Künstlicher Stern

Raumfahrt-Debüt: Neuseeland schickt eine “Discokugel” ins All

Rocket-Lab-CEO Peter Beck neben dem Satellit “Humanity Star”
Rocket-Lab-Gründer Peter Beck hofft, dass sein “Humanity Star” zum hellsten Himmelskörper wird.
Foto: picture alliance/AP Photo

Das Raumfahrtunternehmen Rocket Lab hat einen Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht, dessen einzige Aufgabe es ist, das Licht der Sonne auf die Erde zu reflektieren.

Seit Mitte Januar 2018 ist Neuseeland offiziell eine Raumfahrtnation: Von seiner Startanlage auf der Mahia-Halbinsel aus sendete das Privatunternehmen Rocket Lab erstmals erfolgreich eine seiner kostengünstigen Trägerraketen namens “Electron” ins All, die speziell für den Transport von Kleinsatelliten geschaffen wurde. An Bord waren jedoch nicht nur, wie vorher bekannt gegeben, drei Wetter- und Erdbeobachtungssatelliten der Firmen Spire und Planet, sondern auch der unternehmenseigene “Humanity Star”.

Symbolische Funktion

Wie Rocket Lab kurz nach dem Start der Rakete bekanntgab, umkreist dieser kugelförmige Satellit nun etwa neun Monate lang die Erde, bevor er in der Atmosphäre verglühen wird. Der Humanity Star ist etwa einen Meter groß und aus Kohlenstofffaser gemacht. Die Oberfläche besteht aus 65 dreieckigen Spiegelplatten, die das Licht der Sonne wie bei einer Discokugel auf die Erde reflektieren sollen. Denn der einzige Zweck des Satelliten ist, für die Menschheit sichtbar zu sein.

Alle 90 Minuten soll der Humanity Star die Erde umkreisen und so von jedem Punkt der Welt aus zu sehen sein. Wie das Unternehmen von Peter Beck mitteilt, soll der Satellit als ein Symbol fungieren, das die Menschen zum Nachdenken über ihren Platz im Universum und ihr Tun auf der Erde anregt. „Die Menschheit ist in der Lage, großartige und gutherzige Dinge zu tun, wenn wir erkennen, dass wir eine Spezies sind, die gemeinsam die Verantwortung trägt, aufeinander und auf unseren Planeten Acht zu geben. Der Humanity Star soll uns daran erinnern“, heißt es auf der Webseite des Projekts.

Kritik von Kollegen

Viele Wissenschaftler sind von dem “künstlichen Stern” im Orbit jedoch nicht begeistert und halten ihn für einen PR-Stunt, der unvereinbar mit einem umweltbewussten Image ist. Der neuseeländische Astronom Ian Griffin bezeichnete den Humanity Star etwa als “Himmels-Graffiti” und “ökologischen Vandalismus”, der mit seiner Lichtverschmutzung zur Zerstörung des natürlichen Nachthimmels beitrage. Neben der Kritik an der Unternehmens-Werbung am Himmel gibt es außerdem fachliche Bedenken.

Astrophysiker Caleb A. Scharf von der Columbia University bemängelt in der Fachpublikation „Scientific American“, dass die Lichtverschmutzung derartiger Flugkörper Wissenschaftlern die Erforschung des Alls erschwert: „Mit etwa 2000 künstlichen Satelliten, die die Erde umkreisen (ohne echten Weltraummüll mitzuzählen), passiert es Astronomen oft, dass sie ihre hart erarbeiteten Bilder überzogen von störenden Lichtschweifen von schimmernden Objekten finden, die über ihnen fliegen“, erklärt er.

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Trotz der Kritik ist Rocket-Lab-CEO Peter Beck zufrieden mit seinem Projekt. Ihm ging es lediglich darum, eine Diskussion anzustoßen, und dies sei gelungen, erklärt er im Interview mit dem New Zealand Herald. Rocket Lab hofft, bald 50 Trägerraketen pro Jahr von Neuseeland aus starten lassen zu können, die Kleinsatelliten in die Erdumlaufbahn bringen sollen. Der Humanity Star wurde derweil noch nicht am Himmel gesichtet.

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