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Microsoft plant das kostenpflichtige Monatsabo für Windows

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Microsoft ist immer auf der Suche nach neuen Einnahmequellen – ein Abo-Modell für Windows könnte eines sein
Foto: Getty Images

Microsoft führt ein Windows-Abonnement ein, für das Nutzer monatlich zahlen müssen. Damit will sich das Unternehmen Zugriff in die Verwaltung des Betriebssystems auf dem eigenen PC verschaffen.

Microsoft arbeitet an einem neuen Programm namens „Microsoft Managed Desktop“ (MMD), bei dem es sich um ein Windows-Abo mit monatlichen Gebühren handelt. TECHBOOK erklärt, was hinter den Plänen von Microsoft steckt.

Wann kommt das Abo-Modell für Windows?

Bislang gibt es keine Ankündigung für das neue Abo-Modell. Das Programm wurde laut Brad Sams von Petri erst durch das Posten mehrerer Job-Angebote bekannt, die aber ganz klar die Einführung des „Microsoft 365 Managed Desktops“ vorsehen. Unklar ist, ob der Dienst jemals den Consumer-Markt erreicht, da das Abo-Modell lediglich für Unternehmen Vorteile bietet, die mit der jetzigen Strategie mit zwei jährlichen Funktions-Updates Probleme haben. Momentan können Windows-Updates häufig Kompatibilitätsprobleme und Fehler verursachen, die für Unternehmen, die zu jedem Zeitpunkt auf eine einwandfrei funktionierende Maschine angewiesen sind, häufig zu Verzögerungen führen. Zu oft wurden fehlerhafte Updates ausgeliefert, welche durch Patches gefixt werden sollten, die aber auch wieder Fehler enthielten. Dieses Veröffentlichen und Zurückziehen von Patches ist für Unternehmen ein Albtraum, da sie nicht wissen können, wann ein Update das System aus der Bahn wirft. Vermutlich wird MMD zunächst für die hauseigenen Surface-Geräte gestartet, nach der Testphase aber auch für andere Unternehmen verfügbar sein. Die Testphase ist momentan lediglich auf die USA und Großbritannien beschränkt und wird erst nach erfolgreichem Start in anderen Regionen eingeführt.

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Warum will Microsoft ein Windows-Abo einführen?

An sich handelt es sich bei dem MMD nicht nur um eine neue Idee. Microsoft hat bereits eine Menge Werkzeuge im Programm, um eine Durchsetzung des Dienstes zu ermöglichen. Surface-Geräte des Herstellers können bereits gemietet werden, und das AutoPilot-Programm erlaubt es Computerherstellern, automatisch Software für Windows-Geräte bereitzustellen. Außerdem gibt es von Microsoft schon das Abo-Modell „365“, das u. a. Windows 10 für Unternehmen, Office 365 und Intune enthält. Microsoft Managed Desktop ist nur der logische nächste Schritt zur Vereinheitlichung der jetzigen Programme in einem Paket und wird von dem Unternehmen selbst nur als Erweiterung des 365-Programms angesehen.

Bei Microsoft zeichnet sich schon seit Längerem ein Schwenk auf die Strategie des Device as a Service (DaaS) ab, also dem Vermieten von Hard- und Software in einem Paket. Dabei werden die PCs und das Betriebssystem inklusive der darauf installierten Programme von Microsoft und Partnern verwaltet und instand gehalten. Das ist praktisch für Unternehmen, da diese die PCs nur noch mieten und kein Personal mehr für deren Wartung aufbringen müssen. Außerdem können so häufiger neue Geräte angeschafft werden und der Virenschutz ist immer auf dem neuesten Stand. Es gibt schon jetzt Unternehmen wie das australische CompNow, das ähnliche Dienste anbietet. Das Paket Modern Workplace as a Service (MWaaS) enthält ein Windows-Gerät nach Wahl, Windows 10, Office 365 und IT-Unterstützung.

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Microsoft Managed Desktop unterscheidet sich von bisherigen DaaS-Angeboten darin, dass eben das Betriebssystem selbst von Microsoft unterhalten wird. Was das praktisch bedeutet, ist der Austausch der eigenen Verantwortung für das Funktionieren des Betriebssystems gegen mehr Berechenbarkeit und Haftung seitens Microsofts. Während Microsoft bislang IT-Unterstützung an Drittunternehmen ausgelagert hat, übernimmt es bei MMD selbst die Rolle des Helpdesk. Es macht sich dadurch verantwortlich für ein funktionierendes System und etwaige technische Unterstützung, sollte etwas mal nicht laufen.

MMD soll die Lücke zwischen den traditionellen „Thin-Clients“ wie etwa Citrix und herkömmlichen Betriebssystem überbrücken. Während Thin-Clients komplett in die Cloud ausgelagert sind und traditionelle Betriebssysteme zum größten Teil auf dem Rechner installiert sind, soll MMD einen Mittelweg gehen. Um die Verzögerung von Thin-Clients zu verhindern, werden Kernbestandteile des Betriebssystems weiterhin auf dem Rechner sein.

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Wird es noch anderen Windows-Optionen geben?

Wenn Windows als Abo tatsächlich kommen sollte, könnte es sich an dem Office-Verkaufsmodell orientieren. Käufer haben die Wahl zwischen Office 365, das ein monatliches Abonnement des Dienstes ist und regelmäßig verbessert wird, oder der Standard-Lizenz, mit der eine Office-Version erstanden wird, die nur drei Jahre lang aktuell ist, bis die nächste Version eingeführt wird.

Dadurch müssten keine neuen Geräte gekauft werden und ein Upgrade auf ein besseres Gerät wäre monatlich möglich.

Das meint TECHBOOK

Microsofts Pläne für Windows klingeln so, als würden sie direkt aus einem Science-Fiction-Film kommen. Wenn der Benutzer ein Problem mit seinem Computer hat, muss er nur kurz eine Nachricht an das Unternehmen schicken und am nächsten Tag ist das Problem aus der Ferne über Nacht behoben worden, oder ein neues Gerät steht vor der Haustür. Klingt erstmal utopisch, und das ist es vorläufig auch. Wir werden sehen, wie sich Microsofts MMD-Programm entwickelt und ob Unternehmen damit zurecht kommen, die Verantwortung für die Computer und Server, auf welchen kritische Daten gespeichert werden, in die Hand eines Außenstehenden zu geben. Über kurz oder lang wird das Auslagern in die Cloud wohl eher zum Standard avancieren, ob wir es wollen oder nicht. Die Frage ist nur, ob wir dann wirklich monatlich für den Service bezahlen müssen.