TECHBOOK deckt auf

Vorsicht vor diesen Fake-Nutzern auf Ebay Kleinanzeigen

MacBook Pro 15 Zoll
Dieses MacBook Pro haben wir auf Ebay Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten. Schon wenige Minuten später schrieben uns mehrere Interessenten – aus England. Dabei offenbarte sich uns eine Betrugsmasche.
Foto: TECHBOOK

Ebay Kleinanzeigen ist eine beliebte Plattform, um gebrauchte Gegenstände zu verkaufen. Leider treiben auch hier Betrüger ihr Unwesen. Und zwar nicht nur als Verkäufer, sondern auch als dubiose Kaufinteressenten. Wir bekamen auf eine Verkaufsanzeige hin viele Anschreiben mit ähnlichen Formulierungen von diversen Nutzern. Wir erklären die Masche und wie Sie sich davor schützen können.

Ebay Kleinanzeigen gehört zu den populärsten Zweite-Hand-Portalen Deutschlands. Nutzer können sich kostenlos anmelden und ihre gebrauchten Produkte gebührenfrei anbieten. Wer seine Verkaufschancen steigern möchte, der kann gegen diverse Gebühren die Anzeigen hervorheben oder bessere Platzierungen bekommen. So weit, so bekannt.

Bislang hatten wir in der TECHBOOK-Redaktion hauptsächlich positive Erfahrungen mit dem Verkaufsportal. Wie üblich bei Online-Portalen kann man sich das Profil von Verkäufern und Interessenten anschauen und damit feststellen, seit wann der Nutzer aktiv ist und ob er negative Bewertungen hat. So kann zumindest ein wenig die Glaubwürdigkeit überprüft werden. Doch nun sind wir bei einer selbst aufgegebenen Anzeige über dubiose Nutzer gestolpert.

So lief der Fall mit den Fake-Nutzern ab

Wir erstellten eine Anzeige mit einem Notebook zum Verkauf. Gewünschter Preis für das gebrauchte MacBook Pro: 950 Euro. Schon wenige Minuten später meldeten sich diverse Nutzer: Connor, Carl, James und ein Neil Martinez. Das Besondere: Allesamt waren englisch-sprachig und nutzten sehr ähnliche Anreden. „What is your final price for this article?”, „Am interested to buy what is your final price for the item“, „Your final price please“. Alle Nutzer fragten also zuerst nach dem niedrigsten Preis.

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In keinem der Gesprächsverläufe nennen sie das MacBook beim Namen, sondern sprechen immer von Artikel oder Gegenstand (engl. „item“). Und sie stellen auch keine Fragen zum Produkt selbst. Wir werden also schnell misstrauisch. Dann schauen wir uns die Nutzerprofile an und staunen nicht schlecht: Alle diese Nutzer haben sich an demselben Tag bei Ebay Kleinanzeigen angemeldet, an dem die Anzeige für das MacBook aufgegeben wurde. Ihre Antwortrate beträgt 100 Prozent und die Antwortzeit liegt bei zehn Minuten.

Für uns klingt das sehr nach Chatbots, die sich hier hinter Nutzerprofilen verstecken. Ein Chatbot (oder kurz Bot) ist ein automatisiertes Programm, das mit echten Nutzern chatten kann. Solche Software nutzen Firmen beispielsweise, um Kunden bei Problemen online oder am Telefon zu helfen – aber auch Sprachassistenten, um die Fragen und Befehle von Nutzern auszuführen und mit ihnen zu kommunizieren.

Chatverlauf Ebay Kleinanzeigen

Der Interessent möchte die Telefonnummer, um auf WhatsApp zu schreiben – wozu? Schließlich kann man doch auch wunderbar auf Ebay Kleinanzeigen kommunizieren.
Foto: TECHBOOK

Kriminelle nutzen Chatbots, um User-Daten zu erfragen

Allerdings werden die Bots auch von Kriminellen genutzt, um beispielsweise auf Dating- oder Chat-Portalen Nutzerdaten wie E-Mail-Adresse, Telefonnummer und andere private Informationen zu erfragen. Man gibt sie praktisch freiwillig den Betrügern preis.

Obwohl wir vermuten, dass es sich hier um Betrüger beziehungsweise Software hinter den Nutzerprofilen handelt, wollen wir schauen, wie weit sie gehen werden. Wir verhandeln also mit einem Neil Martinez aus der englischen Kleinstadt Bloxwich.

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Er fragt, wie hoch die Versandkosten nach England sind. Der versicherte Versand für das MacBook betrage 29,99 Euro, erklären wir. Er sagt okay und erkundigt sich nun nach dem Gesamtpreis – obwohl es eigentlich offensichtlich ist, sofern man rechnen kann. Also schreiben wir 980 Euro. Wir fragen zwischendurch, warum er sich heute erst bei Ebay Kleinanzeigen angemeldet hat. Seine Antwort (übersetzt aus dem Englischen): „Ich habe mein Ebay-Konto heute erstellt, weil Ebay mir von einem Freund empfohlen wurde aufgrund der hochwertigen Produkte – so hoffe ich“. Wir geben uns damit zufrieden.

So entlarven Sie Betrüger bei Ebay Kleinanzeigen

Nun fragen wir, wie er das Geld überweisen möchte? Per Paypal? Nein, er bevorzugt eine Banküberweisung, weil er so Geschäfte macht, lässt er uns wissen. Er bittet um die Kontodaten, um am nächsten Morgen das Geld überweisen zu können. Also schicken wir die Kontodaten, um zu sehen, ob er tatsächlich das Geld überweist. Dann möchte er die E-Mail-Adresse von uns für die Bank, damit wir eine Überweisungsbestätigung bekommen. Wir lassen uns darauf ein und geben ihm eine E-Mail-Adresse.

Die Versandadresse ist ein Autowaschplatz in England

Als der User jedoch nach unserer Telefonnummer fragt, um über WhatsApp zu schreiben, sagen wir Nein. Schließlich können wir doch weiterhin über die Nachrichten bei Ebay Kleinanzeigen kommunizieren. Der Interessent gibt klein bei und schreibt sinngemäß: „Wenn Sie darauf bestehen“.

Nun möchte er, dass wir „das Produkt“ aus dem Angebot rausnehmen, damit kein anderer Ebay-Interessent es kauft. Wir antworten, dass wir das erst dann machen, wenn das Geld überwiesen wurde. Am nächsten Tag schickt er uns die Adresse für den Versand und sagt, er sei auf dem Weg zur Bank, um die Überweisung zu tätigen. Als wir die Adresse bei Google-Maps eingeben und uns die Straßenansicht anschauen, finden wir einen heruntergekommenen Autowaschplatz.

Einige Stunden später bekommen wir dann die Nachricht, dass er uns das Geld nicht überweisen konnte, weil er kurzfristig ins Büro musste. Aber am nächsten Tag würde er es ganz sicher machen. Wir lassen uns drauf ein und schreiben, dass wir noch einen Tag das MacBook für ihn reservieren, bitten aber um einen Beleg der Banküberweisung. Dann bricht der Kontakt plötzlich ab.

Warnung von Ebay Kleinanzeigen

Bemerkt Ebay Kleinanzeigen einen dubiosen Nutzer, so werden seine Kommunikationspartner vor ihm gewarnt
Foto: TECHBOOK

Schließlich blockiert Ebay Kleinanzeigen den dubiosen User

Einige Stunden später bekommen wir von Ebay eine E-Mail direkt an die private E-Mail-Adresse, dass dieser User vorübergehend gesperrt wurde. Auch zu den anderen Nutzern bekommen wir solche E-Mails: „Der Zugang des Interessenten wurde vorübergehend durch uns eingeschränkt.“ Ebay nennt in der E-Mail folgende Gründe für das Vorgehen:

– Verstoß gegen die Ebay–Nutzungsbedingungen, Ebay-Grundsätze oder geltendes Recht

– Nichtlieferung der Ware

– Nichtbezahlung der Ware

– unberechtigte Übernahme des Nutzerkontos

E-Mail von Ebay-Nutzer

Obwohl der Nutzer auf Ebay Kleinanzeigen blockiert wurde und uns nicht mehr anschreiben konnte, schickte er uns weiter Nachrichten per E-Mail
Foto: TECHBOOK

Interessent schreibt uns weiter per E-Mail an

Obwohl der Nutzer uns auf Ebay nicht mehr anschreiben kann, schickt er uns per E-Mail am folgenden Tag noch mal eine Zusage, dass er das Geld überweisen wird. Einige Stunden später dann noch eine E-Mail, dass er jetzt das Geld überwiesen hat und wir bitte unsere E-Mails nach der Bestätigung von der Bank durchsuchen sollen.

Tatsächlich finden wir eine E-Mail, angeblich von der „Lloyds Bank Of London“. Darin wird uns bestätigt, dass der Interessent die Überweisung in Auftrag gegeben hat.

Laut der E-Mail werde die Bank das Geld sofort freigeben, wenn wir ihr die Sendungsverfolgungsnummer für unser Paket zuschicken. Letztendlich heißt es also, dass wir erst das MacBook im Wert von 950 Euro losschicken sollen und dann das Geld erhalten.

Natürlich nehmen wir das dem Absender nicht ab und beenden die Kommunikation an dieser Stelle. Stattdessen bitten wir Ebay Kleinanzeigen um eine Stellungnahme zu unserem Fall.

Überweisungsbestätigung Ebay

Per E-Mail bekamen wir eine angebliche Überweisungsbestätigung. Allerdings steht dort der Hinweis: Erst wenn wir das Paket verschicken und die Sendungsnummer nennen, werde uns das Geld gutgeschrieben.
Foto: Getty Images

„Es handelt sich um eine klassische Betrugsmasche“

„Ja, die Masche ist uns leider bekannt. Und es ist keine aktuelle Welle, sondern findet schon länger so oder so ähnlich statt“, sagt Pierre Du Bois, Pressesprecher Ebay Kleinanzeigen. Zudem sei sie auch nicht nur auf hochpreisige und populäre Produkte beschränkt, sondern trifft ebenso günstige und ungewöhnliche Angebote.

Laut Pierre Du Bois handelt es sich hierbei um echte Menschen hinter den Nutzer-Konten. „Wären es Chatbots, so könnten wir sie vermutlich einfacher identifizieren, da die Kommunikations-Muster noch eindeutiger wären“, erklärt uns der Pressesprecher.

In den meisten fällen gehe es nicht um die Nutzerdaten, sondern tatsächlich um die Produkte. Man sollte sich fragen: „Warum will jemand im Ausland ausgerechnet dieses Produkt kaufen und dafür die hohen Transportkosten in Kauf nehmen?“, erklärt uns Pierre Du Bois. Generell gilt: Ebay Kleinanzeigen ist für den deutschen Markt vorgesehen. Rechtlich dürfen aber andere EU-Nutzer von der Teilnahme nicht ausgeschlossen werden.

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So erkennen Sie eine gefälschte Banküberweisung

Allein der Fakt, dass wir ein Paket losschicken sollten, bevor wir das Geld dafür erhalten haben, sollte stutzig machen. Nach ein genaueren Blick auf die Überweisungsbestätigung steht fest: Es handelt sich um einen Betrugsversuch. Die Anzeichen dafür sind relativ schnell gefunden:

– wenn Sie schon ein ungutes Gefühl haben – so wie wir – suchen Sie erstmal im Internet nach der Bank und dem Zusatz „Scam“. In unserem Fall war die erste Seite schon voll mit Suchergebnissen, die das gleiche Problem wie das unsere beschreiben.

– die Absenderadresse endet auf „post.com“, es handelt sich also um eine generierte E-Mail-Adresse. Solche Adressen können schnell und einfach online erstellt werden. Phrasen wie „paymentsafernotifier“ werden oft benutzt, um dem ungeschulten Auge einen sicheren Absender vorzugaukeln. Achten Sie daher immer genau darauf, dass die Mail von einem seriösen Absender stammt.

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– in dem kurzen E-Mail-Text werden in einem Satz zwei unterschiedliche Schriftarten verwendet. Außerdem lässt die Satzformulierung zu wünschen übrig. Weiter unten finden sich zudem Rechtschreibfehler wie „verification proposes“ statt „purposes“. Derartige Fehler kommen in einer seriösen Mail nicht vor.

– die Adresse der tatsächlich existierenden Lloyds Bank plc stimmt nicht. Am Churchill Place in London ist nur eine Barclays-Bank zu finden. Die Lloyds-Bank-Filiale ist in einer anderen Straße ein paar hundert Meter weiter.

– widersprüchliche Angaben wie „100% Transfer Done“ (Transfer zu 100 Prozent abgeschlossen) und dann „Transfer Pending“ (Transfer steht aus) sind ebenfalls Anzeichen für eine gefälschte Mail.

Auch interessant: Wie gut unterscheiden Sie gefährliche von seriösen E-Mails?

Darauf sollten Sie beim Verkauf auf Kleinanzeigen achten

– keinen Handel mit ausländischen Nutzern betreiben

– keine Ware ins Ausland verschicken

– auf gar keinen Fall eine Ausweiskopie verschicken

– wenn möglich, weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse preisgeben

– am sichersten ist eine Barzahlung bei Abholung vor Ort