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Videobeweis im Check

Wird unser Fußball dadurch fairer?

Die Bundesliga hat wieder angefangen!
Die Bundesliga hat wieder angefangen!
Foto: Telekom

Die einen sind dagegen, die anderen dafür. Manche sind mit dem Prinzip einverstanden, wünschen sich aber Änderungen im Detail: Der Videobeweis sorgte für viel Gesprächsstoff in der aktuellen Bundesliga-Saison. Zeit für einen Fakten-Check.

Früher war alles besser, weiß der Volksmund. Und das denken manche Fans auch über den Fußball, seit in der Bundesliga der Videobeweis eingeführt wurde. Da freut man sich über ein Tor seiner Lieblingsmannschaft, aber dann hat der Videoassistent Abseits erkannt oder, noch schlimmer, ein schon länger zurückliegendes Foul wird geahndet. Dass dabei gefühlt die Lieblingsmannschaft stets im Nachteil ist, versteht sich von selbst. Andererseits: Wird der Fußball nicht gerechter, wenn strittige Entscheidungen mit Hilfe von Fernsehbildern neu bewertet werden?

Wir überprüfen die verbreitetsten Vorurteile über den Videobeweis: Gibt es weniger Fehlentscheidungen? Gibt es Mannschaften, die besonders viel Glück oder besonders viel Pech mit dem Videobeweis hatten? Und raubt die Neuerung dem Fußball die Emotionen?

Vorurteil 1: Es gibt mit Videobeweis genauso viele Fehlentscheidungen wie vorher!
Falsch! Die „Sportschau“ hat nachgezählt und in der Hinrunde insgesamt 23 Fehlentscheidungen notiert. In den fünf Jahren zuvor waren es jeweils durchschnittlich 52 Fehlentscheidungen pro Hinrunde. Diese Zahl hat sich also mehr als halbiert.
In welchen Fällen die Videoassistenten eingegriffen haben, hat die „Sportschau“ ebenfalls ausgewertet: Der Videobeweis sorgte in der Hinrunde 2017/2018 für elf aberkannte Tore und neunzehn nachträglich gegebene Strafstöße. Elf Elfmeterpfiffe wurden hingegen zurückgenommen. Fünf Spieler wurden nach Einschreiten des Videoassistenten vom Platz gestellt, bei einem wurde der Platzverweis widerrufen.
Fazit: Der Videobeweis schafft weniger Ungerechtigkeit im Fußball – allerdings kann auch er nicht verhindern, dass weiter Fehlentscheidungen getroffen werden.

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Vorurteil 2: Der 1. FC Köln hatte nur Pech mit dem Videobeweis!
Ob im Spiel gegen den FSV Mainz 05, Hertha BSC oder den VfB Stuttgart: Der 1. FC Köln haderte gleich mehrfach mit den Entscheidungen der Videoassistenten. Und, ja: Der Club hatte Pech, zum Beispiel bei einem Elfmeter für Mainz 05, den die meisten Experten nicht gerechtfertigt fanden. Köln verlor mit 0:1. Es gab jedoch auch einige Pro-Köln-Entscheidungen, zum Beispiel einen ebenfalls umstrittenen Handelfmeter für die Kölner gegen Schalke 04 (Endstand 2:2). Und gegen Bayer Leverkusen kassierten die Kölner in der 86. Minute einen Treffer, der nach dem Eingreifen des Videoassistenten wieder aberkannt wurde. Köln verlor dennoch 1:2. Falls es mit dem Klassenerhalt für den 1. FC Köln also nicht klappen sollte, lag es nicht allein am Videobeweis…

Vorurteil 3: Die Bayern haben mal wieder am meisten Glück!
Hat der FC Bayern beim Videobeweis mehr Glück als andere? Könnte man denken, so weit wie der Rekordmeister der Konkurrenz schon wieder enteilt sind… Doch wenn man sich die Videobeweis-Entscheidungen, an denen die Bayern beteiligt waren, genau ansieht, wird klar: Nein, die Münchner werden nicht bevorteilt. In acht Bayern-Partien änderten die Schiedsrichter ihre Entscheidungen durch den Videobeweis. Viermal profitierte der Rekordmeister davon, viermal der Gegner. Zum Vergleich: In Spielen vom VfB Stuttgart wurde der Videobeweis ebenfalls acht Mal angewandt, und sechs Mal profitierte der VfB davon.

Die Bayern bejubeln ein Tor – 37 Mal hatten sie in der Hinrunde Grund dafür.

Die Bayern bejubeln ein Tor – 37 Mal hatten sie in der Hinrunde Grund dafür.
Foto: Telekom

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Vorurteil 4: Der Videobeweis nimmt dem Fußball die Emotionalität!
Es stimmt: Auf der Tribüne und vor dem Fernseher ist das Jubeln schwieriger geworden, weil es ein wenig „unter Vorbehalt“ steht. Es dauert manchmal länger als eine Minute bis klar ist, ob ein Tor zählt. Das stört manche. Andererseits sorgt der Videobeweis für mehr Gerechtigkeit (siehe Vorurteil 1), was für andere die Wartezeit rechtfertigt. Vielleicht müssen die Fußballfans sich nur noch etwas gewöhnen. In Sportarten wie Tennis, American Football oder Eishockey gehören technische Hilfsmittel schon länger dazu und stören die Fans kaum noch.

Hat die Einführung des Videobeweises sich also gelohnt? Immerhin hat die Deutsche Fußball-Liga 1,8 Millionen Euro für die Einführung investiert. Für ihn spricht, dass er für mehr Fairness und weniger Fehlentscheidungen gesorgt hat. Gegen den Videobeweis könnte man vorbringen, dass auch er nicht für hundertprozentige Gerechtigkeit sorgt und die Unterbrechungen und Wartezeiten manche Zuschauer und Spieler stören.
Eine einfache Antwort gibt es also nicht – die Fans dürfen weiter diskutieren. Und genau das macht den Fußball ja so schön, dass man so viel über ihn reden kann.


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