Kommentar

Warum die Welt kein faltbares Smartphone braucht!

Faltbares Smartphone
Faltbare Smartphones sehen gut aus – ihr Nutzen erschließt sich TECHBOOK-Autor Steven Plöger allerdings nicht
Foto: Picture Alliance

Samsung zeigte gestern den Prototypen eines faltbaren Smartphone-Displays, auch andere Hersteller wie Huawei und Apple sichern sich Patente und stellen solche Geräte teilweise schon für 2019 in Aussicht. Die Technik dahinter ist erstaunlich – aber wo ist der Nutzen dieser Handys?

Die Erfindung der OLED-Displays ist ein Meilenstein der Technik. Die Bildschirme sehen nicht nur wunderbar farbenfroh und kontrastreich aus, sie sind auch wahnsinnig flexibel: Das Display ist nur noch eine hauchdünne Folie, deren einzelne Pixel auch noch von selbst leuchten. Das füttert natürlich die Fantasie der Hersteller: Seit Jahren bringt OLED-Pionier LG einen Display-Prototypen zur Technik-Messe CES, der sich wie eine Jalousie aufrollen lässt.

Und auch Wohnzimmerlampen sollen künftig nicht mehr aus LED-Birnen bestehen, sondern aus dünnen OLED-Flächen. Ikea hat mit „Vitsand“ bereits ein Modell im Sortiment. Dass man aber nicht alles, was mit OLEDs theoretisch möglich ist, auch umsetzten muss, zeigt die abenteuerliche Idee der faltbaren Handys. Welchen Mehrwert sollen sie bieten?

Weder Tablet noch Smartphone

Klar, ein erstes Argument ist schnell gefunden: Das Display ist größer als das eines normalen Smartphones, was super für Videos oder Spiele ist. Man hat jederzeit ein Mini-Tablet dabei, das sich wie eine Brieftasche zu einem Smartphone falten lässt. Doch die Größe der Falt-Handys ist nicht vergleichbar mit der eines Tablets: Samsungs gezeigter Prototyp soll ausgeklappt auf eine Größe von 7,3 Zoll kommen. Das ist deutlich kleiner als etwa ein iPad, das auf 9,7 Zoll kommt. Das Samsung-Smartphone Galaxy S9 Plus hingegen kommt auf 6,2 Zoll.

Das Falt-Handy würde also eine fragwürdige Zwischengröße einführen, die wenig Mehrwert hat: Für Videos sind auch 7,3 Zoll nicht wirklich ein Knaller, für die meisten Smartphone-Apps reicht die aktuelle Spanne der Handys zwischen 5 und 6,5 Zoll locker aus. Abgesehen davon müssen alle Hersteller erst einmal ihre Apps auf das neue System ausrichten. Das dauert.

Diese Smartphones unterstützen 5G

Wo ist der Mehrwert?

Hinzu kommt, dass erste Bilder von Falt-Smartphones wenig Lust auf die Geräte machen. Noch bevor Samsung sein neues Display vorstellte, kam der chinesische Hersteller Royole mit dem offenbar schon marktreifen Flexpai um die Ecke:

Royole Flexpai


Foto: Royole

Wirklich handlich sieht das nicht aus, was auch die US-Kollegen vom Technik-Portal „Cnet“ beim ersten Antesten bestätigen konnten. Die Falt-Handys werden – selbst wenn die Technik weiter voranschreitet – immer dicker sein als die aktuellen Smartphones. Es wird also enger in der Hosentasche. Die Preise werden zudem in den ersten Jahren horrend sein und möglicherweise sogar die 2000-Euro-Marke knacken.

Welche Argumente sprechen überhaupt für das Falt-Handy?

Das US-Portal „Tech Radar“ listet „5 Gründe, warum Sie ein Falt-Smartphone brauchen“ auf. Das Argument, man bräuchte nur noch eine Kamera – geschenkt! Dafür gebe ich nicht 1000 Euro mehr für ein Smartphone aus.

Das Argument, man könne nun zu zweit mit einem Falt-Smartphone einen Film schauen, jeder auf einer Seite – klar, möglich. Aber da das gefaltete Display dann für jeden Zuschauer wieder auf Smartphone-Größe schrumpft, kann der andere auch gleich sein eigenes nutzen.

Offenbar hatte selbst „Tech Radar“ am Ende keine echten Argumente mehr übrig und zählt als letzten Grund „Ihr aktuelles Smartphone ist im Vergleich einfach langweilig“. Das Argument: faltbare Smartphones seien einfach cooler. Mit dem Coolness-Faktor beworben könnte es dann am Ende auch von den Herstellern verkauft werden, da nüchtern betrachtet nicht viel für ein Falt-Handy spricht. Aber es sieht halt toll aus, wenn man das Handy in der Bahn einfach mal auf- und wieder zuklappt.

Smartphone-Unternehmen stehen unter dem Druck, jedes Jahr etwas Neues liefern zu müssen. Ein Jahr ohne neue Innovation – seien es mehr Kameras, randlose Displays oder Gesichtserkennung – wirft die Hersteller gegenüber der Konkurrenz in der Gunst der Kunden zurück. Klar, dass es da auch immer wieder zu Schnellschüssen kommt.

LG wird sich wohl noch leidig an das erste „Curved“-Smartphone Flex erinnern, das wie eine Banane gebogen war. Und Amazon spricht heute ebenfalls nicht mehr gern vom Fire Phone, das einen 3D-Effekt ohne Brille ermöglichte. Warum sind diese Geräte geflopt? Weil sie für den Nutzer zwar coole, aber im Endeffekt nutzlose Spielereien waren.

Meine Prognose: Das Falt-Smartphone wird sich hier nahtlos einreihen. Was meinen Sie?