Von Fans zerrissen

„Warcraft 3 Reforged“ ist laut Metacritic das schlechteste Spiel der Welt

WoW-Tournament auf Blizzcon Anaheim
Mit World of Warcraft hat Blizzard Warcraft-Fans jahrelang in seinen Bann gezogen. Mit Warcraft 3 Reforged ist ihm das nicht gelungen.
Foto: Getty Images

Es sollte dem Meisterstück der Warcraft-Reihe neues Leben einhauchen. Stattdessen ist „Warcraft 3 Reforged“ phänomenal gefloppt – mit dem niedrigsten Score für ein Videospiel auf Metacritic.

„Warcraft 3 Reforged“ ist nun das am schlechtesten bewertete Spiel auf Metacritic, zumindest was die Spielermeinung angeht. Mit nur 0,5 von 10 Punkten bei den User Reviews hat es diese unrühmliche Trophäe eingeholt. Zuvor wurde nur „Day One: Garry’s Incident“ mit 0,4 Punkten schlechter bewertet, das Spiel konnte sich aber mittlerweile auf 0,7 Punkte steigern.

In der Vergangenheit mehrere Fehltritte erlaubt

Der einstige Branchenliebling Blizzard hatte in der jüngeren Vergangenheit eine Pechsträhne. Die Ankündigung auf der Blizzcon 2018, einen Smartphone-optimierten Diablo-Ableger namens „Diablo Immortal“ auf den Markt bringen zu wollen, ist bei den Fans alles andere als gut angekommen. Diese hatten auf „Diablo IV“ gehofft, dessen Release aber noch in ferner Zukunft liegt. Auch die Entscheidung Blizzards, einen Streamer zu sperren, der sich für die Anti-China-Proteste in Hong-Kong aussprach, stieß bei der Community auf Unverständnis.

Aber es gab auch etwas, auf das sich Warcraft-Fans freuen konnten. Nach mehreren Verschiebungen wurde am 28. Januar endlich die remasterte Version des beliebten dritten Teils der Warcraft-Serie „Warcraft III“ veröffentlicht.

Mit 0,5 von 10 Punkten auf Metacritic ist „Warcraft 3 Reforged“ nur ganz knapp am niedrigsten User-Score aller Zeiten (0,4/10) vorbei gerutscht. Metacritic ist ein Review-Aggregator, der sowohl für Kritikermeinungen als auch Nutzermeinungen ein Mittel berechnet. Während Reforged von Kritikern mit einem Score von 63/100 schon recht schlecht bewertet wurde, ist der User-Score immer weiter gesunken. Nur ein paar Tage nach Release wurde das Spiel mit über 20.000 Bewertungen „Review Bombed“, also gezielt negativ bewertet, um den Score herunterzuziehen.

Kommentare auf Reddit befeuern die Review-Bomb

Im Warcraft-3-Form auf Reddit lassen genervte Spieler ihren Frust ab, wie Forbes berichtet. Aus den vielen negativen Kommentaren lassen sich die vielen Probleme erkennen, die Reforged den Spielern des Remaster – aber auch des Originals – bereitet. Viele berichten über schwere Bugs, darunter etwa Assets (Grafiken), die nicht geladen und stattdessen als Würfel angezeigt werden. Andere hingegen können das Spiel nicht starten, die Probleme reichen von Login-Fehlern bis Verbindungsabbrüchen. Da sowohl das originale Warcraft III als auch das neue Reforged die gleichen Online-Server nutzen, ist auch das alte Spiel von den Verbindungsproblemen betroffen. Einige Spieler berichten zudem, dass sie dazu gezwungen werden, auf das neue Spiel zu updaten, um überhaupt spielen zu können.

Aber auch von den technischen Problemen abgesehen fällt die Kritik verheerend aus. Die Cutscenes fallen deutlich schlichter aus als die cinematischen Sequenzen, die auf der Blizzcon 2018 gezeigt wurden und dem Spiel einen modernen Touch geben sollten. Außerdem wurden die Pläne, die Kampagne in Reforged an die Geschehnisse in World of Warcraft, das nach dem original Warcraft 3 veröffentlicht wurden, anzupassen, von Blizzard wieder verworfen. Auch funktionieren Nutzer-erstellte Kampagnen und Karten mit selbsterstellten Charakteren (etwa aus Pokémon und Dragon Ball) in Reforged laut Spielerberichten nicht mehr. Zudem enthält das neue EULA Klauseln, mit denen Blizzard Anspruch auf alle Mods, die von der Community erstellt werden, erhebt. Fraglich ist, ob solch eine Besitzerhebung überhaupt rechtens ist, aber gegen die Spieler gerichtet ist sie allemal.

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Blizzard gehörte in der Vergangenheit vor allem angesichts der oft spielerfeindlichen Einstellung von Konkurrenten wie Electronics Arts und Ubisoft bei Gamern zu den beliebteren Spieleentwicklern. Aber die Häufung der schlechten Schlagzeilen lässt das Vertrauen in das Unternehmen langsam schwinden. Seit Ende Januar hat die Blizzard-Aktie einen echten Sinkflug hingelegt, ein Zeichen dafür, dass sich das Vernachlässigen der Spielercommunity auch ganz schnell rächen kann.