Der goldene Schnitt

Mit diesen 9 Tipps gelingt das perfekte Foto

Sieht ganz einfach aus, aber hinter so einem Bild steckt Gehirnschmalz: Der junge Quad-Fahrer sitzt nicht mittig, sondern etwa im rechten Drittel des Bildes, der Quad als Fundament im unteren Drittel. Der Hügel bildet mit seiner horizontalen Linie eine Abgrenzung zwischen Vorder- und Hintergrund und erzeugt so eine Tiefenstaffelung. Das Auge erfasst zunächst den Buggyfahrer und wandert dann automatisch nach links in die Ferne. Auch farblich wurde hier eine besonders matschig-erdige Stimmung geschaffen durch das Anheben der Gelbtöne.
Foto: Getty

Smartphones haben das Fotografieren auf einen einzigen Klick reduziert. Und genau so wirken sie oft: völlig lieblos aufgenommen, nur um einen Moment schnell festzuhalten. Dabei kann man mit ein paar Tipps wirklich tolle Ergebnisse erzielen. Wir erklären, wie das geht.

Wir reisen um die Welt, haben immer unser Smartphone als schnelle Knipse dabei und viele sogar eine hochwertige Digitalkamera. Wir erleben einzigartige Momente, sehen faszinierende Landschaften, aufregende Städte und besondere Menschen. Das alles wollen wir am liebsten für immer auf einem Foto festhalten. Doch warum sehen einige Fotos eindrucksvoll und spannend aus, während die anderen es nicht schaffen, den Betrachter zu begeistern.

Das Geheimnis liegt in der richtigen Bildkomposition, also der Zusammensetzung des Fotos aus den einzelnen Elementen. Es gibt ein paar elementare Regeln, die helfen, das Bild richtig zu komponieren und das Besondere hervorzuheben.

1) Den Goldenen Schnitt anwenden

Bei Kameras und einigen Smartphones lässt sich ein Raster auf dem Display einblenden. Das ist besonders wichtig, um sein Hauptmotiv richtig zu positionieren. Anstatt in der Mitte, sollte es sich an den äußeren Linien befinden, also jeweils in einem Drittel des Bildes.
Foto: Getty Images

Die Meisten von uns versuchen immer, das Wichtigste in die Mitte des Bildes zu rücken. Doch das Ergebnis wirkt meistens langweilig. Deswegen sollte man das gewünschte Objekt lieber ein wenig seitlich auf dem Bild positionieren. Hierfür gibt es sogar eine Regel, die sich nach dem berühmten Goldenen Schnitt richtet. Man muss sich das Bild dreigeteilt vorstellen sowohl vertikal als auch horizontal. Das Motiv sollte man dann in einem der äußeren Drittel des Bildes positionieren.

Zum einen wirkt das spannender, zum anderen bekommt der Betrachter einen Orientierungspunkt und kann so von dort aus den Blick nach innen wandern lassen. Sitzt das Motiv genau in der Mitte, sind die Informationen über das ganze Bild verstreut.

Wer kann, der sollte sich das Raster mit 9 Feldern (manchmal stehen noch mehr zur Verfügung) auf dem Display seiner Kamera oder des Smartphones einblenden lassen. Dann kann man das Hauptobjekt immer an den Linien ausrichten.

2) Das Bild nach Linien ausrichten

Linien gibt es überall, man muss sie nur erkennen und in sein Bild harmonisch einbauen. Schon hat man ein spannendes Motiv.
Foto: Getty Images

Man sollte versuchen, gegebene Linien bewusst ins Motiv einzubeziehen. Das kann der Horizont hinter dem Meer sein, oder ein Berghügel in der Landschaft, ein Fensterrahmen, Laternen in einer langen Reihe oder ein Pfad in der Landschaft. So kann der Fotograf schöne Fluchtpunktperspektiven erzeugen und damit den Betrachter ins Bild hineinziehen oder aber das Bild harmonisch unterteilen (den Goldenen Schnitt befolgend) und dadurch Ordnung und Harmonie erzeugen.

3) Muster und Symmetrien entdecken

Auch Muster gibt es überall. Hier wird die leere gepflasterte Straße zum Hauptmotiv. Die Mauer bildet als Diagonale eine schöne Fluchtpunktperspektive und gibt die Blickrichtung für den Betrachter vor.
Foto: Getty Images

Ein Bild bekommt Charakter, wenn wir es schaffen, Muster und Symmetrien zu integrieren. Das können Kopfsteinpflaster einer Altstadt sein, ein außergewöhnlicher Zaun, Backsteinhäuser oder Spiegelungen im Wasser.

4) Die Perspektive wechseln

Von unten aufgenommen erzeugt man eine dramatische Perspektive, indem die Steine größer wirken und den Blick in Richtung des Bauwerkes im Hintergrund lenken.
Foto: Getty Images

Das Bild verändert sich, je nachdem wie wir die Kamera halten. Von oben wirken Objekte meist etwas kleiner. So lassen sich aber große Plätze und Menschenmengen gut darstellen. Optisch kann man alles vergrößern, indem man von unten fotografiert. Eine schöne neutrale Perspektive ergibt sich auch, wenn man auf Bauchhöhe fotografiert. Durch den Wechsel der Kameraposition sehen Bilder nicht mehr immer gleich und eintönig aus.

5) Ungewohnten Blickwinkel wählen

Nicht einfach nur den Strand fotografieren, sondern einen ungewohnten Standpunkt wählen, wie hier direkt hinter den Pflanzen. Das Bild wird spannender und geheimnisvoller, indem der Strand nicht offensichtlich im Vordergrund gezeigt wird.
Foto: Getty Images

Man sollte aber nicht nur die Kamera unterschiedlich halten, sondern auch den eigenen Körper mehr bewegen – und sich eher einen ungewöhnlichen Blickwinkel suchen, nicht gleich den offensichtlichen, aus dem die meisten Touristen immer fotografieren. Dadurch macht man Fotos, die sich von anderen unterscheiden. Vielleicht mal hinter den Busch gehen und durch das Grün heraus fotografieren, die Blätter als einen dezenten Rahmen nutzen.

7) Das Bild nicht überfrachten, bewusst komponieren

Stellen Sie sich beim Fotografieren vor, Sie seien ein Maler. Sie entscheiden, was und wie es auf Ihr Bild kommt. Treffen Sie bewusst eine Entscheidung, was Ihnen wichtig ist und was nicht. Denn ist das Bild überfrachtet, wirkt es beliebig.
Foto: Getty Images

Jetzt wird es etwas schwierig, denn meistens wollen wir immer so viel wie möglich auf ein Bild bekommen. Deswegen fotografieren auch viele sehr gerne mit Weitwinkelobjektiven. Doch die Kunst besteht auch hier beim Weglassen. Am besten suchen Sie zwei, drei Elemente aus, die das Bild bestimmen sollen. Man muss es sich wie beim Malen vorstellen: möglichst alles, was auf dem Bild ist, sollte bewusst gewählt werden. In Alltagssituationen, wie pulsierenden Städten, ist das ein Kunststück.

Auch bewusst für Sie komponiert: Der TECHBOOK-Newsletter. Jetzt anmelden!

8) Mit Farbfiltern arbeiten oder Farben selbst justieren

Es müssen nicht immer knackige Farben und starke Kontraste sein. Spielen Sie ein wenig mit Farben und Farbfiltern sowie der Belichtung bei der Bildnachbearbeitung. Momentan sind kontrastarme und entsättigte Aufnahmen beliebt.
Foto: Getty Images

Viele Hobbyfotografen wünschen sich knackige Farben und starke Kontraste auf ihren Bildern. Doch das kann auch schnell monoton wirken. Und statt besonders, sieht es dann am Ende eher nach Werbefotografie aus. Deswegen können Farbfilter für das gewisse Etwas sorgen. Viele, die hauptsächlich mit Smartphones knipsen, kennen die verschiedenen Farbfilter. Aber auch digitale Kameras haben zunehmend solche Effekte. Hier muss man aber auch ein wenig Gespür für guten Geschmack beweisen, denn nicht jeder Filter wirkt toll, sondern oft auch übertrieben. Momentan sind eher ausgewaschene und entsättigte Farben sowie weiche Kontraste unter Fotografen beliebt.

9) Übung macht den Meister

All die Regeln bringen in der Theorie nichts, denn man braucht viel Übung, um sie auch gezielt im richtigen Moment anwenden zu können. Jedes Mal, wenn man auf sein Kamera- oder Smartphone-Display schaut, sollten diese Regeln im Hinterkopf verinnerlicht sein: Das Hauptmotiv leicht seitlich versetzen, Linien und Muster finden und sie interessant ins Bild einbinden, vielleicht mit einer Spiegelung arbeiten, auch mal von unten oder oben fotografieren, sich einen besonderen Standpunkt aussuchen und nur das Wesentliche aufs Bild holen. Später ein wenig mit den Farben spielen oder sogar in Schwarz-Weiß umwandeln, schon hat man garantiert einzigartige Urlaubsfotos.

Themen