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Vertrauensbruch per Klick

So leicht wird das eigene Smartphone ausgespäht

Eine Spionage-App greift tief in die Privatsphäre ein und man kann sich nur schwer dagegen schützen
Eine Spionage-App greift tief in die Privatsphäre ein und man kann sich nur schwer dagegen schützen Foto: Getty Images
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Rita Deutschbein, Redaktionsleiterin TECHBOOK
Madlen Schäfer,

5. März 2026, 8:23 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Das Smartphone des Partners zu überwachen, gehört zu den wohl größten Vertrauensbrüchen in einer Beziehung. Auch die heimliche Kontrolle von Jugendlichen durch ihre Eltern ist moralisch höchst fragwürdig. Technisch gibt es aber Mittel und Wege für genau diesen Zweck. Besonders perfide sind dabei Spionage-Apps. TECHBOOK verrät, wie man diese auf dem eigenen Smartphone erkennt.

Wer das Smartphone seines Partners überwacht, greift dabei oft auf bereits vorhandene Dienste zu. So können die Ortungsfunktionen des Telefons und Messenger-Dienste wie WhatsApp überprüft werden. Dadurch lässt sich unter anderem der Aufenthaltsort einer Person nachvollziehen. Aber auch Nachrichten lassen sich heimlich mitlesen. Den Betroffenen ist dabei häufig nicht klar, welche Formen der Überwachung über das Smartphone möglich sind.

Nicht nur Wände haben Ohren

Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Apps, die die Überwachung eines Smartphones ermöglichen. In vielen Fällen richten sich diese Spionage-Apps vor allem an eifersüchtige Menschen. Die Apps versprechen dabei eine relativ umfängliche Überwachung der Smartphone-Aktivität. Mit den Apps sollen zum Beispiel das Smartphone geortet und WhatsApp-Nachrichten oder Anrufe – auch Videocalls – sichtbar und hörbar werden. Aber auch die Aktivität auf Social Media kann bei manchen Apps nachverfolgt werden. Einige Spionage-Apps gehen sogar so weit, dass sie die heimliche Aktivierung des Mikrofons ermöglichen, ohne dass der Smartphone-Nutzer dies bemerkt. Auch das Aufnehmen von Screenshots und der Zugriff auf die Fotogalerie des infiltrierten Smartphones gehören zum Leistungsumfang.

In den Bewertungen der Apps finden sich viele Fans der Überwachung. Nicht nur eifersüchtige Partner und Eltern zeigen sich begeistert, auch Chefs geben an, auf diese Weise ihre Mitarbeiter zu „überprüfen“. Doch auch Stalkern eröffnen Anwendungen dieser Art Tür und Tor. Aus den bereits im Jahr 2022 geleakten Nutzerdaten einer thailändischen Spionage-App geht hervor, dass in Deutschland etwa 80 Prozent der Käufer Männer sind. Die Opfer erfahren dagegen nur selten, dass sie massiv überwacht werden.

Drohende Haftstrafe wie bei Körperverletzung

Käufer einer solchen App, die damit ein fremdes Smartphone überwachen wollen, müssen die Spionage-App auf dem Zielgerät installieren. Die Anbieter versprechen keinerlei Sichtbarkeit, sodass die betroffene Person nichts von der Überwachung mitbekommt. Heimlich erfahren die Nutzer der App nahezu alles, was auf dem Gerät passiert: mit wem die Person telefoniert, ganze Telefonat-Aufzeichnungen oder Chatverläufe sämtlicher Messenger-Dienste.

Was den meisten Menschen zwar bewusst ist, aber zum Zweck der Überwachung einfach ignoriert wird: Solche Apps sind ohne das Einverständnis der Smartphone-Besitzer illegal. (Eine Ausnahme gibt es lediglich für Eltern.) Bis zu drei Jahre Gefängnis können Menschen in Deutschland drohen – das ist immerhin das Höchstmaß für fahrlässige Körperverletzung. Das Technikmagazin „c’t“ führte hierzu eine stichprobenhafte Nachfrage bei den Landeskriminalämtern von Niedersachsen und Berlin durch. Das Ergebnis ist ernüchternd. In den beleuchteten Jahren gab es kaum Strafprozesse oder Ermittlungsverfahren aufgrund der strafbaren Nutzung solcher Apps. Die Dunkelziffer sei dagegen sehr hoch. Da der Markt verschiedene Apps bereithält, dürfte die Nutzerziffer deshalb deutlich größer sein.

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So kommt man Spionage-Apps auf die Spur

Obwohl die Überwachungs-Apps auf dem Smartphone nur schwer zu enttarnen sind, weil sie in der Regel nicht sichtbar sind, gibt es einige Indizien, die sie entlarven können.

Anzeichen für eine Spionage-App auf dem Smartphone sind:

  • Ein erhöhter Akku-Verbrauch: Die Arbeitsprozesse der App führen zu einem schnelleren Entladen des Akkus.
  • Ein erhöhter Datenverbrauch: Das Versenden der Dateien im Hintergrund an den Nutzer der Spionage-App verursacht einen höheren Datenverbrauch.
  • Komplikationen auf dem Smartphone: Sowohl die Prozessabläufe der App als auch Fehler in der Software können zu einer Verlangsamung des Smartphones und zum Erhalt merkwürdiger Nachrichten führen.

Solltest Du den Verdacht haben, dass sich eine Spionage-App auf Deinem Smartphone befindet, kannst Du folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Kurzfristige Sofortlösung: Flugmodus aktivieren und WLAN-Verbindungen trennen, um Datenübertragung zu stoppen
  • Unbekannte Geräteadministratoren deaktivieren
  • Web-Zugriff von Messengern überprüfen. Unter „angemeldete Geräte“ schauen, welche Geräte Zugriff haben und gegebenenfalls sperren
  • Gerät notfalls auf Werkseinstellung zurücksetzen
  • Passwörter ändern

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Spionageabwehr bei Android und iOS

Play Protect von Google bietet für Android-Nutzer außerdem eine Sicherheitsfunktion, die alle Apps auf dem Gerät scannt. Zu finden ist Play Protect im Google Play Store. Gehe hier auf Dein Profil und dann auf den Reiter „Apps und Gerät verwalten“. In der Übersicht findet sich ein Eintrag von Play Protect, der bei einem sauberen Smartphone lautet: „Keine schädlichen Apps gefunden“. Du kannst Play Protect auch manuell zum Scannen auffordern.

Ergänzend warnt Android inzwischen auch vor Apps, die sich tarnen oder besonders weitreichende Zugriffsrechte verlangen, und informiert Nutzer, wenn eine Anwendung über längere Zeit auf sensible Daten zugreift. Zudem werden Sicherheitslücken über regelmäßige Updates geschlossen, die möglichst zeitnah installiert werden sollten.

Eine grundsätzliche empfohlene Datenschutzeinstellung ist zudem die restriktive Vergabe von Berechtigungen. Viele Apps fragen bei der Installation mehr Berechtigungen ab, als für eine einwandfreie Nutzung wirklich nötig wären. Wer Sprachnachrichten per WhatsApp versendet, wird wohl sein Mikrofon freischalten müssen, kann aber gleichzeitig trotzdem den Zugriff auf den Standort verweigern. In den Einstellungen kann man bei Android unter „Apps“ alle Apps aufrufen und sich die konkret erteilten Berechtigungen anzeigen lassen. Sollte man hier eine auffällige App entdecken, kann man ihr die Berechtigungen entziehen oder die App gleich ganz löschen. Seit neueren Android-Versionen lassen sich Berechtigungen zudem auf „Nur während der Nutzung“ beschränken oder werden automatisch entzogen, wenn eine App längere Zeit nicht verwendet wurde.

Generell gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Schütze Dein Smartphone mit einem Passwort und lasse es nicht in fremde Hände gelangen. Auch Apple hat die Schutzmechanismen in den vergangenen Jahren ausgebaut. iPhones zeigen etwa durch farbige Punkte an, wenn Kamera oder Mikrofon aktiv sind, und dokumentieren im App-Datenschutzbericht, welche Anwendungen auf sensible Daten zugreifen. Für besonders gefährdete Personen gibt es mit dem sogenannten „Lockdown Mode“ zudem einen optionalen Extrem-Schutz, der potenzielle Einfallstore für hochentwickelte Spähsoftware stark einschränkt. Sollten Eltern den Standort ihrer Kinder nachverfolgen wollen, ist auch das eine Frage des Respekts, nicht heimlich in die Privatsphäre des Kindes einzugreifen.

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