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35 Jahre NES! Wie Nintendos Kult-Konsole unsere Kindheit prägte

NES
Die TECHBOOK-Redakteure Andreas Filbig (links) und Steven Plöger haben den NES noch einmal aus dem Keller gekramt
Foto: TECHBOOK

Heute vor 35 Jahren erschien in Japan Nintendos Konsole Famicom, die später auch hierzulande unter dem Namen Nintendo Entertainment System – kurz NES – ein riesiger Erfolg wurde. Zum Geburtstag wirft TECHBOOK im Video einen Blick zurück auf einen grauen Kult-Klotz, seine scharfkantigen Controller und die genialsten Pixel-Spiele unserer Jugend.

Aktuelle Spielehits wie „Assassin’s Creed“, „Battlefield“ oder auch „God of War“ verbindet man im ersten Moment nicht unbedingt mit dem japanischen Traditionsunternehmen Nintendo, die hollywoodreifen Produktionen mit ihren Millionenbudgets gibt es meist nur bei Sony oder Microsoft. Und trotzdem würde es all diese Spiele heute wahrscheinlich nicht geben, wenn Nintendo nicht am 15. Juli 1983 einen kleine, weiß-rote Spielekonsole namens Famicom in Japan veröffentlich hätte.

Diese These ist Ihnen zu steil? Wir werfen einen Blick zurück auf die frühen Achtzigerjahre: Das US-Unternehmen Atari dominiert mit seiner Konsole VCS den Markt der Heimkonsolen in den USA. Der Hype an dem noch jungen Medium Videospiele ist riesig, große Unternehmen wie MB oder Mattel steigen in den Markt ein, neue Geräte und Spiele wachsen wie Pilze aus dem Boden und überschwemmen die Regale der Händler. Das Problem: Viele der (oft von Hobbyisten im Keller programmierten) Spiele sind miserabel, eine Qualitätsprüfung gibt es bei Atari und den anderen Unternehmen nicht, ebensowenig wie Spielezeitschriften mit unabhängigen Tests.

Der hysterische Markt sorgte ab 1982 zunehmend für frustrierte Spieler, die nicht mehr zwischen den wenig richtig guten und den vielen schlechten Spielen unterscheiden konnten. Die Folge: Die Verkäufe gehen stark zurück, bereits zum Weihnachtsgeschäft 1982 verramschen viele Händler die Spiele und Konsolen bereits, um die Lager zu leeren. Manche Unternehmen schlossen Ihre Spieleabteilungen, andere wie Imagic gingen direkt bankrott. Auch der einstige Platzhirsch Atari kam finanziell ins Straucheln, verzeichnete 1983 einen operativen Verlust von über 500 Millionen US-Dollar und wurde 1984 aufgespalten und verkauft. Der Videospielmarkt in den USA war am Boden.

Japan übernimmt den Spielemarkt

Der japanische Spielemarkt war davon weniger betroffen, allerdings zu dieser Zeit auch noch nicht so bedeutend wie heute. Nintendo analysierte vor dem Start des Famicom die Situation in den USA genau und beschloss, nur lizensierte Spiele mit einem eigenen Qualitätssiegel zuzulassen. Mit Erfolg: Innerhalb kürzester Zeit wurde das Famicom die meistverkaufte Konsole in Japan, was neben familienfreundlichen Kult-Titeln wie „Super Mario Bros.“ und „Zelda“ auch am verhältnismäßig günstigen Preis von knapp 15.000 Yen (wären heute umgerechnet etwa 200 Euro) lag. Obwohl der Markt in den USA kaum noch existent war, ging Nintendo das Risiko ein und plante eine Veröffentlichung in Amerika – änderte hierfür aber den Namen auf „Nintendo Entertainment System“ und das Design vom kompakten Minigerät zum großen, grauen Klotz. Nichts sollte an ein kleines Spielzeug erinnern, das NES kam bullig und erwachsen daher und sollte laut Designer Masayuki Uemura eher wie ein Videorekorder aussehen.

Masayuki Uemura

Der Japaner Masayuki Uemura, einer der Entwickler des Famicom, mit der bunten Ur-Version der Konsole.
Foto: Picture Alliance

Der Plan ging auf, auch in den USA (1985) und Europa (1986) feierte Nintendo mit dem NES große Erfolge und erweckte eine fast totgeglaubte Branche wieder zum Leben. Der Schwerpunkt im Konsolenmarkt verschob sich in dieser Zeit von den USA nach Japan, das eine ganze Ära in den folgenden Jahren mit weiteren Geräten von Nintendo und seinen Konkurrenten Sega und Sony prägte. Erst mit dem Start von Microsofts Xbox im Jahr 2001 setzte sich wieder ein US-Unternehmen dauerhaft erfolgreich fest.

Erfolg durch Spiele-Meilensteine

Der größte Erfolgsfaktor des NES war die große Spielebibliothek, viele auch heute noch beliebte Spielereihen debütierten auf der Konsole – darunter das Jump’n’Run  „Super Mario Bros.“ oder die Action-Adventures „The Legend of Zelda“ und „Metroid“.

Das ist das wertvollste Videospiel der Welt

Auch Drittentwickler trugen mit zeitlosen Klassikern wie „Final Fantasy“ (Squaresoft), „Castlevania“ (Konami) oder „Mega Man“ (Capcom) zum großen Erfolg bei, gerieten aber immer wieder mit Nintendo aufgrund der strengen Software-Politik in Konflikt: Um die Qualität zu sichern, durfte jeder Drittentwickler nur fünf Spiele im Jahr veröffentlichen. Außerdem nutzte Nintendo sein Quasi-Monopol – 1990 hatte fast jeder dritte Haushalt in den USA einen NES – für Knebelverträge, die Entwickler dazu zwang, Spiele exklusiv für Nintendos System und nicht für die Konkurrenz zu entwickeln. Mit dem Wettbewerb „Nintendo World Championship“ veranstaltete Nintendo 1989 und 1990 in den USA einen nationalen Spielewettbewerb und steigerte die Popularität seiner Marken weiter.

Die Spiele kamen zunächst auf Plastikkasetten, die im Famicom oben eingesteckt und im westlichen NES seitlich in einen Schacht geschoben wurden. 1986 erschien in Japan das Famicom Disk System, das Spiele auch auf Diskette abspielte. In die USA und nach Europa kam das Laufwerk aber nicht.

Kurioses Zubehör

Das NES war bekannt für seine riesige Palette an Zubehör – nützliches wie auch kurioses.

Der „Zapper“ war eine Plastikpistole, mit der Zielobjekte im Spiel abgeschossen wurden.

R.O.B. war ein kleiner Roboter, den der Spieler über eine NES-Software mit dem Controller steuern konnte.

Die Fitnessmatte sollte Spielern vor dem Fernseher Beine machen.

Mit dem Miracle Piano Teaching System konnte man sogar Klavier lernen.

Die Laser Scope war ein Headset, mit dem man per Kopfbewegung schießen konnte. Rief der Spieler „Feuer!“, setzte die vorne platzierte „Laserwaffe“ einen Schuss ab.