Paarberater warnt

So zerstört das Handy Ihre Beziehung!

Mitten im Gespräch checkt der Partner auf einmal das Smartphone – das ist mehr als nur unhöflich.
Mitten im Gespräch checkt der Partner auf einmal das Smartphone – das ist mehr als nur unhöflich.
Foto: Getty Images

Mitten im Gespräch schauen wir auf unser Smartphone, lesen Artikel oder Nachrichten, anstatt unserem Partner zuzuhören. Das kann schlimme Auswirkungen auf unsere Beziehung haben, wie Paarberater Eric Hegmann erklärt.

„Phubbing“ heißt es im Fachjargon, wenn wir lieber auf unser Handy schauen, anstatt uns auf unseren Gesprächspartner zu konzentrieren. Das Wort setzt sich aus „Phone“ für Handy und „to snub“ (englisch für vor den Kopf stoßen) zusammen. Ein solches Verhalten kann mehr als nur unhöflich sein und sogar Ihre Beziehung gefährden. „Der Partner fühlt sich dadurch unwichtig und sieht sich in Konkurrenz mit einer Sache“, erklärt der Hamburger Paarberater Eric Hegmann gegenüber TECHBOOK.

Greifen wir in einer Unterhaltung zum Smartphone, zeigt das dem Partner Desinteresse und er kann diese Handlung als Zurückweisung interpretieren. „Das kann die Beziehung untergraben, denn damit wird dem Partner leider signalisiert, dass er keine Priorität darstellt“, sagt Hegmann. „Aber genau das – nicht nur eine Option zu sein – ist ja, was sich Menschen in Beziehungen wünschen“, sagt Hegmann. Wer will schon nur zweite Wahl sein? Es sei eine Frage des gegenseitigen Respekts, sich die ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

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„Phubbing“ führt zu Unzufriedenheit in der Partnerschaft

Psychologen der Renmin University of China fanden in einer Studie heraus, dass „Phubbing“ in der Beziehung zu Unzufriedenheit und gar Depressionen führe, weil die Probleme in der Partnerschaft die Wahrscheinlichkeit erhöhten, an Depressionen zu erkranken. Eine andere Studie der britischen University of Essex untersuchte, welchen Einfluss Smartphones auf unsere Kommunikation haben. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die bloße Anwesenheit eines Handys die Entwicklung von Nähe und Vertrauen behindert sowie Empathie und Vertrauen für den Gesprächspartner reduziert. Viele Gründe also, um das Smartphone generell bei Gesprächen zu verbannen.

Das belegen auch die Erkenntnisse der Forscher Baylor University. Greift der Partner zum Handy, fühlen wir uns ausgeschlossen. Menschen, die sich aufgrund von „Phubbing“ vom Partner ausgeschlossen fühlen, suchen bewusst Aufmerksamkeit. Diese und das Gefühl der Zugehörigkeit bekommen sie vor allem in den sozialen Netzwerken. Das bedeutet allerdings, dass „Phubbing“-Opfer selbst zu Tätern werden.

Smartphone-Griff kann Affäre begünstigen

Es kann sogar noch schlimmer kommen: „In extremen Fällen fühlt sich der Partner macht- und hilflos und das wird mittelfristig dazu führen, dass er sich Anerkennung und Aufmerksamkeit außerhalb der Beziehung sucht“, sagt Hegmann. Dies müsse zwar nicht direkt zu einer Affäre führen, aber wenn sich neben der Beziehung eine andere entwickelt, in der Themen angesprochen werden können, für die es in der Partnerschaft keinen Raum mehr gebe, könne eine Art Exklusivität zu einer anderen Person als dem Partner entstehen. Diese Exklusivität führe häufig zu einer Affäre, weiß Beziehungscoach Hegmann.

Das können Sie tun

„Die Lösung ist wie immer das gemeinsame Gespräch und eine Verhandlung der Bedürfnisse und Wünsche“, rät Beziehungsexperte Eric Hegmann. Konzentrieren Sie sich in Gesprächen auf Ihren Partner und legen Sie das Handy zur Seite. Das zeigt Respekt. Andersrum sollten Sie Ihrem Partner mitteilen, wenn Sie von der ständigen Smartphone-Nutzung genervt sind.

Haben Sie beim Scrollen im Netz etwas Interessantes gefunden, können Sie Ihren Partner einbeziehen und ihm oder ihr zum Beispiel einen spannenden Artikel weiterleiten. „Damit zeigen Sie Interesse und schaffen Bindung – und dann wirkt das Smartphone auch nicht mehr so bedrohlich“, sagt Hegmann.