon fast Kult. Ob „Stranger Things“, „The Witcher“ oder zuletzt „Lupin“ – Nutzer fiebern neuen Staffeln regelrecht entgegen. Man bekommt fast das Gefühl, Netflix macht programmseitig alles richtig.

Das gegenteilige Gefühl beschleicht den ein oder anderen bei linearen Fernsehsendern. Ohne Namen zu nennen, stehen diese oft für ihr Programm in der Kritik und avancieren dann im Volksmund schnell zu „Trash-TV-Sendern“. Wenn man sich die Nachmittagsprogramme und mittlerweile auch Abendshows der vergangenen Jahre ansieht, ist das zum großen Teil selbst verschuldet. Verstärkt wird der Trend noch durch fehlende eigene, starke Serien und Filme.

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Warum riskiert Netflix sein gutes Image?

Auch wenn Reality-Formate gut von Zuschauern angenommen werden, können sie einen schleichenden Niedergang der eigenen Marke einläuten. Diese Erfahrung musste beispielsweise der einstige Musiksender MTV machen. In den 2000er-Jahren stellte man dort das Programm auf Reality-Shows um. Aus dem Kultsender wurde dadurch ein Schatten seiner selbst.

Aber warum geht der Streaming-Dienst so ein Risiko überhaupt ein? Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben. Denkbar wäre, dass Netflix sein Programm breiter aufstellen möchte. Das könnte neue Abonnenten anlocken. Vielleicht möchte man auch anderen US-Streaming-Diensten zuvor kommen. Dort finden sich aktuell nämlich kaum solche Formate. Denkbar wäre aber auch, dass Netflix günstigen Content produzieren möchte. Bei normalen Serien gehen die Produktionskosten in die Millionen – und zwar pro Folge. Reality-Formate kosten nur einen Bruchteil.

Vom Trash-Streaming weit entfernt

Trotz des riesigen Castings für Reality-Shows, handelt es sich gerade einmal um 12 Shows, die nicht mal alle neu sind. Der überwiegende Teil wird weiterhin der bekannte Content bleiben. Die Gefahr für Netflix, künftig als Reality-Klitsche wahrgenommen zu werden, ist also äußerst gering. Man sollte aber nicht den Fehler machen und neue Produktionen für Reality-Formate zu streichen. Abonnenten reagieren darauf sensibel und die Konkurrenz auf dem Streaming-Markt ist groß.