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Vor- und Nachteile

Sollte man den mitgelieferten Router vom Provider tauschen?

Internet Router
Viele Internet-Provider stellen Kunden einen Router zur Verfügung. Doch wie gut sind die Geräte?Foto: Getty Image

Bei Abschluss eines neuen Internet-Tarifes bekommen Kunden auf Wunsch einen Router von ihrem Provider gestellt. Doch sind die Geräte wirklich gut, oder empfiehlt sich der Tausch gegen einen freien Router aus dem Handel? TECHBOOK verrät, wann sich ein Tausch lohnen kann.

Im August 2016 hat die Bundesregierung den Routerzwang abgeschafft. Seither können Kunden selbst entscheiden, welchen Router sie an ihrem Anschluss betreiben. Die meisten Internet-Provider – egal ob für Kabel, (V)DSL oder andere Anschlüsse – bieten ihren Kunden bei Vertragsabschluss jedoch weiterhin einen Router an. Kostenlose Modelle gibt es mittlerweile jedoch selten. Stattdessen können Kunden gegen monatlichen Aufpreis ausgewählte Modelle mit unterschiedlichem Funktionsumfang mieten. Oder aber, sie kaufen gleich einen eigenen Router im Handel. Für wen ist welcher Weg die bessere Wahl?

Router vom Provider – es gilt einiges zu beachten!

Werfen wir einen Blick auf die Router, die die großen Internet-Provider aktuell zum (V)DSL-Vertrag anbieten, wird eines schnell deutlich: In einigen Fällen ist nicht klar, von welchem Hersteller die Basis-Router stammen und um welches Modell es sich handelt. Denn statt sie genau zu benennen, heißen sie ganz allgemein HomeBox, DSL-Modem oder EasyBox. Die Telekom bietet hingegen seine Speedport-Router an, die speziell für den Provider entwickelt worden sind. Das macht eine Vergleichbarkeit schwer.

Die Miet-Router der Provider

Die Basis-Router bieten oftmals nur einen minimalen Funktionsumfang. Möchten Kunden mehr, müssen sie auch mehr zahlen. Das Mietmodell eines einigermaßen gut ausgestatteten Routers kann bei einem Monatspreis von im Schnitt 5 Euro bei längerer Vertragslaufzeit aber schnell teuer werden.

Zur besseren Übersicht finden Sie hier die aktuellen Router, die die großen Provider Deutsche Telekom, Vodafone, O2 und 1&1 im Bereich (V)DSL aktuell vermarkten:

 Router – vermarktet alsDas steckt dahinterPreis pro Monat
TelekomSpeedport-ReiheTelekom Speedport3,84 Euro bis 9,70 Euro, Kauf mit Einmalpreis möglich
VodafoneEasyBox 804Router vom Hersteller Sercomm1,99 Euro
Fritzbox 7530Fritzbox 75302,99 Euro
Fritzbox 7590Fritzbox 75905,99 Euro
O2HomeBox 2k.A.2,99 Euro
Fritzbox 7490Fritzbox 74904,99 Euro
Fritzbox 7590Fritzbox 75905,99 Euro
1&1DSL-ModemFritzbox 7412kostenlos
1&1 HomeServerFritzbox 75204,99 Euro
1&1 HomeServer+Fritzbox 75306,99 Euro
1&1 HomeServer Speed+Fritzbox 75908,99 Euro
Stand: Dezember 2020

Die Tabelle zeigt, dass vor allem 1&1 die tatsächlichen Router-Namen stark verschleiert. Der Hersteller setzt zwar auf die beliebte Fritzbox von AVM, um welches Modell es sich genau handelt, erfahren Kunden allerdings erst in den Produktdetails. 1&1 ist außerdem der einzige der vier großen Internet-Anbieter, der noch einen Router ohne Aufpreis anbietet. Bei allen anderen müssen Nutzer für die Hardware einen monatlichen Aufpreis zahlen – die Telekom bietet seine Speedport-Router auch zum Verkauf an.

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Preislich stechen vor allem die Basis-Router ins Auge. Sie sind mit Mietkosten von zwei bis drei Euro am günstigsten (mit Ausnahme vom Gratis-Router von 1&1). Wirklich empfehlenswert sind die Modelle allerdings nur für sehr wenige Nutzer.

Basis-Router meist mit weniger Leistung

Die EasyBox 804 von Vodafone gibt es seit 2015, die HomeBox 2 von O2 ist ebenso wie die Fritzbox 7412 seit 2014 auf dem Markt. Die drei Basis-Router von Vodafone, O2 und 1&1 haben somit allesamt schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Hinsichtlich der Entwicklungen der vergangenen Jahre ist dieser Punkt nicht unwesentlich. Was vor einiger Zeit noch eine gute Ausstattung war, reicht für aktuelle Internet-Anschlüsse mitunter nicht mehr aus. Und darüber informieren nicht alle Hersteller. So lieferte 1&1 beispielsweise zu einem VDSL-250-Anschluss das DSL-Modem (aka Fritzbox 7412), obwohl diese für den Tarif gar nicht geeignet war. Denn sie unterstützt die tech­ni­sche Maxi­mal­ge­schwin­dig­keit des Anschlusses gar nicht. Wie das Telekommunikationsportal „teltarif.de“ berichtet, erfuhr der betroffene Kunde dies aber erst auf Nachfrage beim Support.

Die Basis-Router von Vodafone und O2 sind hingegen Spezialanfertigungen. Ob sie auch unter anderem Namen direkt vom jeweiligen Anbieter vermarktet werden, ist nicht bekannt. Fest steht allerdings, dass ihre Ausstattung mittlerweile vielen Anschlüssen auch nicht mehr gerecht wird. Die EasyBox 804 von Vodafone erlaubt es beispielsweise nicht, Festplatten oder Drucker anzusteuern. Außerdem kommt sie ohne DECT-Basis aus und bietet nur wenige Anschlussmöglichkeiten. Die WLAN-Reichweite ist mager. Auch die HomeBox 2 von O2 hat nur eine mäßige WLAN-Versorgung, wenige Anschlüsse und ist außerdem nicht kompatibel mit Supervectoring – für schnelle Anschlüsse ist sie daher nicht geeignet. Immerhin bietet sie aber eine integrierte DECT-Station. Insgesamt beschreiben die Kollegen von „ComputerBILD“ den Funktionsumfang aber als eher schlecht.

Gesperrte Funktionen, schwaches WLAN – Provider-Software kann zur Last werden

Die Provider stellen jedoch Alternativen zu den Basis-Routern zur Verfügung. Mit dabei die aktuelle Fritzbox 7590. Bei O2 und Vodafone gibt es sie für 5,99 Euro im Monat, bei 1&1 – getarnt als HomeServer Speed+ – kostet sie satte 8,99 Euro monatlich. Über eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten macht das 119,76 Euro bzw. 215,76 Euro. Zum Vergleich: Im freien Handel gibt es die Fritzbox 7590 ab etwa 181 Euro. Ein Kauf lohnt sich bei 1&1 somit bereits zum Vertragsabschluss. Bei Vodafone und O2 preislich dann, wenn der Vertrag mindestens drei Jahre besteht.

Neben dem eigentlichen Preispunkt sollten Kunden noch etwas beachten. Ähnlich wie die Smartphone-Hersteller passen auch viele Internet-Provider ihre Mietrouter mit einer eigenen Nutzeroberfläche an. Sie rückt die internen Dienste der Unternehmen in den Fokus und soll eine einfache Wartung und Fehlerbehebung seitens des Anbieters ermöglichen. Zudem können die Techniker die Geräte aus der Ferne warten und neue Software einspielen – ein Vorteil, vor allem für technisch weniger versierte Nutzer. Der Fernzugriff kann in den falschen Händen aber auch schaden. Er ist unter Umständen ein Einfallstor für Hacker. Bei freien Routern lässt er sich daher deaktivieren. Provider-Router erlauben dies oft nicht.

Auch für diejenigen, die sich im technischen Bereich etwas auskennen oder sich offen lassen möchten, ihr Heimnetz selbstständig zu erweitern, sind freie Routern oft die bessere Wahl. Denn mitunter sind bei den Mietroutern nicht alle Funktionen frei zugänglich. Viele sperren Funktionen im Bereich Internet, Telefonie und/oder Smart Home. Nutzer haben dann keine Möglichkeit, spezielle Einstellungen vorzunehmen. Wir kennen Fälle, bei denen VoIP-Anbieter (Voice over IP – Telefonie übers Internet) gesperrt oder aber keine Anpassungen des DNS Servers möglich waren. Letzteres ist mitunter im Homeoffice für Verbindungen ins Firmennetzwerk oder für die Verbesserung der Internet-Stabilität relevant. Herstellereigene Router-Oberflächen können zudem Auswirkungen auf Updates haben. Sie müssen unter Umständen vom Anbieter freigegeben werden und lassen sich nicht so ohne Weiteres installieren. Bei der Fritzbox, die sehr häufig neue Funktionen und Verbesserungen per Update bekommt, ist das ärgerlich.

Lesen Sie auch: AVM Fritzbox – aktuelle Updates im Überblick

Router aus dem freien Handel – die Alternative?

Alle großen Internet Provider ermöglichen ihren Kunden mittlerweile, einen eigenen Router am Anschluss zu betrieben. Während des Tarifabschlusses können sie zumeist eingeben, ob sie einen eigenen Router besitzen oder einen Mietrouter bestellen möchten. Im Vergleich zu den Geräten vom Provider haben Router aus dem freien Handel einige Vorteile, fordern ihre Nutzer aber auch mehr.

Passenden Router finden

Die Auswahl an passenden (V)DSL-, aber auch Kabelroutern ist groß. Hier liegt für einige bereits die erste Hürde. Denn welcher Router ist der passende für den gewählten Anschluss? Kunden können sich hier beispielsweise an den vom Provider angebotenen Modellen orientieren, oder aber im Fachhandel und im Internet Rat suchen. Stellen Sie sich zudem die Frage, was Sie mit Ihrem Router machen möchten.

  • An welchem Anschluss möchten Sie den Router betreiben? (Kabel, (V)DSL mit/ohne Supervectoring, Glasfaser)
  • Welche Internet-Geschwindigkeit muss er unterstützen?
  • Wie groß muss die WLAN-Reichweite sein? (kleine Wohnung, ganzes Haus?)
  • Möchten Sie mehrere Geräte mit dem Router verbinden?
  • Benötigen Sie eine DECT-Station für Telefone?
  • Brauchen Sie Extras wie ein NAS, eine Kindersicherung, ein Heimnetzwerk etc.

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Die meisten modernen Router bieten mittlerweile eine solche umfangreiche Ausstattung. Die Fritzbox von AVM ist beispielsweise für ihre einfache Oberfläche, ihre Smart-Home-Eigenschaften und häufigen Updates bekannt. Acer und D-Link haben wiederum Router im Angebot, die mit einer starken WLAN-Leistung und hoher Power besonders Gamer ansprechen. Netgear hingegen bietet eine gute Auswahl aus Routern und passenden Repeatern an, die sich für die Allgemeinheit gut eignen.

Mit Preisen von zumeist 175 bis 250 Euro sind die Top-Modelle aber auch nicht gerade günstig. Wie bereits erwähnt, sollten Kunden also durchrechnen, ob eine Miete über einen bestimmten Zeitraum nicht vielleicht günstiger ist. Der Kauf rechnet sich bei den Premium-Modellen meist dann, wenn der Internet-Vertrag mindestens drei Jahre besteht.

Volle Kontrolle, aber auch Verantwortung

Bei freien Routern müssen Nutzer die Einrichtung und Verwaltung selbst übernehmen. Damit haben sie zwar volle Kontrolle über ihr Gerät, aber eben auch volle Verantwortung, dass alles korrekt läuft. Ein Anruf beim Support des Internet-Providers ist bei Hardware-Fragen nicht so einfach möglich. Wer sich das nicht zutraut, greift besser zum Provider-Gerät.

Provider-Routerfreier Router
+ besserer Support seitens des Providers+ volle Kontrolle über alle Funktionen
+ kann bei kurzer Vertragslaufzeit günstiger sein+ große Geräteauswahl
+ keine hohe Einmalzahlung+ keine Mietkosten und somit langfristig günstiger
+ unkomplizierter Austausch bei Problemen+ schnelle Updates
- eventuell verzögerte Updates+ kann bei Vertragswechsel mitgenommen werden
- bei längerer Vertragslaufzeit teuer- eingeschränkter Support durch Provider
- mitunter eingeschränkter Funktionsumfang- eventuell komplizierte Einrichtung für Nutzer ohne technische Kenntnisse

Fazit: Meist lohnt sich der Kauf

Auch wenn die Provider es nicht gern hören, den meisten Internet-Nutzern legen wir den Kauf eines eigenen Routers ans Herz. Schnelle Updates, der volle Funktionsumfang und absolute Kontrolle über das Gerät übertreffen die wenigen Vorteile eines Mietrouters einfach zu sehr. Zudem ist der Kauf oft günstiger. Zwar müssen Kunden einmalig tiefer in die Tasche greifen, je nach Modell rechnet sich ein eigenes Gerät aber schon nach 24 Monaten. Der Router bleibt im Besitz des Kunden und kann auch bei Vertragswechsel am neuen Anschluss betrieben werden – sofern sich die Anschlussart nicht ändert.

Lediglich denjenigen Internet-Nutzern, die sich die Selbstverwaltung ihres Routers nicht zutrauen, können wir das Mietmodell empfehlen. Es ist auch dann sinnvoll, wenn die Anschaffung eines guten Routers finanziell nicht möglich ist.

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