Kaufberatung

AMD oder Intel? Prozessoren im großen Vergleich

Die Unterseite einer AMD-CPU mit Siliziumplatten im Hintergrund
Foto: Getty Images

Der Markt um Prozessoren ist hart umkämpft. Wir haben die aktuellen Modelle von AMD und Intel verglichen und die drei besten CPUs für jeden Zweck ausgesucht.

Coffee Lake, Coffee Lake Refresh, Cascade Lake-X, Ice Lake Ryzen, Threadripper: der Markt der Prozessoren wird immer unübersichtlicher. AMD hat mit dem Start der Ryzen-Prozessoren die Tech-Welt ordentlich aufgewühlt und Intel dazu gezwungen, innerhalb kürzester Zeit neue Modelle auf den Markt zu werfen.

Die Ryzen-Prozessoren, die mit vielen Rechenkernen und bezahlbaren Preisen endlich wieder Wettbewerb zwischen Intel und AMD erzeugt haben, wurden von Intel mit den Coffee Lake-Prozessoren beantwortet, die sich durch ihre exzellente Gaming-Leistung profilieren. Doch welcher Prozessor ist der richtige für mich, und wo liegen eigentlich die Unterschiede zwischen AMD und Intel? Der große TECHBOOK-Ratgeber klärt auf.

AMD oder Intel?

Es gibt ein paar fundamentale Unterschiede zwischen den Prozessoren von AMD und Intel, die Sie beim Kauf beachten sollten:

  • AMDs Prozessoren haben im direkten Vergleich mehr Rechenkerne und damit auch eine höhere Leistung bei Aufgaben, die für mehr Kerne optimiert sind, etwa Videobearbeitung. Intels Prozessoren haben dafür höhere Taktfrequenzen, was sich positiv auf die Leistung in PC-Spielen auswirkt.
  • Intel-Prozessoren unterstützen einige Technologien wie Apples Schnittstelle Thunderbolt 3, für die AMD bislang keine Lizenzen hat.
  • Alle Ryzen-Prozessoren von AMD haben entsperrte Multiplikatoren und können somit einfach übertaktet werden. Übertakten heißt: Der Prozessor wird mit einer höheren Taktfrequenz betrieben, als vom Hersteller vorgegeben, um so eine höhere Leistung zu erzielen. Laien sollten hier allerdings vorsichtig sein: Der Prozessor kann schnell heiß werden! Wer keine entsprechende Kühlung am Rechner hat, sollte die Finger vom Übertakten lassen. Bei Intel-Prozessoren muss man beim Übertakten darauf achten, ein Modell mit dem Zusatz „K“ zu kaufen, da nur diese entsperrte Multiplikatoren haben.

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Welcher Prozessor ist für mich der richtige?

Zum Einstieg hier eine kurze Zusammenfassung, welche CPU von welchem Hersteller in welchem Preissegment die optimale Wahl ist:

CPU-Vergleich 2020Q1

Für die, die sich noch unsicher sind, welche CPU tatsächlich am besten ist, haben wir nach den drei besten Prozessoren in den Kategorien „Gaming“, „Preis-Leistung“ und „Budget“ gesucht. Dafür haben wir die Empfehlungen der Tech-Portale AnandTech, Tom’s Hardware und Techradar sowie der Tech-YouTuber Gamers Nexus und Hardware Unboxed verglichen und sind zu diesem Ergebnis gekommen:

Beste Hochleistungs-CPU: AMD Ryzen Threadripper 3960X

Beste All-Round-CPU: AMD Ryzen 9 3900X

Beste Gaming-CPU: Intel Core i7-9700K

CPU mit dem bestem Preis-Leistungs-Verhältnis: AMD Ryzen 5 3600X

Beste Einsteiger-CPU mit Grafik: AMD Ryzen 3 3200G

Beste Einsteiger-CPU ohne Grafik: Intel Core i3-9100F

Beste Budget-CPU: AMD Ryzen 3 1200

AMD Ryzen Threadripper 3960X

 Wer braucht sowas? Filmstudios, Spieleentwickler, YouTuber und Architekturbüros, die viel Leistung benötigen, um Videos zu bearbeiten und konvertieren sowie 3D-Grafiken zu schaffen, können mit solch starken Prozessoren ihre Arbeit viel schneller erledigen. Zwar hat AMD auch andere Threadripper-Prozessoren im Angebot, die bis zu 64 Kerne haben, allerdings auch erheblich teurer sind. Der 3960X ist seit Erscheinen Anfang Dezember 2019 bereits 120 Euro im Preis gefallen und bietet damit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis unter den Hochleistungsprozessoren. Wer die absolut höchste Leistung braucht, ist mit dem Threadripper 3990X bedient, der es mit seinen 64 Kernen jedoch auf stolze 4200 Euro bringt.

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Die Intel-Konkurrenz hinkt, was die Anzahl der Rechenkerne angeht, deutlich hinter AMD her. Stärkstes Modell ist der Core i9-10980XE mit 18 Kernen und 36 Threads, der mit 1130€ zwar günstiger als der 3960X ist, aber nicht annähernd an dessen Leistung herankommt. Immerhin bietet Intel seine High-End-Prozessoren mittlerweile für deutlich weniger Geld an. Der Vorgänger i9-9980XE ist noch mit einer UVP von knapp 2000€ auf den Markt gekommen.

AMD Ryzen 9 3900X

Der Ryzen 9 3900X ist ein perfektes Beispiel dafür, wie AMD Intel mittlerweile den Rang abgelaufen hat. Bei der Single-Core-Leistung hat der i9-9900K zwar immer noch ein paar wenige Prozentpunkte Vorsprung, was sich vor allem auf die Gaming-Leistung positiv auswirkt. Der Abstand ist jedoch so gering, dass der 3900X ihn mit seiner etwa 50 Prozent höheren Multi-Core-Leistung mehr als wett macht. Das ist kein Wunder schließlich hat der Intel-Prozessor „nur“ 8 Kerne, während es AMDs Aufgebot auf 12 Kerne bringt. Damit stellt er die ideale Schnittstelle zwischen Produktivität und Gaming-Leistung dar. Nicht nur für Streamer, sondern auch für professionelle Anwender, die in ihrer freien Zeit gerne zocken, ist er unserem Urteil nach die momentan beste All-Round-CPU. Nur wer wirklich die absolut höchstmögliche Gaming-Leistung haben will, sollte zum Intel-Modell greifen.

Intel Core i7-9700K

Die CPU ist unumgänglich für jeden, der Games absolut flüssig spielen will und mit Übertakten auch noch das letzte bisschen Leistung aus seinem PC kitzeln will.  Aber auch der i7-9700 (ohne „K“) ist keine schlechte Alternative. Er hat zwar nicht das Übertaktungspotenzial seines großen Bruders, ist aber dafür 50 Euro günstiger und bietet immer noch butterweiche Performance in allen erdenklichen PC-Games.

Was die Gaming-Leistung angeht, hat AMD mittlerweile ebenbürtige Hardware im Angebot, vor allem der Ryzen 7 3700X kommt Intel gefährlich nah. Nur wenige Prozentpunkte im einstelligen Bereich trennen die beiden Gaming-CPUs. Und während die Zahl der Threads beim Intel-Modell auf 8 beschränkt ist, kommt die AMD-CPU auf 16 Threads. Damit erreicht der Chip etwa 30 Prozent mehr Multi-Core-Leistung. Vor allem wenn es um sich schnell entwickelnde Technologien wie Virtual Reality (VR) geht, ist der Ryzen 7 3700X damit eine exzellente Zukunftsabsicherung.

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AMD Ryzen 5 3600X

Der Ryzen 5 3600X kann aber noch viel mehr: Mit 6 Kernen und 12 Threads stellt er eine solide Grundlage für den Einstieg in die Welt des professionellen Arbeitens dar. Wer etwas weniger ausgeben will, kann auch zum Ryzen 5 3600 oder zum weiterhin soliden Vorgänger Ryzen 5 2600X greifen, die ebenfalls ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben.

Mit dem i5-9600K hat Intel eine gute Alternative im Angebot, die jedoch etwas teurer ist. Mit seinen 6 Kernen liefert er in etwa gleichwertige Gaming-Leistung, kommt aber nicht an die Arbeitsleistung des Ryzen 5 3600X heran. Wer auf die integrierte Intel-UHD-Grafik verzichten kann, könnte an dem i5-9600KF Interesse finden, der komplett baugleich ist, aber keine eigene Prozessorgrafik hat. Mit knapp 200 Euro ist der i5-9600KF sogar etwas günstiger als der Ryzen 5 3600X.

Intel Core i3-9100F

Da aber jetzt selbst die Core i3-Reihe mit 4 Rechenkernen ausgestattet ist, profitieren auch Einsteiger von der höheren Leistung in Spielen und bei der Produktivität. Durch die Verbesserungen der 9. Generation Intel Core kann es der i3-9100F sogar mit dem älteren i5-8400 aufnehmen, der selbst heute noch für deutlich mehr Geld über die Ladentheke geht. Einzige Einschränkung beim i3-9100F: Die CPU hat keine integrierte Grafikeinheit.

Wer unbedingt einen Prozessor mit integrierter Grafik benötigt, wird bei AMD fündig. Auch Team Rot hat ansprechende Angebote in der Preisklammer unter 100 Euro. Am ehesten kommt der Ryzen 3 3200G in Frage, der den älteren Ryzen 3 1200 ablöst und durch höhere Taktfrequenzen erheblich mehr Leistung liefert. Der Prozessor verfügt ebenfalls über 4 Rechenkerne, kann es aber nicht ganz mit dem i3-9100F aufnehmen.

AMD Ryzen 3 1200

Zwar ist er nicht mehr der jüngste, dafür aber seit Einführung über 25 Prozent im Preis gesunken. Der Prozessor hat 4 Kerne, die Leistung reicht für einen Einsteiger-PC mit Gaming-Ambitionen. Selbst eine Nvidia Geforce GTX 1660 Ti oder sogar RTX 2060 werden nicht von dem Prozessor ausgebremst, obwohl angesichts des Budgets eine GTX 1650 die beste Wahl ist.

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Intel hat mittlerweile kein vergleichbares Produkt mehr im Portfolio. Einzig der Pentium Gold G5400 befindet sich im gleichen Preissegment und kommt bis auf ein paar Prozentpunkte an AMDs CPU heran. Die Tatsache, dass er nur 2 Kerne hat, wird zumindest davon überspielt, dass der Prozessor Hyper-Threading-Technologie unterstützt und damit genau so viele Threads wie der Ryzen 3 1200 hat.

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