Der große 5-Wochen-Selbstversuch

Bügelt dieses Anti-Aging-Gerät tatsächlich Falten aus der Haut?

TECHBOOK-Redakteurin Madlen Schäfer hat mehrere Wochen ein Gerät gegen Falten getestet
TECHBOOK-Redakteurin Madlen Schäfer hat mehrere Wochen ein Gerät gegen Falten getestet
Foto: TECHBOOK

Hersteller von sogenannten Anti-Aging-Geräten versprechen, die Haut zu straffen und Falten zu beseitigen. Aber kann das Gesicht wirklich so einfach glatt werden? TECHBOOK hat den FaceTite fünf Wochen lang getestet.

Ich, die TECHBOOK-Redakteurin, wollte herausfinden, was solche Geräte wirklich können und habe eines davon fünf Wochen lang getestet. Zugegeben: Mit 28 Jahren habe ich keine tiefen Falten im Gesicht, aber ein paar Linien sind bereits sichtbar – zumindest wurde ich beim Kauf von alkoholischen Getränken schon lange nicht mehr nach meinem Ausweis gefragt. Außerdem heißt es doch immer: Vorbeugen ist besser als heilen. Vielleicht kann das Gerät ja sogar verhindern, dass ich überhaupt Falten bekomme.

Das Gerät

Im Internet finde ich eine Vielzahl an Anti-Aging-Geräten. Ich entscheide mich für FaceTite von Silk’n. „Straffere Haut ohne chirurgischen Eingriff“ verspricht das Produkt. Dafür sollen drei verschiedene Energiequellen sorgen: bipolare Radiofrequenz, LED-Lichtenergie und Infrarotlicht. Zweimal pro Woche 15 Minuten sollen ausreichen, um bereits nach fünf Wochen erste Ergebnisse zu sehen. „Dieser Prozess verbessert die Hautspannung, macht die Haut straffer und elastischer. Falten und feine Linien gehen zurück und die Gesichtskonturen werden sichtbar angehoben. Sonnen- und Altersflecken auf der Hautoberfläche gehen zurück und die Struktur und Elastizität der Haut werden verbessert“, schreibt der Hersteller.

All das gibt es für 199 Euro, womit sich das Gerät im mittleren Preissegment bewegt. Das ist nicht wirklich günstig, aber wenn es wirken sollte, erspare ich mir womöglich mehrere Besuche bei einer Kosmetikerin oder gar einen chirurgischen Eingriff. Geliefert wird das FaceTite mit einem Slider Gel und einem Hyaluron-Serum.

Der Test

Bevor ich das Gerät teste, wird mein Gesicht von der Hautärztin Dr. Yael Adler untersucht. Die Dermatologin hat mehrere Bücher geschrieben, unter anderem den Bestseller „Haut nah: Alles über unser größtes Organ“. „Sie haben ja noch gar keine Falten“, sagt die Ärztin, als sie mein Gesicht begutachtet. Ich fühle mich geschmeichelt, weiß aber dennoch von meinen zarten Fältchen. Die Dermatologin erklärt mir den Aufbau der Haut und die Tatsache, dass Falten erst bekämpft werden können, wenn es ein Gerät in die unterste Hautschicht, die Lederhaut, schafft. Dr. Adler empfiehlt mir, dass Anti-Aging-Gerät nur auf einer Gesichtshälfte zu nutzen, um einen besseren Effekt zu erzielen. Ich entscheide mich für die rechte.

Mit einem Messgerät der Firma Courage + Khazaka electronic GmbH, dem einzigen Hersteller eines solchen Gerätes, habe ich die Veränderung meiner Haut vor, während und nach der Behandlung mit dem FaceTite gemessen. Das Gerät kann die Werte Feuchtigkeit und Elastizität messen. Diese sind entscheidend für die Entstehung von Falten. Ich messe die Stellen Stirn, Augen und Wangen, diese jeweils dreimal und errechne daraus einen Mittelwert, um ein möglichst exaktes Ergebnis zu erzielen.

Dr. Yael Adler ist Hautärztin in Berlin und hat zahlreiche Bücher über unser größtes Organ geschrieben, unter anderem den Bestseller „Haut nah: Alles über unser größtes Organ“.

Dr. Yael Adler ist Hautärztin in Berlin und hat zahlreiche Bücher über unser größtes Organ geschrieben, unter anderem den Bestseller „Haut nah: Alles über unser größtes Organ“. Foto: Thomas Duffé 

Die Anwendung

Vor meiner ersten Anwendung messe ich die Werte für Elastizität und Feuchtigkeit. Dann geht es los. Zunächst nutze ich das sehr flüssige Hyaluron-Serum und trage es auf der rechten Gesichtshälfte auf. Anschließend trage ich das beigefügte Slider Gel auf, das sich sehr glibberig anfühlt und mich an Ultraschall-Gel erinnert. Nun bewege ich das FaceTite auf der ersten Hitzestufe über mein Gesicht und erhöhe diese alle drei Minuten, bis ich auf der höchsten (fünf) ankomme. Insgesamt fühlt es sich aufgrund der Hitze ein wenig so an, als würde ich mein Gesicht bügeln.

Das Gerät wärmt die Haut angenehm, auf Stufe fünf wird es mir allerdings zu heiß, deshalb bleibt die höchste Anwendungsstufe für mich nun tabu. Nach 15 Minuten ist die Prozedur beendet. Der Blick in den Spiegel überrascht mich: Mein rechtes Gesicht sieht tatsächlich aufgepolstert und besser durchblutet aus, kleine Fältchen scheinen glatt gebügelt. Etwas anderes fällt mir im Spiegel aber auch auf: Das Gel blieb nicht auf meiner Haut und landete auch im Haar – eine ziemlich schleimige Angelegenheit! Haare waschen ist hinterher Pflicht.

So eindrucksvoll der erste Gebrauch des FaceTites, so ernüchternd ist das Resultat am nächsten Morgen. Mein Gesicht sieht wieder ganz normal aus. Hersteller Silk’n verspricht sichtbare Ergebnisse aber auch erst nach fünf Wochen, ich darf also nicht ungeduldig sein. Fortan nutze ich das Gerät mindestens zweimal pro Woche für jeweils 15 Minuten. Jedes Mal habe ich das Gefühl, direkt eine Verbesserung zu sehen, diese scheint aber schon am nächsten Tag verflogen. Auch in den Messwerten der Feuchtigkeit und Elastizität lassen sich auf den ersten Blick keine bewegenden Veränderungen feststellen. Daher messe ich nun auch direkt nach der Anwendung – und tatsächlich ist es nicht nur ein Gefühl, sondern auch nachweisbar: Die Werte bei Elastizität und Feuchtigkeit sind um bis zu 20 Punkte besser als vor der Anwendung.

Um vielleicht einen größeren sichtbaren Erfolg zu sehen, gebe ich das Testgerät meiner 51-jährigen Mama. Für sie fühlt sich das Anti-Aging-Gerät wie eine Spa-Behandlung an, aber auch ihr ist Stufe fünf zu hoch. Auch bei ihr sieht die Haut deutlich aufgepolsterter aus, das Gesicht ist angenehm gerötet. Am nächsten Tag ist dieser Effekt aber auch bei ihr verschwunden.

In meiner letzten Testwoche intensiviere ich die Nutzung noch einmal, verwende das Gerät täglich. Vielleicht ergibt sich dadurch ja ein Unterschied.

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Das Ergebnis

Nach fünf Wochen ergaben sich folgende Werte:

Der erste Wert ist vor der ersten Anwendung gemessen worden, der zweite Wert nach der letzten Anwendung des Gerätes. Auf der linken Gesichtshälfte habe ich das Gerät nicht verwendet.

Der erste Wert ist vor der ersten Anwendung gemessen worden, der zweite Wert nach der letzten Anwendung des Gerätes. Auf der linken Gesichtshälfte habe ich das Gerät nicht verwendet.
Foto: TECHBOOK

Auf der linken Seite meines Gesichts habe ich das Gerät nicht benutzt, dennoch haben sich dort die Werte verändert.

Der erste Wert ist vor der ersten Anwendung gemessen worden, der zweite Wert nach der letzten Anwendung des Gerätes. Nur auf der rechten Gesichtshälfte wurde das Gerät angewendet.

Der erste Wert ist vor der ersten Anwendung gemessen worden, der zweite Wert nach der letzten Anwendung des Gerätes. Nur auf der rechten Gesichtshälfte wurde das Gerät angewendet.
Foto: TECHBOOK

Ich schicke Hautärztin Dr. Yael Adler die Messergebnisse. „Im Mittel hat sich in Ihrem Gesicht auf der rechten Seite kein signifikanter Wert eingestellt“, sagt Dr. Adler. Zwar hätten sich meine Feuchtigkeitswerte verbessert, allerdings gäbe es auch auf der linken Vergleichsseite enorme Schwankungen. Bei den Elastizitäts-Werten verhalte es sich ähnlich. „Diese Schwankungen können durch Schlafseite, Klima, Schwitzen, Hautpflege und Hormonzyklus variieren. Am Auge ist sie sogar schlechter geworden. Für mich kein Wow-Ergebnis“, erklärt Dr. Adler. 

Doch wie kommt es, dass mein Gesicht direkt im Anschluss an die Anwendung nicht nur faltenfreier aussieht, sondern es auch messbar ist? „Dass Sie es subjektiv besser fanden, kann an den Aufplusterungseffekten durch die Creme kommen, die aber nur ein paar Stunden maximal anhalten“, sagt Dr. Adler. Über die angewendete Wärme könnten Wirkstoffe des Hyaluron-Serums besser in die Haut eingearbeitet werden. 

Fazit: Können Anti-Aging-Geräte Falten reduzieren?

„Jedes Gerät muss in der Lage sein, die oberste Hautschicht, die Epidermis, zu überwinden, und in der Lederhaut Wirkung zu entfalten“, sagt Dr. Adler. Entscheidend sei dabei, dass die Epidermis (die oberste Hautschicht) und die Dermis (die unterste Hautschicht) keinen Hitzeschaden nehmen. Daher hätten Geräte für Zuhause immer natürliche Grenzen, weil sie keine Nebenwirkungen haben dürfen. Aber was keine Nebenwirkungen habe, könne oft auch keine Wirkung entfalten: „Die Hitze muss in die Tiefe vordringen und das geht, so meine Erfahrung, nur mit starken Geräten wie großen Lasern mit hoher Energie bei gleichzeitig effektiver Kühlung. Oder einen so kurzen Impuls, dass er nicht in der Lage ist, eine Narbe oder eine schreckliche Verkohlung zu setzen“, berichtet die Dermatologin. „Ich glaube, kein Hausgerät wird in der Lage sein, eine nachhaltige Faltenreduktion zu erzielen.“

Wem es aber ausreicht, für zumindest einige Stunden ein paar weniger Falten zu haben, für den können solche wärmebasierten Geräte in Kombination mit Hyaluron hilfreich sein. Das Hyaluron kann durch die Wärme in die Oberhaut eingearbeitet werden, wodurch das Gesicht für einige Stunden aufgepolsterter und saftiger aussieht. 

Ob das Gerät aber tatsächlich einen langfristigen Effekt auf meine Haut hat, werde ich erst in vier bis sechs Monaten sehen. So lange dauert es nämlich, bis sich die Haut erneuert hat und Veränderungen sichtbar werden.

Was hilft wirklich gegen Falten?

Falten entstehen in den unteren Hautschichten. Deswegen ist es so schwierig, gegen sie vorzugehen. „Falten, die bereits vorhanden sind, können nicht einfach weggecremt werden“, erklärt Dr. Yael Adler. Denn Cremes dringen bloß bis auf die erste Hautschicht vor, bleiben auf dieser haften. Die Inhaltsstoffe schaffen es nicht, in die tieferen Hautschichten einzudringen. Der beste Schutz gegen Falten ist aber dennoch eine Creme: Sonnencreme. „Die Schädigung durch die Sonne ist die Hauptursache für Falten“, erklärt Dr. Adler. Daneben sei auch eine gesunde Lebensweise mit der richtigen Ernährung, wenig Alkohol, wenig Stress, kein Zigaretten-Konsum und Sport wichtig für eine jungaussehende und schöne Haut.