DSL 16.000, LTE oder doch Kabel 400?

Wie viel Internet-Geschwindigkeit brauche ich wirklich?

Welcher Internetanschluss ist der beste für mich? TECHBOOK zeigt, wie viel Speed Sie wirklich brauchen.
Welcher Internetanschluss ist der beste für mich? TECHBOOK zeigt, wie viel Speed Sie wirklich brauchen.
Foto: Getty Images

DSL 16.000, LTE, Kabel 400 – Internet-Tarife gibt es viele, doch wie viel Geschwindigkeit brauche ich tatsächlich? TECHBOOK zeigt den perfekten Anschluss für jeden Zweck.

Ein Umzug in eine neue Wohnung, ein auslaufender Vertrag oder einfach blanke Nerven wegen einer zu teuren und zu schlappen Leitung – Gründe für einen Wechsel des Internet-Tarifs gibt es zahlreiche. Wer sich auf den Angebotsseiten der Anbieter genau umschaut, kommt schnell ins Grübeln: Brauche ich DSL 100.000, reicht DSL 16.000 – oder muss es gar eine Kabel-Leitung 400 sein? Welchen Vertrag Sie für welche Einsatzzwecke wählen sollten, damit lange Wartezeiten der Vergangenheit angehören, zeigt Ihnen TECHBOOK.

Der Alltags-Surfer

Sie stöbern regelmäßig bei Facebook, lesen und verschicken Mails, shoppen auf Amazon, versenden kleinere Fotos und schauen Videos auf YouTube? Dann reicht in der Regel ein DSL-6000-Anschluss aus, der beim Download von Dateien eine Maximalgeschwindigkeit von 6 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) erreicht. Das Hochladen von Dateien klappt mit 0,5 Mbit/s – das reicht zumindest für alltägliche Aufgaben aus, theoretisch wären sogar noch geringere Verbindungen wie DSL 4000 okay – diese haben aber immer weniger Anbieter im Angebot.

Der Film- und Musikliebhaber

Video-Streaming löst nach und nach das klassische Fernsehen ab, speziell junge Leute schauen zunehmend vermehrt Netflix und Amazon Prime Video statt ARD oder RTL. Wer Filme in scharfer HD-Auflösung oder auch Musik von Spotify & Co. in hoher Qualität streamen will, sollte daher mindestens zur DSL-16000-Leitung greifen: Hier laufen die Videos flüssig – sofern nicht mehrere Leute gleichzeitig auf das Netz zugreifen und parallel streamen. Sonst kann es zu nervigen Unterbrechungen kommen. Auch YouTube und Online-Videotheken machen keine Probleme.

Wer einen Fernseher mit vierfacher Full-HD-Auflösung (4K) daheim hat und entsprechendes hochaufgelöstes Material aus dem Internet streamen will, braucht allerdings mehr Druck auf der Leitung – DSL 25.000 sollte es hier mindestens sein.

Der Gamer

Nichts ist ärgerlicher bei Online-Duellen auf dem PC, der PlayStation oder der Xbox als eine stotternde Internetverbindung, die etwa hässliche Verzögerungen bei Shooter-Spielen und somit einen Vorteil für den Gegner mit sich bringen. Viele Spiele werden zudem heute digital heruntergeladen, die Dateien sind häufig viele Gigabyte groß – wer sich den Wartefrust ersparen will, sollte mindestens DSL 16.000 nutzen.

Der IPTV-Fernsehgucker

stoerer_inkoknito_modusSie schauen statt Streaming doch lieber klassisches Fernsehen? Als Alternative zum Kabel- oder Satellitenempfang bieten die Telekom, Vodafone und 1&1 Fernsehen übers Internet an, sogenanntes IPTV. Was das für Vorteile hat? Die Auswahl an HD-Sendern ist groß, die Bildqualität ist super und viele Extras wie zeitversetztes Fernsehen oder ein Receiver mit Aufnahmefunktion sind häufig auch dabei. Der große Nachteil: Fällt die Internetverbindung aus oder ist sie zu langsam, bleibt die Flimmerkiste schwarz. Daher sollte es für IPTV mindestens DSL 25.000 sein, um zumindest auf einem Fernseher flüssig HD-Sender darstellen zu können. Wer zwei oder mehr Fernseher hat und parallel HD-Sender anschauen will, sollte über DSL 50.000 (VDSL) nachdenken.

Die WG / Die Familie

Egal ob XL-WG oder Großfamilie – wenn viele Leute in einem Haushalt zeitgleich im Netz surfen, sollten Sie über DSL 50.000 oder – je nach Anzahl der Personen – eine 100.000er-Leitung nachdenken. Bei einer Familie kann die Tochter so ihre Netflix-Serien schauen, der Vater Fernsehen per IPTV schauen, der Sohn Spiele herunterladen und die Mutter per Spotify Musik hören – und das alles zeitgleich und ohne, dass es zu Verzögerungen, Rucklern und Ausfällen kommen sollte.

Der Cloud-Nutzer

Die Zahl hinter dem DSL-Tarif gibt die Maximalgeschwindigkeit beim Download von Dateien an. Beim Hochladen (Upload) von Fotos oder Dokumenten in einen Cloud-Speicher oder von Videos auf YouTube gelten diese Zahlen nicht. So laden Sie etwa beim DSL-16.000-Anschluss Daten zwar mit bis zu 16 Mbit/s herunter, aber nur mit bis zu 2 Mbit/s hoch. Das ist bei kleineren Dateien wie komprimierten Fotos, einem Song oder einem Word-Dokument noch verkraftbar, kann bei größeren Uploads mit mehreren Gigabyte aber Stunden dauern. Als Faustregel gilt: Bei vielen Tarifen beträgt die Upload-Geschwindigkeit etwa ein Fünftel der Download-Geschwindigkeit – so kommen Sie bei DSL 50.000 schon auf knapp 10 Mbit/s beim Upload.

Wem das nicht reicht, sollte auf Anschlüsse mit Vectoring-Technologie oder Glasfaserkabel setzten – hier sind Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 40 Mbit/s im Upload möglich. Wichtig: Prüfen Sie vorher auf der jeweiligen Seite des Anbieters, ob ein solcher Anschluss überhaupt in Ihre Wohnung gelegt werden kann.

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Kabel 400 & Co. – brauche ich einen Turbo-Tarif?

Die Telekom hat sogar noch einen Tarif mit einer maximalen Download-Geschwindigkeit von 200 Mbit/s im Angebot, Vodafone bietet sogar 400 Mbit/s im Kabelnetz. Doch brauche ich solche Geschwindigkeiten überhaupt? „Das hängt natürlich vom einzelnen Nutzer ab – aber für die allermeisten Privathaushalte sind solche Tarife im Moment noch zu schnell und zu teuer“, so Netzexperte Thorsten Neuhetzki von Teltarif.de zu TECHBOOK. „Wer nicht massenhaft Daten vom Rechner ins Netz lädt, kann derzeit guten Gewissens auch mit einer vierköpfigen Familie einen kleineren Tarif nehmen – unter 50 Mbit/s sollte es hier aber auch nicht sein, wenn Kinder im Haus sind. Wenn in ein paar Jahren allerdings datenhungrige Anwendungen wie 4K-Streaming oder Video-Telefonie massentauglicher sind, werden auch Geschwindigkeiten von 200 Mbit/s gefragter.“

Was mache ich, wenn ich auf dem Land wohne?

Wer in ländlichen Gebieten wohnt, hat zuweilen das Problem, dass es keinen schnellen Internet-Anschluss per Kabel oder DSL gibt. Was tun? Eine Alternative sind Tarife mit dem flotten Mobilfunkstandard LTE, die allerdings verhältnismäßig teuer sind und häufig ein vorgegebenes Datenvolumen haben, etwa 10 Gigabyte im Monat. Ist dieses aufgebraucht, drosselt der Anbieter die Geschwindigkeit auf Schneckentempo. Filme streamen oder Daten in die Cloud laden ist so also nur sehr begrenzt möglich.

Warum bekomme ich weniger Geschwindigkeit, als angegeben?

Sie haben eine DSL-16.000-Leitung gebucht, doch statt den versprochenen 16 Mbit/s surfen Sie nur mit halber Geschwindigkeit? Das ist leider üblich so: Die Angaben sind lediglich theoretische Mindestgeschwindigkeiten. Vorzeitige Vertragskündigungen wegen nicht erbrachter Leistung werden von den Anbietern meist nicht akzeptiert – manch erboster Kunde ist aber in der Vergangenheit vor Gericht bereits erfolgreich gewesen und konnte eine Kündigung erzwingen. Wer dauerhaft weniger als 50 Prozent der versprochenen Leistung bekommt, sollte sich also schnellstens mit seinem Anbieter in Verbindung setzten – das ist definitiv nicht akzeptabel!

Wer wissen will, wie schnell seine Verbindung ist: Im Internet finden Sie zahlreiche Speedtests, etwa der vom Fachmagazin Computer Bild.