Nur 4 Gigabyte für 35 Euro

Warum bekommen wir in Deutschland so wenig Datenvolumen für unser Geld?

Junge Frau mit Smartphone guckt skeptisch
Warum bekommen wir weniger Datenvolumen als unsere europäischen Nachbarn? TECHBOOK hat nachgehakt.
Foto: Getty Images

Statistiken zeigen: In Deutschland bekommt man viel weniger Datenvolumen für sein Geld als im europäischen Umland. Stimmt das tatsächlich? TECHBOOK hat nachgehakt.

Vor einigen Wochen überraschte eine Statista-Grafik über Datenvolumen im internationalen Vergleich mit dem Ergebnis: In Deutschland gibt es wenig Internet für viel Geld!

Infografik: In Deutschland gibt es wenig Internet für viel Geld | Statista

Die Statistik zeigte, wie viel Gigabyte LTE-Datenvolumen es für einen Vertragspreis von 35 Euro im Monat gibt. Während Deutschland mit 4 Gigabyte auf den hinteren Plätzen landet, bekommt man laut Statista in Frankreich für den gleichen Preis rund 50 Gigabyte, in Finnland sogar unbegrenztes Datenvolumen. Doch woher kommen diese großen Unterschiede? Hinkt Deutschland einfach nur hinterher oder gibt es andere Gründe für die Kluft?

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Studie bildet nur einen Teil des Marktes ab

Tatsächlich zeigt die Studie nur Verträge mit Telefon- und SMS-Flatrates, die aber nicht die große Bandbreite an Tarifmodellen in Deutschland abbildet. Anbieter wie 1&1 haben Datentarife mit bis zu 10 Gigabyte Datenvolumen – dann aber ohne Telefon- und SMS-Funktion. Im Schnitt zahlen Sie dafür zwischen 20 und 25 Euro im Monat. Wer nur surfen will, bekommt so für wenig Geld recht viel Datenvolumen.

Die Telekom bietet zudem den Dienst „Stream On“ an, bei dem ausgewählte Musik- und Videodienste nicht auf das Datenvolumen angerechnet werden. Den Bonus gibt es kostenlos ab dem Tarif Magenta Mobil M mit Telefon- und SMS-Flat für rund 35 Euro im Monat. Vodafone hat mit dem „Gigacube“ sogar eine Lösung mit 50 Gigabyte im LTE-Datenvolumen im Angebot, im Paket mit einem mobilen LTE-Router und ohne SMS- und Telefon-Flat für ebenfalls knapp 35 Euro im Monat.

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Lizenzen und Regularien ein Grund?

Doch warum bekommen andere Länder offenbar mehr für ihr Geld? Torsten Neuhetzki von Teltarif.de sieht die Schuld in den teuren Lizenzen: „Das Problem in Deutschland ist, dass bei uns die Lizenzen für die Mobilfunker für Milliarden Euro vergeben werden. Das Geld zahlt am Ende der Kunde. In anderen Ländern gibt es diese Lizenzen kostenlos.“

Tatsächlich versteigern Bund und Länder hierzulande alle paar Jahre die Frequenzen für den Mobilfunk, zuletzt im Jahr 2015 für den Zeitraum von 2017 bis 2033. Mit den Einnahmen soll der Breitbandausbau im Land weiter gefördert werden. Die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica (O2, E-Plus) zahlten 2015 zusammen 5,1 Milliarden Euro für die Lizenzen.

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Auch der Vergleich mit Ländern wie Finnland scheint nicht so leicht, wie in der Statistik dargestellt: „Finnland hat etwas mehr als 5 Millionen Einwohner – zugegeben auf großer Fläche. Dort reicht es aus, in weitgehend unbewohnten Gebieten einen Sender aufzubauen, der 10-20 Kilometer abdeckt. Wenn dort nur wenig Leute leben, reicht die Kapazität aus. In Deutschland müssen die Anbieter deutlich mehr Masten errichten, um für ausreichend Kapazität zu sorgen. Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass es in Finnland auch deutlich weniger zahlende Kunden gibt“, so Neuhetzki.

Das bestätigt auch Dirk Wende von der Telekom gegenüber TECHBOOK: „Unterschiedliche wirtschaftliche und geographische Rahmenbedingungen führen zu unterschiedlichen Tarif- und Preisgestaltungen in den Ländern der europäischen Union. Dazu gehören etwa die Höhe der Kosten für die Ersteigerung von Mobilfunkfrequenzen – die höchsten europaweit – sowie Investitionskosten für den Auf- und Ausbau des Mobilfunknetzes.“

Letztendlich lassen sich die Länder und die Kosten für Datenvolumen also nur schwer in eine Topf werfen und ohne weiteres Hintergrundwissen vergleichen. Sollten Sie künftig also eine solche Statistik lesen: Hinterfragen Sie die Zahlen besser und prüfen noch einmal genau, welche Angaben mit in die Auswertung geflossen sind.