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Neue Social-Media-App

Authentische Instagram-Alternative? Die BeReal-App im Test 

Frau macht Selfie mit dem Handy
Viele Menschen posten täglich auf Instagram. Nun gibt es eine Alternative namens „BeReal“, die authentischer sein möchte.Foto: Getty Images

Durch die intensive Nutzung von Internet-Netzwerken und sozialen Medien teilt man viel mit Freunden, Bekannten und völlig fremden Menschen. Aber ist das auch wirklich authentisch, was die Menschen im Internet preisgeben? Die neue App BeReal will dieses Problem durch spontane Fotos in einem festgelegten Zeitrahmen lösen.

Es ist noch nicht lange her, da war Instagram schwer in Kritik geraten, weil Influencer auf der Plattform unerreichbare Schönheitsideale widerspiegeln würden. Manche Nutzer fühlten sich ausgeschlossen und depressiv, wenn sie diese öffentlich geteilten Fotos konsumierten, die Perfektion ausstrahlen. Die Gründer der BeReal-App sprechen deshalb von dem Versuch, ein authentisches soziales Medium zu schaffen. Mit ihrer App animieren sie Nutzer, sich ihren Freunden so zu zeigen, wie sie sind.

BeReal möchte ungekünstelt und echt sein

Das Schöne an den sozialen Medien ist, dass jeder mit jedem kommunizieren und Momente frei teilen kann. Dies schafft Raum für Inszenierungen, Fotos werden für einen Post oft bewusst ausgewählt. Zudem gibt es sehr viele Retuschierungsprogramme für Fotos und genaue Anleitungen und Posen, um sich möglichst gut zu präsentieren. Echt und authentisch sind viele Beiträge dadurch nicht.

BeReal greift dieses Prinzip des Teilens von Momenten zwar auf, möchte aber die Realität und das echte Ich der Nutzer zurückholen. Was passt da besser als ein spontanes Foto? Die BeReal-App funktioniert ähnlich wie Instagram, unterscheidet sich aber in wichtigen Punkten. So wählt die App den Zeitpunkt aus, zu dem Fotos gepostet werden. Dadurch möchte die App Nutzer dazu bringen, mehr spontane Fotos aufzunehmen. Und so funktioniert es: Nutzer erhalten per App eine Mitteilung, dass sie innerhalb der nächsten zwei Minuten einen Beitrag veröffentlichen können. Sie können dann ein spontanes Bild aufnehmen und es per App posten. Posten sie nichts, bekommen sie ein „Late“ auf das verspätete Foto. Damit sieht jeder, ob das Foto authentisch ist oder mit Verzögerung gemacht wurde.

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Zwei-Kamera-Prinzip innerhalb der App

Die BeReal-App meldet sich mit diesen Zeitfenstern täglich in den Benachrichtigungen. Machen Nutzer daraufhin ein Foto für ihren Post, greift die App zuerst auf die hintere Kamera des Smartphones zu. Damit soll ein Foto von der Umgebung entstehen, in der sich der Anwender gerade befindet. Danach lässt sich mit der Frontkamera das eigentliche Selfie aufnehmen. Das Selfie wird in das Umgebungsbild eingefügt und im eigenen Profil gepostet. Das so entstandene BeReal-Foto lässt sich auf Wunsch nur im sogenannten „Freunde“-Kanal teilen oder im öffentlichen Discovery-Kanal veröffentlichen.

Ähnlich wie bei anderen sozialen Medien fügt man Menschen zu seinem Profil als „Freunde“ hinzu. Das Interessante ist, dass alle „Freunde“ gleichzeitig die Aufforderung bekommen, ein Foto zu machen. Wenn man sich im öffentlichen Discovery-Kanal umschaut, kann man aber auch völlig Fremde als Freunde hinzufügen. Die per Aufforderungen gemachten Bilder ergeben eine Art Tagebuch mit genauem Zeitpunkt und Ort. Man kann also sehr gut sehen, was man wann wo und mit wem gemacht hat. Zudem lässt sich erkennen, was „Freunde“ zum gleichen Zeitpunkt gemacht haben. Reagieren können Nutzer auf die Posts mit einem Realmoji, also einem Porträt-Foto, mit welchem man eine ausgewählte Emotion darstellt.

BeReal App Screenshots die den öffentlichen Discovery Kanal zeigen
Im Discovery-Kanal werden öffentliche Fotos der Nutzer präsentiert, wenn sie das wollen.Foto: TECHBOOK via BeReal App

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Überzeugt das Konzept von BeReal?

Tatsächlich gibt die BeReal-App sehr authentische Einblicke in das Leben von Menschen, mit denen man vernetzt ist, sowie auch von unbekannten Personen. Die Hemmschwelle bei den Posts scheint eher gering zu sein und Nutzer teilen fleißig alles, was vor die Linse kommt. Beim Scrollen durch die App fällt aber auf, dass die meisten öffentlichen Post zu spät gepostet wurden. Es scheint also genügend Situationen zu geben, in denen Nutzer innerhalb von zwei Minuten kein Foto aufnehmen oder posten wollen. Zudem ist es fraglich, ob man täglich nach Aufforderung alles teilen möchte, was man gerade macht. Zwar kann man den Standort des Fotos ausschalten, aber die App gibt auf längere Sicht sehr persönliche und private Einblicke.

BeReal schafft zudem mit den Benachrichtigungen, die Nutzer zum Posten auffordern, eine ständige Interaktion. Diese langfristige Interaktion kann theoretisch süchtig machen und ist im Sektor der sozialen Medien bares Geld wert. Ständige Nutzung heißt aktive Nutzer. Zudem ist die Idee nicht ganz neu, weil auch mit den Instagram-Storys oder TikTok-Videos die Möglichkeit besteht, spontane Videos zu teilen. Die Idee mit den authentischen Fotos ist jedoch sehr gut und könnte helfen, den perfektionistischen Narzissmus der sozialen Medien abzudämpfen. Dazu muss man allerdings die Benachrichtigungen ab und zu ignorieren.

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