Verhandlungen über neues Mobilfunknetz

Bekommen O2, Vodafone und Telekom bald Konkurrenz?

Shanghai von oben mit Netzlinien
2019 werden die Frequenzen für den neuen 5G-Standard vergeben. Deutscher Internetanbieter United Internet will den neuen Standard für ein eigenes Netz benutzen.
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In Deutschland laufen Verhandlungen über die Frequenzvergabe für den neuen 5G-Standard. United Internet trifft Vorkehrungen für ein viertes deutsches Netz, der Betreiber könnte das chinesische Unternehmen ZTE werden.

Seit der Integration des E-Plus-Netzes in die Telefónica-Gruppe im Jahr 2014 gibt es in Deutschland drei Mobilfunknetze: O2, Vodafone und Telekom. Nun denkt der deutsche Internetanbieter „United Internet“, der unter anderem die 1&1-Marke betreibt, über dem Aufbau eines vierten Netzes nach, berichtet das Handelsblatt. Dass die Planungen zeitgleich mit den Vorlaufgesprächen zur Frequenzverteilung für das zukünftige 5G-Netzwerk stattfinden, ist kein Zufall. Die Bundesnetzagentur sieht für den neuen Mobilfunkstandard keine „National-Roaming“-Pflicht vor. Das heißt, dass die Netzanbieter anderen Unternehmen keinen Zugriff auf ihre bestehenden Netze geben müssen. „United Internet“ würde somit außen vor bleiben, denn der Betrieb eines 5G-Netzes allein wäre wohl kaum wirtschaftlich.

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Bau eines vierten Netzes mit ausländischer Hilfe möglich

Das neue Netz würde nicht von „United Internet“ selbst, sondern von einem Telekommunikationsausrüster mit der nötigen Erfahrung gebaut werden. Der Ausrüster wäre für den Aufbau und Unterhalt des Netzes verantwortlich, „United Internet“ würde das Netz lediglich im Zuge eines Leasing-Vertrages nutzen. Laut Dommermuth, Gründer und CEO von „United Internet“, seien Verhandlungen bereits mit zwei Ausrüstern abgeschlossen. Einer davon ist das chinesische Unternehmen ZTE.

ZTE hat bereits Erfahrung in Deutschland

ZTE ist kein Neuling, wenn es um den Betrieb eines Mobilfunknetzes in Deutschland geht. Das Unternehmen war mehrere Jahre für den Ausbau des E-Plus-Netzes verantwortlich, ein Vertrag mit O2 läuft dieses Jahr aus. ZTE steht damit in Deutschland ohne Großauftrag da und könnte durch eine Zusammenarbeit mit „United Internet“ ein Möglichkeit bekommen, den Fuß in der Tür zu behalten. Angesichts der schwierigen Lagen chinesischer Unternehmen, die zum Beispiel aus den USA komplett verbannt wurden, ist ein Verleib in Deutschland deswegen ein wichtiger Faktor.

Noch bis Ende Januar Bedenkzeit

Die Frist zur Anmeldung für die 5G-Frequenzvergabe endet am 25. Januar 2019. Bis dahin hat United Internet noch Zeit, zu entscheiden, ob es ein eigenes Mobilfunknetz anbieten will. In der Zwischenzeit kann das Unternehmen seine Pläne als Druckmittel gegenüber den bestehenden Anbietern O2, Vodafone und Telekom benutzen. Angesichts der Bedrohung durch einen weiteren Konkurrenten könnten sich die Betreiber letztlich willig zeigen, auch anderen Anbietern, wie United Internet, Zugriff auf ihre Netze zu gewähren.

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